Die verborgene Welt des Ichs
So., 29.01.2012
Andreas Horlitz’ Ausstellung „Equilibrium“ in Ahlen
Andreas Horlitz vor seinem digitalen Porträt.
Ahlen -
Es ist ein Ausflug in die verborgene Welt des eigenen Ichs, auf die Andreas Horlitz den Besucher seiner Ausstellung „Equilibrium“ im Kunstmuseum mitnimmt. Und das im doppelten Sinn.
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Denn in den Autoporträts gibt der in München und Berlin lebende Künstler nicht nur seinen eigenen genetischen Code preis, dessen Entschlüsselung allerdings entsprechende Vorkenntnisse voraussetzt, sondern in ihren verspiegelten oder teilverspiegelten Glasoberflächen spiegelt sich der Betrachter selbst, so dass das Selbstporträt des Künstlers durch das Abbild des Gegenübers überlagert wird. Wobei das in Pixeln aufgelöste digitale Porträt durch den verwendeten Platindruck eine Art Rasterung erfährt.
Horlitz ist Fotograf, hat bei Prof. Otto Steinert an der Folkwangschule in Essen in den 1970er Jahren studiert. Aber mit herkömmlicher Fotografie haben seine Objekte, zu denen auch Leuchtkästen gehören, wenig gemein. Abgesehen von diesen Leuchtkästen, bei deren Motivik sich der Künstler mit ganz profanen Objekten wie Schlange, Maske oder Muschel auseinandersetzt, beschäftigt Horlitz das eigene Ich. Wer bin ich, und was macht mich aus? Das äußere Erscheinungsbild, das die Maler früherer Epochen vor der Erfindung der Fotografie interessierte, ist indes für Horlitz ohne Belang. Auf der Suche nach dem, was den Menschen unverwechselbar macht, ist er auf den genetischen Code, die DNA, gestoßen, die mit Hilfe moderner, bildgebender Verfahren, wie sie in der Medizin und Mikrobiologie verwandt werden, sichtbar gemacht wird.
Weitere Informationen
Kunstmuseum Ahlen: Equilibrium, bis 5. Februar, Öffnungszeiten: dienstags, mittwochs und freitags 14 bis 18, donnerstags von 14 bis 20 und samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr.
Dazu ließ sich Horlitz mehrere Blutproben entnehmen, um die Aktivität der Gene sichtbar zu machen. Das Resultat dieser Selbstanalyse sind unter Laserlicht sichtbar gemachte Punkte, aus denen so etwas wie eine Genkarte entsteht. Sie erinnert an eine Sternenkarte, wie sie etwa von Thomas Ruff bekannt ist.
Was ist individueller als das Autoporträt Chronos, das die Ruhe- und Bewegungsphasen des Künstlers auf verspiegeltem Glas wie ein Oszillograph sichtbar macht? Eine Steigerung stellt nur noch die Sichtbarmachung des eigenen Auges dar, in der der durch die Iris regulierte Lichteinfall in einer Art Sammellinse zusammenfließt und spiegelverkehrt abgebildet wird.
Das Modell eines Glaszaunes vor der neuen Zentrale von Europol in Den Haag erweitert den Blick auf das künstlerische Schaffen von Horlitz noch um die Kunst am Bau.
Die Kunst von Horlitz „steht im Kontext des seit Jahrhunderten geübten interdisziplinären Dialoges der Künste mit Wissenschaft, Natur und Religion“, schreibt Museumsdirektor Burkhard Leismann im Vorwort zum Katalogbuch.