Sa., 02.12.2017

Kunstverein „1968 ist mehr als Politik“

Mit Steinen kann man jonglieren, mit Argumenten auch. Dennoch gilt für Ruppe Koselleck: „Ein Argument ist kein Stein“.

Mit Steinen kann man jonglieren, mit Argumenten auch. Dennoch gilt für Ruppe Koselleck: „Ein Argument ist kein Stein“. Foto: Sabine Tegeler

Ahlen - 

Mit einer Ausstellung zum „50. Geburtstag“ des Jahres 1968 will der neue Künstlerische Leiter des Kunstvereins, Ruppe Koselleck, Studierende und junge Künstler locken – obwohl die altersmäßig von den 68ern weit entfernt sind.

Von Sabine Tegeler

Da steht er, greift zu den Pflastersteinen und jongliert sie gekonnt durch die Luft: Ruppe Koselleck, seines Zeichens (noch inoffizieller) neuer Künstlerischer Leiter des Kunstvereins will schließlich anschaulich neugierig machen auf das, was er als erstes großes Projekt in Ahlen anstößt.

„Ein Argument ist kein Stein“ ist nämlich die zentrale Aussage der Ausstellung, die der Kunstverein ab Mai in der Stadt-Galerie zeigen wird und die das 30-jährige Bestehen des Vereins begleitet. „Und Steine sind auch keine Argumente“, sagt Koselleck wohl wissend, dass man mit beidem jonglieren kann.

Die Ausstellung thematisiert das Jahr 1968. Ein Jahr, das 2018 „50. Geburtstag“ hat und das durch seine gesellschaftlichen Umbrüche einer ganzen Generation einen Namen gab: die 68er. Damals gingen Studenten auf die Straße, Che Guevara war ein Held, die Pille sorgte für eine Revolution im Bett. Und es galt: „Unter dem Pflaster liegt der Strand“. . . da sind sie wieder, die Pflastersteine.

„Aber 1968 ist noch viel mehr als Politik, es ist auch ästhetisch“, sagt Ruppe Koselleck. In seiner Ausschreibung für die Ausstellung spricht er junge Kunststudierende von Kunst- und Designhochschulen an sowie Hochschulabgänger bis fünf Jahre nach dem Studium. „Es sollen sich ganz junge Leute damit befassen, die das Jahr selber gar nicht erlebt haben.“ Eine spannende Sache, findet der Künstlerische Leiter, der in diesem Jahr selbst seinen 50. Geburtstag feierte und damit auch kein echter 68er ist – viel zu jung.

Der Kunstverein will mit der Ausstellung und dem „Aktuellen Bezug von Heute das Vorgestrige Gestern von 1968“ feiern. Und zwar „multimedial offen“, wie Ruppe Koselleck betont. Die Art und Weise, wie sich die Kunststudenten und jungen Künstler mit dem Thema auseinandersetzen, bleibt also ihnen überlassen. Ausgeschrieben seien „ebenso freie wie maximal anspielungsreiche Transformationen zu Symbolen und Mythen der 68er. . . vom fingierten Flugblatt bis zum Farbklecks, vom Foto bis zur Installation, vom Video in den sozialen Netzwerken bis zur traditionellen Malerei“.

Die Künstler sollen ihre Beiträge in Form eines Konzeptpapiers mit Etat und Realisierungsplan sowie einen kurzen Lebenslauf bis zum 3. März an info@kunstvereinahlen.de senden. Eine Fachjury wird entscheiden, wer mit seiner Arbeit vom 4. Mai bis 10. Juni in der Stadt-Galerie dabei ist. Ruppe Koselleck nimmt seit 2012 einen Lehrauftrag an der Universität Osnabrück wahr, hat auch Kontakt zu Stipendiaten im Künstlerdorf Schöppingen und kann so den Wettbewerb schnell in die studentische Szene tragen. Ausgeschrieben ist übrigens nicht nur die Teilnahme, sondern auch noch ein Preisgeld. In welcher Höhe, liegt ja wohl auf der Hand: 1968 Euro.

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