Do., 08.12.2016

Stadt nimmt am „Job Carving“-Projekt teil Ein Job nach Maß

Florian Dahlmann ist ein geübter Schweißer. Davon überzeugten sich die Projektbeteiligten an seinem Arbeitsplatz im Klärwerk (v.li.): Bauhofleiter Thomas Schlüter, Bürgermeister Carsten Grawunder sowie Wolfgang Abeln (Agentur für Arbeit), René Büscher (Freckenhorster Werkstätten), Katja Plettenberg (LWL), Matthias Wehkamp (Integrationsfachdienst) und Klärwerksleiter Heiner Mackenbrock.

Florian Dahlmann ist ein geübter Schweißer. Davon überzeugten sich die Projektbeteiligten an seinem Arbeitsplatz im Klärwerk (v.li.): Bauhofleiter Thomas Schlüter, Bürgermeister Carsten Grawunder sowie Wolfgang Abeln (Agentur für Arbeit), René Büscher (Freckenhorster Werkstätten), Katja Plettenberg (LWL), Matthias Wehkamp (Integrationsfachdienst) und Klärwerksleiter Heiner Mackenbrock. Foto: Dietmar Jeschke

Drensteinfurt - 

Viele Jahr hat er es vergeblich probiert. Nun ist Florian Dahlmann der Sprung in die Arbeitswelt geglückt. Im Rahmen des „Job Carving“-Projekts des LWL hat der 31-Jährige, der unter einer Teilleistungsschwäche des Kurzzeitgedächtnisses leidet, eine Stelle bei der Stadt Drensteinfurt gefunden.

Von Dietmar Jeschke

Erst schneiden, dann schweißen. Beides ist für Florian Dahlmann kein Problem – wenn man ihm nach dem ersten Schritt noch einmal sagt, wie der zweite lautet. Der 31-jährige Drensteinfurter hat ein nicht alltägliches Handicap: Eine Teilleistungsschwäche des Kurzzeitgedächtnisses. Weshalb er bislang trotz seiner handwerklichen Fertigkeiten keine echte Chance auf dem normalen Arbeitsmarkt hatte.

Bislang. Denn mit Hilfe des „Job Carving“-Projektes des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe und mit Unterstützung des Integrationsfachdienstes, der Agentur für Arbeit und der Freckenhorster Werkstätten ist Florian Dahlmann nun der Sprung in die Arbeitswelt gelungen. Und zwar in der Stadt Drensteinfurt . Die nämlich hat dem gelernten Metallbauer zusammen mit den beteiligten Behörden und Einrichtungen quasi einen Job „geschnitzt“.

Genau das bedeutet der Titel LWL-Projekts, dessen Ziel es ist, Stellenpotenziale in Wirtschaft und Verwaltung zu ermitteln und sie so auf die Bedürfnisse von Arbeitgebern und Behinderten zuzuschneiden, dass beide davon profitieren. Das Unternehmen, weil es seine bisherigen Mitarbeiter von Aufgaben, die mit Anlernfähigkeiten zu bewerkstelligen sind, entlastet. Und der Mensch mit Behinderung, weil er auf einen Job trifft, den er mit seinen spezifischen Fähigkeiten voll und ganz verrichten kann.

Genau das tut Florian Dahlmann bereits seit einiger Zeit im Dienst der Stadt. Unter Leitung von Heiner Mackenbrock versieht der 31-Jährige die Hälfte seines Jobs im Klärwerk am Grentruper Weg, wo er – wie eingangs erwähnt – unter anderem mit Schweißarbeiten beschäftigt ist. Die andere Hälfte seiner Dienstzeit absolviert Dahlmann im Bauhof von Thomas Schlüter.

Für die Stadt, die übrigens die erste Kommune im Münsterland ist, die am „Job Carving“-Projekt teilnimmt, ist es eine „Win-Win-Situation“. Und das nicht nur, weil die Stelle ein Jahr lang von der Arbeitsagentur und insgesamt fünf Jahre lang vom LWL finanziell gefördert wird. Sondern auch, weil es getreu dem Motto „Eine Stadt für alle“ ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Integration von behinderten Menschen ist. „Das eigentliche Ziel von Inklusion ist es, dass man irgendwann gar nicht mehr darüber reden muss, weil sie selbstverständlich ist“, erklärte Bürgermeister Carsten Grawunder.

Lob zollte René Büscher von den Freckenhorster Werkstätten, wo Dahlmann bislang am Standort Beckum beschäftigt war, der Stadt für ihr Engagement. „In Drensteinfurt herrscht eine Willkommenskultur für Menschen mit Behinderungen“, so Büscher. „Ich würde mir wünschen, dass mehr Arbeitgeber genauso denken würden.“

Für Wolfgang Abeln, Teamleiter bei der Agentur für Arbeit, ist das Projekt gleichfalls ein Erfolg. „Es zeigt, dass die Behindertenwerkstatt keine Sackgasse ist“, so Abeln. „Wir würden uns wünschen, dass es vielmehr Betriebe probieren. Aber die Zurückhaltung ist nach wie vor groß.“

Der Dank von Bürgermeister Carsten Grawunder gilt insbesondere den beiden Vorgesetzten von Florian Dahlmann. Denn sie sind es, die tagtäglich mit den durchaus besonderen Umständen zu tun haben. „Er ist gut eingeschlagen“, erklärte Klärwerksleiter Heiner Mackenbrock. „Aber trotzdem darf man die Behinderung niemals außer Acht lassen.“

Florian Dahlmann selbst ist froh, mittlerweile einen richtigen Job – und dazu in seiner Heimatstadt – gefunden zu haben. Und für die täglichen Problemchen hat er mittlerweile seine ganz eigenen Strategien entwickelt. Denn wenn etwa mal kein Zettel zur Hand ist, dann wird kurzerhand mit dem Handy ein Foto von dem gemacht, was es als übernächstes zu erledigen gilt.

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