Fr., 19.05.2017

Astrid Bremer Für die Nachwelt bewahren

Astrid Bremer ist Verwaltungswirtin und Architektin. In der Stadtverwaltung vertritt sie die Untere Denkmalbehörde und kümmert sich um die Denkmäler, die es im Stadtgebiet gibt.

Astrid Bremer ist Verwaltungswirtin und Architektin. In der Stadtverwaltung vertritt sie die Untere Denkmalbehörde und kümmert sich um die Denkmäler, die es im Stadtgebiet gibt. Foto: -bim-

Drensteinfurt - 

Altes erhalten, es für künftige Generationen bewahren und damit das Leben der Vergangenheit wertschätzen. Dieser Aufgabe hat sich Astrid Bremer verschrieben. Sie vertritt in der Stadtverwaltung die Untere Denkmalbehörde und kümmert sich um die mehr als 100 Denkmäler Drensteinfurts.

Von Birte Moritz

„Es ist eine schöne wie auch wichtige Aufgabe, Altes zu erhalten, für zukünftige Generationen zu bewahren und damit das Leben der Vergangenheit wertzuschätzen.“ Astrid Bremer bezieht klar Position, wenn es um ihren Arbeitsbereich geht. Die 52-jährige Verwaltungswirtin und Architektin vertritt in der Stadtverwaltung die Untere Denkmalbehörde und kümmert sich um die mehr als 100 Denkmäler Drensteinfurts.

Zwar interessierte sich die in Schleswig-Holstein Aufgewachsene zum Ende ihrer Schulzeit vor allem für Kunst. Doch ihrem Vater zuliebe entschied sie sich dann für „was Ordentliches“ und nahm – nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr im Krankenhaus – in Hannover ein Studium zur Diplom-Verwaltungswirtin (FH) auf. Später gab Bremer ihrem Faible für das Künstlerische doch noch nach, indem sie, ebenfalls in Hannover, Architektur studierte. Dort hatte sie einen ungewöhnlichen Studentenjob: Nach einer sechswöchigen Kurzausbildung arbeitete sie als U-Bahn-Fahrerin in Hannovers Untergrund. „Ich hatte keine Angst vor Technik“, erklärt sie dazu. Von den Planungsobjekten im ersten Architekturbüro, in dem sie danach arbeitete, war sie allerdings nicht so begeistert. Dort entwarf sie immer wieder nur Tankstellen.

Nachdem sie 2001 mit ihrem Mann nach Münster gezogen war, fing Astrid Bremer ein Jahr später im Drensteinfurter Bauamt im Bereich Gebäudemanagement an. Der Umbau zum heutigen Kulturbahnhof und der Neubau der Realschule waren die beiden ersten großen Projekte, erinnert sie sich. Den Bereich Denkmalpflege habe sie damals „immer nebenher mitgemacht“.

Nach einer familiären „Auszeit“ arbeitet sie nun in Teilzeit ausschließlich im Denkmalschutz. „Das macht mir Spaß“, betont Bremer. Allerdings bedauert sie: „Denkmalschutz kocht immer auf eher kleiner Flamme und wird oft nicht so wichtig genommen.“ Dabei sei der Denkmalschutz eine Pflichtaufgabe der Kommunen und in der Verfassung verankert. Vor allem aber sei er spannend und wichtig, könne man an historischen Gebäuden doch Strukturen und die geschichtliche Entwicklung eines Ortes ablesen. In Drensteinfurts Innenstadt seien dies etwa das Schloss Haus Steinfurt, die Alte Post aus dem Jahre 1647 und die St.-Regina-Kirche (1790). Aber auch die Alte Küsterei sowie viele Wohnhäuser am Süd- und Westwall zählten dazu. Neben diesen Bau- gebe es auch noch die Kategorie der Bodendenkmäler, legt die Fachfrau dar. Dazu zählten die durch den Strontianit-Abbau entstandenen Halden „Bertha“ und „Maria“. Und „bewegliche“ Denkmäler seien etwa Hochaltar, Orgel oder Taufstein in St. Regina.

