Syrisch-Orthodoxes Gemeindezentrum
Anwohner fürchten um ihre Ruhe

Ahlen -

Bei der ersten Vorstellung des Bauvorhabens der syrisch-orthodoxen Christen der St.-Georg-Gemeinde im Stadtplanungsausschuss hatten SPD und CDU noch Beratungsbedarf angemeldet. Deshalb stellte Stadtplaner Markus Gantefort das Projekt vor großer Zuhörerkulisse vor.

Mittwoch, 20.06.2018, 20:00 Uhr

Das Interesse am Vorhaben der Syrisch-Orthodoxen Gemeinde St. Georg ist groß. Bei der Planvorstellung im Ratssaal waren die Publikumstribünen bis auf den letzten Platz besetzt.
Das Interesse am Vorhaben der Syrisch-Orthodoxen Gemeinde St. Georg ist groß. Bei der Planvorstellung im Ratssaal waren die Publikumstribünen bis auf den letzten Platz besetzt. Foto: Christian Wolff

Nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben ist die Entscheidung über das Bauvorhaben der Syrisch-Orthodoxen Gemeinde St. Georg, mit dem sich am Dienstag der Stadtplanungs- und Bauausschuss beschäftigte. SPD und CDU meldeten durch ihre Sprecher Karl-Heinz Meiwes und Erhard Richard noch Beratungsbedarf an.

Vor der großen Kulisse zahlreicher Anwohner der Paul-Gerhardt-Kirche und Vertreter der aramäischen Gemeinde stellte der Fachbereichsleiter Markus Gantefort das Bauvorhaben vor, das eine Änderung des Flächennutzungsplans zwingend erforderlich macht. Denn die Fläche, welche die Gemeinde mit Kirche und Gemeindehaus bebauen will, wird bislang landwirtschaftlich genutzt.

Auch wenn der gültige Regionalplan Münsterland die Fläche nicht als allgemeinen Siedlungsbereich darstelle, spreche aus regionalplanerischer Sicht nichts gegen das Bauvorhaben, so Gantefort, weil der Standort auf drei Seiten von Häusern umgeben werde. Die zuständige Bezirksregierung habe bereits in ihrem Schreiben vom 7. April 2014 keine Einwände gegen die Bebauung des Areals unweit der Paul-Gerhardt-Kirche erhoben.

Auf der insgesamt 1,51 Hektar großen Fläche sollen nach den Vorstellungen der Syrisch-Orthodoxen Gemeinde St. Georg neben Kirche und Gemeindehaus auch 88 Parkplätze entstehen. Die umfangreiche Beratungsvorlage greift zurück auf bereits Ende der 1990er Jahre geführte Gespräche darüber, dass der an der Zeppelinstraße gelegene bestehende Standort für das Gemeindeleben nicht mehr ausreicht. Zwischenzeitlich musste der Kirchenraum wegen schwerwiegender Mängel geschlossen werden. Die Stadt beabsichtige, das Projekt im Rahmen eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans planerisch zu begleiten, so Gantefort.

So soll die neue Kirche nach einer ersten Entwurfszeichnung aussehen.

So soll die neue Kirche nach einer ersten Entwurfszeichnung aussehen. Foto: Architekturbüro Steinkemper

Für die Freien Wähler begrüßte es Heinrich Artmann, dass eine christliche Gemeinde in Ahlen eine Kirche bauen wolle. Seine Fraktion werde dem Bauvorhaben an dieser Stelle jedoch ihre Zustimmung verweigern. Es gebe andere, geeignetere Standorte wie das Gelände des Baubetriebshofs oder das Zechengelände. In der Vorlage hatte die Verwaltung die Standorte minutiös aufgelistet, die in Vorgesprächen geprüft und von der Gemeinde als ungeeignet abgelehnt worden sind – zum Beispiel eine Teilfläche am ehemaligen Güterbahnhof, im Gewerbegebiet Ost oder auf der Nahrath-Brache an der Industriestraße.

Die Frage, ob der Saal mit 400 Quadratmetern Größe für 288 Personen nicht zu groß bemessen sei, beantwortete Gantefort mit dem Hinweis, dass sich diese Zahl auf eine Bestuhlung an Tischen beziehe. Die Frage, ob bei dem geplanten Café auch Außengastronomie vorgesehen sei, verneinte der Stadtplaner. Für Unmut bei den Zuhörern sorgte die Bemerkung, dass das geplante Café bis 23 Uhr geöffnet sein solle. Die Sprecherin der Bündnisgrünen, Petra Pähler-Paul, äußerte Bedenken gegen die Optik von Kirche und Gemeindehaus, die sich schlecht mit der 1960er- Jahre-Architektur der Paul-Gerhardt-Kirche vertrage. Gantefort sagte zu, dass sich auch der Gestaltungsbeirat noch mit dem Vorhaben beschäftigen werde. Dessen Vorgaben könnten Bestandteil der Baugenehmigung werden.

Des Weiteren befürchtete Pähler-Paul eine akustische Beeinträchtigung des nahen Wohngebietes durch das Läuten zu den täglichen Gottesdiensten, auch wenn das von der Gemeinde beigebrachte Schallgutachten dieses für unbedenklich hält.

Kritik wurde anschließend daran laut, dass Bürgermeister Dr. Alexander Berger nicht an der Sitzung teilnahm. Dessen Anwesenheit wäre wegen der Brisanz des Themas wünschenswert gewesen, äußerten Teilnehmer.

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