Do., 20.05.2010

Drensteinfurt Ein Gott zum Anfassen

Von Philipp Heimann

Rinkerode - Es muss einen besonderen Reiz haben wenn ein bekannter Theologe, Journalist und profilierter Vatikankenner über seine Reise zum Kloster des Dalai Lama spricht. Denn bei der Lesung von Stephan Kulle am Mittwochabend, bekannt geworden durch seine Berichte von der Papstwahl 2005, reichte die Bestuhlung im Rinkeroder Pfarrzentrum für die über 100 Interessierten nicht mehr aus.

Auf Einladung des „Aktuellen Forums“ war Kulle nach Rinkerode gekommen, um aus seinem Buch „40 Tage im Kloster des Dalai Lama“ zu berichten, in dem er einen sehr offenen und persönlichen Blick auf das Leben der tibetischen Buddhisten hinter den Klostermauern im nordindischen Exil liefert. Der Autor geht dabei der Frage nach, warum gerade heute in der Zeit wachsender Religionsverdrossenheit der Buddhismus einen solchen Zulauf hat und so große Begeisterung auslöst.

Gleich zu Beginn seiner Lesung bereitete Kulle seine Zuhörer darauf vor, dass er „ihnen heut viel zumuten“ müsse, und meint damit seine Begegnungen mit tibetischen Mönchen vor allem spiritueller Natur, die den Theologen zwar nicht an seinem Glauben zweifeln ließen, aber seinen Blick auf die Welt doch größer und bunter gemacht hätten. So zum Beispiel die Erlebnisse bei den „teachings“ des Dalai Lama, die etwa einer Predigt nahe kommen, bei denen Kulle einen ganz eigenen Eindruck vom Anführer der tibetischen Buddhisten bekam.

Tendzin Gyatsho, so der weltliche Name des Dalai Lamas, bezeichnet sich selbst nur als einfacher Mönch und ist auch so ein sehr offener Mensch, der zwischendurch auch gerne mal Witze erzähle. Doch wenn er sein Wort erhebe, schaffe er es sofort, Tausende Menschen zu absoluter Ruhe zu bewegen, und sie hörten seinen Worten mit einer Intensität zu, die Kulle nachhaltig beeindruckt habe. Dieser Wechsel ist es auch nach Kulles Auffassung, der diese Faszination um den Dalai Lamas ausmache, einen „Gott zum Anfassen zu haben“ wie „Der Spiegel“ titelte, der dabei jedoch nie seine Authentizität verliere.

Stephan Kulle berichtete aber auch von Lebensumständen im Exil, von den für ihn überraschend einfachen Klosterbauten, die immer noch nur ein Provisorium seien, und den schlichten Alltag der Exiltibeter in Dharmshala, der für viele immer noch von Armut geprägt sei. Oder auch von den Begegnungen mit zwei Mönchen namens Sangay: Einem kleinen Jungen, der für ihn zum Freund wurde, und trotz der Sprachbarriere immer Offenheit und Wärme für ihn ausstrahlte. Und einem alten Mönch, mit dem er über einige Wochen mittags auf einem Dach meditierte, und der Kulle, einem Fremden, „wahre Meditation lehrte“, bei der der Journalist zu einer inneren Ruhe und Ausgeglichenheit gekommen sei, die er so noch nie erlebt habe. Dies zählte für ihn mit zum beeindruckendsten Erlebnis seiner Reise.

Stephan Kulle beschreibt in seinem Buch sehr genau die alltägliche Mystik, etwa bei Fragen der Wiedergeburt, und die für ihn charakteristische Milde im Umgang mit Menschen, die den tibetischen Buddhismus umgeben. Er sieht dies auch als Gründe für den westlichen Hype um diese Religion an, die für ihn die Sehnsüchte der Menschen nach einem anderen Umgang miteinander befriedige. Und besonders diese Nähe zum Menschen würde gerade in der heutigen Zeit auch der katholischen Kirche gut tun.

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