Triathlet Hermann Aschwer
„You are an Ironman“

Ameke -

330 Triathlons hat Dr. Hermann Aschwer in aller Welt absolviert. 40 Mal ist er bei Ironman-Veranstaltungen an den Start gegangen. Wer meint, dass es dem Ameker irgendwann doch reichen müsste, der täuscht sich. Am liebsten würde der 70-jährige Ausdauersportler noch zehn Jahre weitermachen.

Freitag, 27.01.2017, 23:01 Uhr

Mehr als 330 Triathlons und 40 Ironman-Events hat Hermann Aschwer in seiner Karriere absolviert. Wenn es nach dem 70-Jährigen geht, sollen noch einige hinzukommen.
Mehr als 330 Triathlons und 40 Ironman-Events hat Hermann Aschwer in seiner Karriere absolviert. Wenn es nach dem 70-Jährigen geht, sollen noch einige hinzukommen.

Sich mit Tausenden anderen Menschen in die Fluten stürzen, danach seine Kondition, Ausdauer, Kraft und sein Durchhaltevermögen auf dem Rad unter Beweis stellen und zum Schluss noch einmal viele Kilometer den Asphalt unter seinen Laufschuhen spüren, bis man endlich dort angekommen ist, wofür man sich so intensiv vorbereitet und trainiert hat: im herbeisehnten Ziel. Das alles ist seit mehr als 30 Jahren Dr. Hermann Aschwers Welt. Der seit Kurzem 70 Jahre alte Ameker hat in seiner sportlichen Laufbahn als Triathlet mittlerweile weltweit mehr als 330 Triathlons absolviert und 40 Mal nach dem Überqueren der Ziellinie die magischen Worte „You are an Ironman “ – auf Deutsch: „Du bist ein Ironman“ – gehört. Damit hat der ambitionierte Ausdauersportler aber noch nicht genug: „Am liebsten möchte ich noch mindestens zehn Jahre weitermachen.“

Angefangen, überhaupt Sport zu machen, hat Aschwer erst im Alter von 33 Jahren. „Da bin ich nur gelaufen. Das wurde mir aber irgendwann zu langweilig“, gesteht der 70-Jährige. Glücklicherweise sei aber die Welle der Begeisterung für den Triathlon in den 1980ern aus den USA nach Europa geschwappt, so dass sich der Ameker schnell dazu entschloss, neben dem Laufen ebenso dem Radfahren und Schwimmen nachzugehen. Seine erste Ironman-Distanz – das sind fast vier Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer auf dem Rad und etwas mehr als 42 Kilometer Laufen – legte er 1985 in den Niederlanden zurück. Aschwers Gedanken beim Zieleinlauf: „Das hat so viel Spaß gemacht. Das war bestimmt nicht der letzte.“ Das sollte sich schnell bewahrheiten, denn noch im gleichen Jahr stellte er sich zum ersten Mal der Herausforderung des ältesten Triathlons über die Langdistanz, dem Ironman auf Hawaii. Im Laufe der Jahre folgten noch zwei weitere Teilnahmen an dem Wettbewerb auf der Pazifikinsel, wobei er einmal knapp unter zehn Stunden finishen konnte. „Dieses Ziel setzen sich viele Teilnehmer dort“, weiß der 70-Jährige.

Neben den mehr als 330 Triathlon-Teilnahmen, den 40 Ironman-Distanzen und einer doppelten Ironman-Distanz absolvierte Aschwer noch Hunderte von Laufwettbewerben. Handschriftlich hat er alle seine sportlichen Daten festgehalten. Im letzten Jahr hat er seinen 100 000. Laufkilometer zurückgelegt – mittlerweile sind es schon wieder einige Kilometer mehr. Hinzu kommen 5200 Schwimmkilometer und 230 000 Kilometer auf dem Rad. „Ich habe mein halbes Leben ohne Triathlon verbracht und die andere Hälfte mit dem Sport“, sagt der Ameker, der Studiendirektor in den Fächern Physik, Mathe und Bautechnik war. „Ich möchte die letzten 35 Jahre nicht missen.“

Als größte Herausforderung in dieser Zeit benennt er die Ironman-Teilnahmen sowie den Wettkampf über die doppelte Ironman-Distanz. Während seiner sportlichen Laufbahn hat der 70-Jährige auch viel erlebt. „Innerhalb eines Triathlons hat man mit Laufen, Radfahren und Schwimmen Abwechslung. Das ist das Faszinierende daran“, erklärt Aschwer seine Begeisterung für den Nonstop-Ausdauerdreikampf. Natürlich gebe es auch immer ein paar Probleme. „Ein Plattfuß ist da noch harmlos“, sagt er. Ein abgebrochener Sattel oder die Unauffindbarkeit des Wechselbeutels seien ebenfalls schon vorgekommen. „Aber das ist der Reiz beim Triathlon, mit diesen Unwägbarkeiten zu kämpfen“, ergänzt der Ameker. Hinzu kämen auch immer das Wetter, die Umgebung und die klimatischen Verhältnisse. Der Kampf gegen das Wasser, die hohen Wellen, große Hitze oder Dauerregen – da müsse man sich drauf einstellen. „Wichtig ist, dass der Kopf mitspielt“, kennt sich Aschwer aus. Seine derzeitigen Lieblingsrennen sind in St. Pölten und in Luxemburg : „Die sind landschaftlich toll.“

