Stadt wird Ladenlokal nicht los
Nicht einmal „für lau“

Drensteinfurt -

Keine Bewegung im Ladenlokal an der Wagenfeldstraße: Die Stadt hat nach wie vor keinen Interessenten gefunden, der die Räume kostenlos testen möchte.

Dienstag, 08.05.2018, 23:05 Uhr

Links Eisdiele, rechts Leerstand: In der Absicht, eine Umwandlung in Wohnraum zu verhindern, hatte die Stadt das Ladenlokal an der Wagenfeldstraße für ein Jahr angemietet, um einen gewerblichen Nachnutzer zu finden. Bislang ohne Erfolg.
Links Eisdiele, rechts Leerstand: In der Absicht, eine Umwandlung in Wohnraum zu verhindern, hatte die Stadt das Ladenlokal an der Wagenfeldstraße für ein Jahr angemietet, um einen gewerblichen Nachnutzer zu finden. Bislang ohne Erfolg. Foto: Dietmar Jeschke

Sie haben fast alles versucht: Sechs Monate lang sind Wirtschaftsförderin Ute Homann und Citymanager Riccardo Magistro in die Nachbarstädte getingelt und haben dort mit über 90 Kaufleuten gesprochen. Und obwohl es 38 potenzielle Interessenten gab, fehlt bislang eine Unterschrift. Wie die Wirtschaftsförderer am Montagabend den Mitgliedern des Rates berichteten, gibt es nach wie vor keinen neuen Mieter für das seit nun rund anderthalb Jahren leerstehenden Ladenlokal an der Wagenfeldstraße, das die Stadt – wie berichtet – für ein Jahr angemietet hatte, um sicherzustellen, dass es auch weiterhin dem Einzelhandel und nicht zu Wohnzwecken dient.

Mit – so berichtete Ute Homann – anfangs viel Enthusiasmus, gab es doch schnell potenzielle Nachmieter, die am Angebot der Stadt – kostenfreie Testnutzung für drei Monate – Interesse zeigten. Unter ihnen, so die Wirtschaftsförderin weiter, war sogar der langersehnte Herrenausstatter, der die seit Jahren bestehende Angebotslücke in der Stadt hätte schließen können. Allein: Auch der wollte am Ende nicht. „Was sollen wir in Drensteinfurt?“ „Wir haben mit unserem eigenen Geschäft genug zu tun.“ „Uns fehlt das Personal.“ „Wir sind zu alt“. Und vor allem: „100 Quadratmeter Ladenfläche sind zu wenig.“ Das, so Homann und Magistro, waren die meisten Antworten, die sie am Enden zu hören bekommen haben.

Was für die beiden Wirtschaftsförderer bleibt, ist ein kleines Fünkchen Hoffnung. Denn während des „Summer Feelings“ am Wochenende habe sich ein weiterer potenzieller Nutzer das Ladenlokal, in dem zuletzt der „Druckservice Bauer“ sein Domizil hatte, angeschaut und, so Ute Homann, sich Bedenkzeit erbeten. Wie es bei einem weiteren „Nein, Danke“ weitergeht? „Wir haben uns mittlerweile der Mehrgleisigkeit geöffnet“, erläuterte Homann den Ratsmitgliedern. Will heißen: Da offensichtlich kein Einzelhändler den Laden haben möchte, suche man mittlerweile nach Alternativen. Und das könnten etwa caritative Organisationen oder aber Künstler sein, die den einstigen Laden als Ausstellungsfläche nutzen wollen.

Viel Zeit bleibt der Stadt auf der weiteren Suche nicht. Denn Stand jetzt muss die Verwaltung den von vornherein auf ein Jahr befristeten Mietvertrag spätestens Ende Juni kündigen, will sie nicht ein weiteres Jahr lang auf den Kosten hängen bleiben.

„Es ist schon beeindruckend, was sie alles versucht haben“, honorierte Grünen-Sprecherin Maria Tölle das zwar intensive, aber bislang erfolglose Engagement von Ute Homann und Riccardo Magistro. CDU-Fraktionsvorsitzender Heinz Töns verwies unterdessen nochmals auf die „Bauchschmerzen“, die man bereits zu Beginn des Projektes gehabt habe. „Jetzt stehen wir immer noch dort, wo wir schon vor einem Jahr standen“, so Töns. Deutlichere Worte sprach sein Fraktionskollege Markus Wiewel: „Es ist schon ein wenig schockierend, dass niemand den Laden umsonst haben will.“

Als bedauerlich, dass der Versuch bislang nicht gefruchtet hat, wertete SPD-Fraktionsvorsitzender Ingo Stude das Vorgehen. Allerdings sei der jetzige Stand nur ein neuerlicher Hinweis auf „längst bekannte Probleme“. „Es wird Zeit, dass wir andere Dinge angehen“, erklärte Stude mit Blick auf das bestehende Einzelhandelskonzept und die darin verankerte „Drensteinfurter Liste“, die eine Ansiedlung weiterer Handelsbetriebe außerhalb der Innenstadt bisher stark einschränkt.

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