Ahlen
Mo., 07.06.2010
Horst Jaunich: Gerechtigkeit ist sein Credo
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Ahlen - Es war ein Empfang ganz nach Gusto des Geburtstagskindes: kein übertriebener Pomp, kein Schnick-Schnack. Stattdessen 30 wohl gestimmte Gäste im Heimatmuseum, einige, durchaus inhaltliche Blicke zurück auf das politische Wirken und abschließend ein kleines westfälisches Buffet, ein Sektchen, ein Bierchen. Horst Jaunich war sichtlich zufrieden.
Zum 80. Geburtstag hatte die Stadt Ahlen ihrem ehemaligen Bürgermeister und Ehrenbürger dieses Stelldichein ausgerichtet - nach Überwindung aller Widerstände, die allein von Jaunich selbst ausgegangen waren: „Er gehört ja zu denen, die sich erst mal sträuben, wenn es darum geht, ihr Werk zu würdigen“, erklärte Bürgermeister Benedikt Ruhmöller in seiner Ansprache und Horst Jaunich gab es später auch zu: „Ich habe zu der ersten Anfrage ,Nein danke gesagt.“ Aber die Motivation jener, die diesen Geburtstagsempfang für ihn geben wollten, habe er schließlich respektiert. Und noch einen zusätzlichen Nutzen im Hinblick auf die Ausgaben für die kleine Feier gesehen: „Die Kosten, die dieser Empfang ausmacht, werde ich als Spende an das Forum Armut überweisen.“ Jaunich setzte damit ein Zeichen - und blieb sich so auch diesmal treu.
Denn die soziale Gerechtigkeit, das hatte Bürgermeister Ruhmöller zuvor schon betont, gehörte und gehört zu den gesellschaftlichen Zielen, die dem jetzt 80-Jährigen immer ein Herzensanliegen waren. Als SPD-Bundestagsabgeordneter war Jaunich nicht ohne Grund Experte in der Sozialpolitik: Er habe in Bonn Gesetze mitgestaltet und vieles davon vor Ort konkret umgesetzt, so Ruhmöller. Für seine vorausschauenden Vorbereitungen im Hinblick auf die Zechenschließung beispielsweise gebühre ihm großer Dank.
Bernhard Daldrup, Vorsitzender der SPD im Kreis Warendorf, zitierte zu Beginn seiner Laudatio Wolf Biermann: „Wenn ihr mich wirklich schaffen wollt, müsst ihr mich loben, loben, loben“ - ein Satz der Jaunichs kritischer Haltung gegenüber „Lobhudeleien“ Ausdruck verleihe.
Horst Jaunich gehöre zu jenen Menschen, die nach dem Krieg ihre aktive Politik an zwei zentralen Zielen ausrichteten: Von Deutschland solle Frieden ausgehen und im Land soziale Gerechtigkeit herrschen. An der Entspannungspolitik Brandts habe auch Horst Jaunich seinen Anteil gehabt: „Du warst dabei“, so Daldrup eindrücklich.
Als demokratisch gewählter Bundestagsabgeordneter gehöre Horst Jaunich zum Fundament der deutschen Geschichte, wie Daldrup mit seinem Geschenk bewies: Bilder von dem Kunstwerk „Wand der Demokratie“ im Berliner Reichstagsgebäude, in der auch Horst Jaunich ein Baustein ist.
„Wenn ich als Vorbild bezeichnet werde, dann will ich das gerne sein, wenn es darum geht, die Demokratie zu verteidigen“, dankte Horst Jaunich für die warmen Worte der Redner. Und der Altersjubilar erklärte auch warum: „Die Demokratie ist nicht durch ein paar Irregeleitete bedroht, sondern durch Gleichgültigkeit und den Rückzug ins Private“, mahnte er zu mehr Beteiligung: „Ich möchte Mut machen, sich einzumischen, in Parteien einzutreten.“
Aber auch ganz persönliche Worte fand der Jubilar zum Abschluss seiner Rede: „Ich habe nur Erfolg haben können, weil ich immer gute Menschen um mich rum hatte.“ Jaunich dankte seiner Familie, die in seinen aktiven politischen Jahren viel auf ihn habe verzichten müssen.
Er dankte Ahlen dafür, dass „einige Dinge, die von mir mal eingeführt worden sind, so konsequent weitergeführt werden“. Das Gedenken am 9. November, die Integrationsarbeit oder das Bekämpfen des Extremismus - all diese Anliegen würden bis heute in der Stadt ernsthaft verfolgt und vorangetrieben: „Und das erfüllt mich auch mit einem gewissen Stolz.“
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