Ahlen
Mi., 01.09.2010
Ab ins Licht der Welt - mit Kathrins Hilfe
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Ahlen - Sie hat 2253 Babys auf die Welt geholt und geschätzt noch mal so viele werdende und frisch gebackene Mütter betreut. Sie hat einen Beruf, der für sie Berufung ist und den sie gerne auch noch ein paar Jährchen weiter ausüben will: Kathrin Vorbrink ist Hebamme. Und das seit mittlerweile 25 Jahren.
Ein Vierteljahrhundert. Zeit genug, um nicht nur eine Mutter, sondern auch Jahre später deren Tochter zu entbinden. Das sei in der Tat ein besonderes Erlebnis gewesen, erzählt die 44-Jährige mit einem Lächeln im Gesicht: „Das war schon toll. Ich hab also auch das Enkelkind geholt.“
Kathrin Vorbrink ist freiberuflich und arbeitet als Beleghebamme. Das heißt: Wenns soweit ist, geht sie mit den Frauen ins St.-Franziskus-Hospital. Hausgeburten sind nicht ihr Ding: „Ich schätze die Sicherheit der Klinik. Ich bin mit den Frauen alleine, habe auch eine private Atmosphäre, aber kann jederzeit die Tür aufmachen und die Kollegen um Rat fragen.“
Die Zusammenarbeit mit den Ärzten und den angestellten Hebammen sei „super“. Und wenn alles reibungslos laufe und die Mutter will, könne sie auch sechs Stunden nach der Geburt wieder nach Hause.
Für freiberufliche Hebammen hat sich in den vergangenen 20 Jahren das Arbeiten dennoch sehr verändert. Nein, das liege nicht am Geburtenrückgang. Den spüre sie nicht - Schließungen geburtshilflicher Abteilungen in der Umgebung fangen das auf. „Aber man muss heute schon anders rechnen.“ Habe sie in ihren Anfängen für die Geburtshilfeversicherung 300 Mark im Jahr zahlen müssen, sind es heute 3700 Euro. Dafür muss sie erst mal so einige Babys auf die Welt holen.
Ein weiteres Standbein hat sich die Selbstständige deswegen auch mit ihrem Praxisbetrieb an der Bismarckstraße geschaffen. Dort betreut sie nicht nur die schwangeren Frauen, sondern bietet auch in Zusammenarbeit mit anderen Freiberuflern Pekip-Gruppen, Baby-Massage, Geburtsvorbereitungskurse und mehr an. „Das war schon der Wunsch der Frauen, der im Laufe der Jahre aufkam“, erklärt Kathrin Vorbrink das ausgeweitete Angebot: „Die lernen sich bei mir kennen und finden es gut, sich dann auch weiterhin zu treffen.“
Der Rat der Hebamme ist schließlich nicht nur vor und während der Entbindung, sondern auch oft noch lange danach gefragt. Wenn sich beispielsweise eine sehr junge Mutter - Kathrin Vorbrinks jüngste „Kundin“ war erst 14 - in ihre Obhut begibt, geht es in der Beratung und Begleitung um weit mehr als gynäkologische Fragen.
Die 14-jährige Schwangere war ein genauso herausragendes Erlebnis für Kathrin Vorbrink wie die beiden schnellsten Geburten: „Einmal kam ich in die Klinik, traf die Frau dort und es dauerte noch genau fünf Minuten, dann war das Kind da.“ Ein anderes Mal reichte habe es nicht mehr gereicht, um noch ins Krankenhaus zu fahren: „Das Kind wurde zu Hause bei der Oma auf dem Wohnzimmerteppich geboren“, erzählt die Hebamme und hat bei der Erinnerung immer noch ein Schmunzeln im Gesicht.
Ja, dieser Beruf mache einfach Spaß. Und sie sei dankbar, dass sie einen Mann habe, der ihr direkt nach der Geburt der eigenen beiden Kinder immer den Rücken frei gehalten habe, so dass sie wieder arbeiten konnte.
Dieser Mann hätte es auch gerne gesehen, wenn Kathrin Vorbrink ihr Berufsjubiläum ganz öffentlich mit einer großen Party oder einem Tag der offenen Tür gefeiert hätte: „Aber dafür habe ich einfach keine Zeit. Jetzt im September stehen schon wieder 15 Geburten an.“
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