Stolz ist er darauf, dass er bei keinem Wettkampf aufgegeben hat. „Ich bin nie freiwillig ausgestiegen, nur einmal verletzungsbedingt. Selbst, wenn es mal schwierig wurde, nimmt man einfach etwas Tempo raus und kommt trotzdem ins Ziel“, berichtet er. Der Gedanke „Finishen, egal, was kommt“ spiele da eine entscheidende Rolle. Man müsse sich aber auch klarmachen, dass es noch wichtigere Dinge im Leben als den Sport gebe. Dennoch ist der Triathlon eine große Bereicherung für den 70-Jährigen. „Triathlon ist für mich auch immer ein Naturerlebnis. Ausdauersportarten gehören in die Natur und nicht in die Stadt“, erläutert er. Zuschauer seien zweitrangig, denn in erster Linie „mache er das für sich selbst“. „Klar freut man sich, wenn man in seiner Altersklasse gut abschneidet und vorne mit dabei ist, aber das Erleben des gesamten Events ist viel wichtiger“, betont er. Mit den Jahren hätten sich für ihn auch weltweite Freundschaften entwickelt und er hat viele neue Menschen kennenlernen dürfen.

Seit seinem Beginn als Triathlet 1983 hat er ebenso verschiedene Generationen und die Weiterentwicklung der Technik miterlebt. „Die Ausrüstung kann noch so modern sein. Trainieren muss jeder selbst. Wir Menschen sind zu Bewegung verdammt“, macht er klar. Wichtig sei auch, die Motivation hochzuhalten. „Man darf mental nicht ausbrennen, muss sich immer neue Reiseziele setzen und dort an neuen Läufen teilnehmen und nicht zu viel trainieren“, fügt er hinzu. Aschwer hat jährlich etwa ein Trainingspensum von 400 Stunden. Runtergerechnet auf einen Tag ist das nicht mehr als etwas mehr als eine Stunde. Früher hat er sein Training in seinen Alltag integriert und ist beispielsweise mit dem Fahrrad jeden Tag zur Arbeit gefahren. „Wichtig ist aber auch, dass jeder nach seinen eigenen Möglichkeiten trainiert“, sagt der 70-Jährige.

Seine durchschnittliche Woche umfasst im Sommer drei Mal laufen, ein bis zwei Mal schwimmen und im Zeitraum von März bis September zwei Mal Radfahren. „Während des Trainings steigert man kontinuierlich den Umfang und die Intensität. Man muss aber immer moderat, maßvoll und mit Spaß trainieren“, erklärt der Ameker seine drei „berühmten M’s“. Denn Trainieren sei keine Qual. Es sei zwar ab und zu mit einigen Anstrengungen verbunden, aber dennoch sollte der Spaß im Vordergrund stehen. Im Winter trainiert der deutsche Triathlon-Pionier auch mal ein paar Wochen gar nicht, geht dafür wandern oder fährt Ski. „Das ist alles aber keine Religion für mich. Ich mache alles nach meinem eigenen Wohlbefinden“, so Aschwer. „Wenn man vernünftig trainiert, ist man nach einem Triathlon nicht platt, sondern bereit für die nächsten.“

Mittlerweile hat sich der 70-Jährige nicht nur in der sportlichen Praxis einen Namen gemacht. Im Laufe der Jahre hat er als Fachbuchautor, Ratgeber und Motivator mehr als 20 Bücher über den Triathlon, das Training und seine Erfahrungen geschrieben. Veröffentlicht werden die Bücher teilweise in drei Sprachen. Im englischsprachigen Raum hat er sich deswegen auch unter seinem Pseudonym „Henry Ash“ etabliert. Viele seiner schriftlichen Werke sind Bestseller, und Aschwer ist in der Szene dadurch bekannt wie „ein bunter Hund“ und wird weltweit zu den verschiedensten Veranstaltungen eingeladen, um dort Vorträge zu halten und über den Triathlon zu sprechen.

In diesem Jahr geht der Ameker, der sich derzeit mehr mit Halbironmans aufgrund des geringeren Trainingsaufwandes begnügt, in Sardinien, Kroatien, Luxemburg und Österreich an den Start. Für das kommende Jahr plant er die Teilnahme an der „Ironman 70.3“ Weltmeisterschaft in Afrika.

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