Neuer Ratssaal wird gebaut
Alte Post: Die Politik zieht aus

Drensteinfurt -

Allen Einwänden der Grünen und der FDP zum Trotz: Die Politik wird der Alten Post als Tagesordnung nach rund vier Jahrzehnten den Rücken kehren.

Dienstag, 13.03.2018, 23:03 Uhr

Da geht`s lang: Ein Wegweiser, der künftig nicht mehr für die Vertreter der Politik gelten wird. Am Montag beschloss der Rat mit Stimmen von CDU und SPD den Teilneubau der Verwaltung samt neuem Ratssaal.
Da geht`s lang: Ein Wegweiser, der künftig nicht mehr für die Vertreter der Politik gelten wird. Am Montag beschloss der Rat mit Stimmen von CDU und SPD den Teilneubau der Verwaltung samt neuem Ratssaal. Foto: Dietmar Jeschke

Dass eine Ratssitzung mit einem Zitat aus dem Johannes-Evangelium eröffnet wird, hat es in den vergangenen Jahrzehnten so wohl noch nicht gegeben. „Wer frei von Sünde ist, der werfe den ersten Stein“, sagte Bürgermeister Carsten Grawunder. Und das nicht ohne Grund. Denn dass der „schwarze Peter“ in Sachen „Teilneubau des Rathauses“ bei ihm liegt, hatte er bereits in der Sitzungsvorlage unumwunden eingestanden. Damit es nach dem leidigen Hickhack um den – vorbei an Politik, Öffentlichkeit und Wettbewerbern und damit nicht ordnungsgemäß vergebenen – Planungsauftrag aber nun endlich weitergeht, wollte das Stadtoberhaupt nun einen Schlussstrich unter die heftig geführte Debatte ziehen.

Und zwar in Form einer Beschlussvorlage, die trotz kontroverser Debatte am Ende mit großer Mehrheit absegnet wurde: Der Planungsauftrag zum Teilneubau der Stadtverwaltung wird im Zuge eines Architektenwettbewerbs vergeben. Und zur Ausschreibung wird neben dem üblichen Raum-Portfolio auch ein neuer Ratssaal gehören. Zeitgleich soll auf Antrag der SPD ein Konzept für die künftige Nutzung der Alten Post erstellt werden, der die Politik damit nach knapp vier Jahrzehnten den Rücken kehren wird.

Vor allem das aber stieß den Grünen und der FDP erneut übel auf. Um die Kosten abzuwägen – der bisherige Entwurf von Planer Wolfgang Döring umfasst samt neuem Ratssaal ein Volumen von über drei Millionen Euro – forderten sie zunächst einen zweiten Planentwurf ohne einen entsprechenden Saal.

„Die Alte Post ist mitten im Ort, bürgernah und barrierefrei. Und jeder hat hier mehr als ausreichend Platz“, erklärte Grünen-Sprecherin Maria Tölle. Ähnliche Töne gab es von den Freien Demokraten: „Es ist erstaunlich, wie wir erst im vergangenen Jahr darum gerungen haben, weiter zu sparen. Und jetzt sollen Millionen für ein neues Rathaus ausgegeben werden“, kritisierte FDP-Ratsfrau Sonja Berstermann-Kowalke.

Carsten Grawunder wies diese Äußerungen mit Blick auf die bereits gebetsmühlenartig aufgezählten Argumente für einen Teilneubau mit Ratssaal abermals vehement zurück. Eine veraltete Technik, schwierige Denkmal- und Brandschutzbestimmungen sowie bereits jetzt über 200 Veranstaltungen im Jahr in der Alten Post: Die Argumente für einen Umzug der Politik in einen technisch modernen Saal, der zudem multifunktionell auch der Verwaltung zur Verfügung stehen soll, lägen klar auf der Hand. „Das Thema wird heute entschieden“, so der Bürgermeister.

Unterstützung erhielt er von Union und SPD. „Wir haben hier heute eine historische Chance. Und die sollten wir wahrnehmen“, erklärte CDU-Ratsmitglied Markus Wiewel mit Hinweis auf die Möglichkeiten, die sich durch eine Umnutzung der Alten Post – Stichwort: öffentliche Nutzung – ergeben könnten.

„Ich meine auch, dass man sich jetzt auf den Weg machen sollte, um für die nächsten 20 bis 30 Jahre gewappnet zu sein“, ergänzte SPD-Fraktionsvorsitzender Ingo Stude, der gleichfalls beantragte, mit Beginn der Planungen für den Rathausneubau am Landsbergplatz einen konkreten Entwurf für die künftigen Nutzungsmöglichkeiten des historischen Fachwerkhauses an der Mühlenstraße erstellen zu lassen.

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