Im Zuge des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigte man sich auch mit der Erhaltung denkmalwerter Ensembles. Und so gibt es bis heute eine „Inventarisierungsliste“, in der alle Objekte in Drensteinfurt, Rinkerode und Walstedde aufgeführt sind, die noch auf ihren Denkmalwert hin überprüft werden müssen. Bei jedem Bau- oder Abbruchantrag werde auch in diese Liste geschaut, erklärt die Verwaltungsfrau. Außerdem müssten alle Veränderungen an Baudenkmälern mit ihr und der Fachaufsicht des Landschaftsverbands LWL abgestimmt werden.

Doch es kommen kontinuierlich weitere Objekte zur Denkmalliste hinzu. So können Privateigentümer ihr Gebäude unter Schutz stellen lassen oder aber die Stadt oder der LWL wünschen eine Überprüfung. Dann erfolgt eine wissenschaftliche Untersuchung des Objekts. Dabei wird geschaut, wie alt und wie selten das potenzielle Denkmal ist und „was es für eine Geschichte erzählt“, sagt die Architektin. Sie freut sich über „die gute Zusammenarbeit mit den Heimatvereinen und allen älteren Bewohnern der Stadt, die noch viel über die Vergangenheit erzählen können.“

Der Unterhalt eines denkmalgeschützten Hauses sei für Privateigentümer nicht immens. Denn es könnten Fördergelder beantragt und außerdem die Aufwendungen steuerlich abgesetzt werden. Bürger, die ein Denkmal besitzen, hier zu beraten, zählt auch zu den Aufgaben der Denkmalschützerin.

Doch nicht nur Bremers Arbeitsbereich in der Stadtverwaltung ist vielseitig. Ihre Freizeitinteressen sind es ebenso. So näht, malt und fotografiert sie nicht nur gerne. Die Wahl-Münsteranerin ist auch musikalisch aktiv. Sie singt im Chor und spielt Gitarre und Klavier. Außerdem schätzt sie es, zu reisen. So hat sie nicht nur die USA besucht, auch Indonesien zählte schon zu ihren Zielen. Ihre abenteuerlichste Reise aber hat sie erlebt, als sie mit dem „Hanomag“ von Hannover durch die Sahara bis nach Togo fuhr. Und auch in Australien war sie bereits zwei Mal und hatte sogar mal überlegt, gemeinsam mit ihrem Mann dorthin auszuwandern.

Zu den besonders bemerkenswerten Erlebnissen im Rahmen ihrer Arbeit zählt für Astrid Bremer das Zeitzeugen-Interview mit einer heute 90-Jährigen. In Zusammenarbeit mit Stadtarchivar Dr. Ralf Klötzer war es gelungen, die alte Dame nach Drensteinfurt einzuladen, damit diese über das kürzlich unter Denkmalschutz gestellte ehemalige Behelfsheim in der Bauerschaft Natorp berichten konnte. Als junge Frau hatte sie in dem 1944 errichteten kleinen Haus mit ihrer Familie gewohnt.

Eine gute Gelegenheit, sich mit dem Thema Denkmalschutz zu beschäftigen, bietet der jährliche bundesweite „Tag des Offenen Denkmals“. Er findet dieses Jahr am 10. September unter dem Motto „Macht und Pracht“ statt. Derzeit beschäftigt sich Astrid Bremer mit den Vorbereitungen.

Der „Tag des Offenen Denkmals“ wurde 1984 in Frankreich „erfunden“. Es folgten die Niederlande, Schweden, Dänemark und Belgien dem Beispiel. Der Europarat griff die Idee auf und rief 1991 offiziell die „European Heritage Days“ aus. Deutschland nimmt seit 1993 bundesweit am „Tag des Offenen Denkmals“ teil – also in diesem Jahr zum 25. Mal.

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