Mi., 11.10.2017

Liederabend rund um die Demokratie Rückkehr zur Monarchie?

Wie kann Demokratie erhalten werden? In dieser Frage waren sich Manfred Kehr und Michael Tumbrinck nicht immer einig.

Wie kann Demokratie erhalten werden? In dieser Frage waren sich Manfred Kehr und Michael Tumbrinck nicht immer einig. Foto: Ralf Steinhorst

Ahlen - 

Auf heitere, musikalische und manchmal auch kabarettistisch-bissige Weise machten Manfred Kehr und Michael Tumbrinck auf die Vorzüge und Tücken der Demokratie aufmerksam.

Von Ralf Steinhorst

Historische politische Gesänge, gepaart mit tiefgründiger Satire zur aktuellen demokratischen Lage, bekamen die Besucher des Liederabends „Volksherrschaftszeiten“ geboten. Am Dienstagabend begaben sich Sänger Manfred Kehr und Kabarettist Michael Tumbrinck auf ihre ganz eigene Weise im Heimatmuseum auf die Suche nach der Demokratie.

„Die Freiheit ist ein wundersames Tier. Sperrt man sie ein, ist sie weg“, sang einst der österreichische Liedermacher Georg Danzer. Ist die Demokratie synonym zur Freiheit in Gefahr? Michael Tumbrinck nahm diese Frage als Leitfaden für seine Wortbeiträge und zeigte ein eher düsteres Bild des heutigen Demokratieverständnisses auf.

Ganz anders agierte Manfred Kehr im gegenseitigen Wechselspiel mit Michael Tumbrinck in den von ihm vorgetragenen ehrlichen und aufrechten deutschen Liedern seit den Weberaufständen aus dem 15. Jahrhundert. Aufrechte Lieder? „Das sind Lieder, die sich mit einfachen Menschen beschäftigen und demokratisch sind“, erklärte Manfred Kehr. Denn musste man mit dem politisch gesprochenen Wort sehr vorsichtig umgehen, drückten die Menschen mit gesungenen Beiträgen mit unverfänglichen Naturbildern ihren Protest aus. So gelang Manfred Kehr mit Gitarre, Mandoline, Drehleier und Concertina ein gelungener Streifzug durch die vielfältige Geschichte des politischen Liedes.

Da der Liederabend „Volksherrschaftszeiten“, dessen Partner das Projekt „Demokratie leben – Eine Idee vom Glück“ war, auch schräg sein sollte, übernahm Kabarettist Michael Tumbrinck diesen Part mit zahlreichen eigenwilligen Gedankengängen. So plädierte er für Verhängung von Strafzahlungen, wenn jemand nicht zur Wahl geht. Allerdings: Hat nicht die gerade gestiegene Wahlbeteiligung zu dem für viele abstrusen Bundestagswahlergebnis geführt? „Das Schlimmste sind die Nichtwähler, die dann plötzlich wählen gehen“, vollzog Michael Tumbrinck dann eine gedankliche Kehrtwende.

Um sogleich eine Lösungsmöglichkeit anzubieten. Für alles müsse eine Prüfung abgelegt werden. „Nur beim Wählen herrscht völlige Wissensfreiheit – nicht mal ein Alkoholtest ist nötig“, kritisierte der Satiriker. Um zum Schluss dafür zu plädieren, das Jahr 2018 ausfallen zu lassen, da Deutschland dann 100 Jahre monarchiefrei sein wird. Denn wenn man Deutsche daran erinnere, dass sie mal einen Kaiser hatten, könnten sie sentimental werden: „Am Ende gehen sie dann noch auf die Straße und wollen ihren Kaiser Wilhelm wiederhaben!“

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Das Schlimmste sind die Nichtwähler, die dann plötzlich wählen gehen.

Michael Tumbrinck

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