Verzeichnung der Kirchenakten
Alles raus aus den Kartons

Walstedde -

Seit beinahe anderthalb Jahren ist ein ehrenamtliches Quartett damit befasst, alle Akten im Besitz der Kirchengemeinde St. Regina zu sichten, zu sortieren und zu verzeichnen. Das Ergebnis soll der künftigen Forschung dienen.

Freitag, 10.08.2018, 06:00 Uhr

Seit 2016 sind Helmut Winterscheid (v.re.), Waltraud Havers, Liane und Kurt Schmitz (li.) mit dem Sichten, Sortieren, Verzeichnen und Entsorgen der alten Akten beschäftigt. Pastor Jörg Schlummer (2.v.li.) ist dem Team dankbar für diese ehrenamtliche Arbeit.
Seit 2016 sind Helmut Winterscheid (v.re.), Waltraud Havers, Liane und Kurt Schmitz (li.) mit dem Sichten, Sortieren, Verzeichnen und Entsorgen der alten Akten beschäftigt. Pastor Jörg Schlummer (2.v.li.) ist dem Team dankbar für diese ehrenamtliche Arbeit. Foto: Nicole Evering

Derzeit kann es manchmal ganz schön warm werden im Dachgeschoss des Pfarrheims St. Lambertus. Nicht nur wegen der Sommerhitze, sondern auch, weil dort die Köpfe rauchen. Denn eine kleine Gruppe Ehrenamtlicher ist damit beschäftigt, alle alten Akten im Bestand der Kirchengemeinde St. Regina zu sichten, zu sortieren – und dann gegebenenfalls digital zu verzeichnen oder zu entsorgen.

Eine aufwändige Arbeit, die bereits seit gut anderthalb Jahren andauert. Und immer noch haben Liane und Kurt Schmitz, Waltraud Havers sowie Helmut Winterscheid viele, viele Kartons mit alten Schriftstücken vor sich – darunter sind Rechnungen, Grundrisse kirchlicher Gebäude, Bekanntgaben aus Messen oder auch Einkommensnachweise eines Vikars. Also Informationen, die das gesamte Leben innerhalb der ehemals eigenständigen Kirchengemeinden St. Regina, St. Pankratius und St. Lambertus widerspiegeln. „Eine Goldgrube“, sagt Helmut Winterscheid mit einem Lächeln.

Ihn hat Liane Schmitz, die Stadtarchivarin in Lüdinghausen ist und dort die gleiche Arbeit schon für die Kirchengemeinde St. Felicitas erledigt hatte, schnell für die Aufgabe begeistern können. Ihr Mann Kurt ist ebenso mit im Boot wie Waltraud Havers, die viel Ortskenntnis mitbringt. Alle haben schon bei anderen Gelegenheiten zusammengearbeitet – etwa bei der Präsentation des ehemaligen Hotels „Zur Post“ beim „Tag des offenen Denkmals“. Nun haben sich die Vier das Sichten der Kirchenakten vorgenommen. „Wir erledigen damit die Grundlagenarbeit für künftige historische Forschung“, sagt Liane Schmitz.

Ergänzung der Ortsgeschichte

Denn viele kommunale Archivalien seien, beispielsweise während des Zweiten Weltkriegs, zerstört worden. „Die kirchlichen Dokumente ergänzen in vielen Fällen die Ortsgeschichte“, erklärt Schmitz. Rund 450 Akten aus Rinkerode und Drensteinfurt hat das Quartett schon verzeichnet; das älteste bisher gefundene Dokument datiert aus dem Jahr 1645. Dutzende Kartons warten aber noch auf Durchsicht.

Dabei geht es zunächst einmal darum, das empfindliche Papier noch für viele nachfolgende Generationen zu erhalten. „Der größte Feind des Archivars ist die Büroklammer“, weiß Kurt Schmitz. Denn Rost verfärbt das Papier und frisst regelrechte Löcher hinein. Klarsichtfolien – ein Tipp auch für den Hausgebrauch – seien ebenfalls nicht dafür geeignet, Dokumente über einen längeren Zeitraum hinweg aufzubewahren. Archive nutzen stattdessen säurefreie Pappumschläge.

Verständliches System

Im nächsten Schritt geht es darum zu entscheiden, welche Akten erhalten und welche „kassiert“, also entsorgt werden. Darüber entbrenne manchmal schon die eine oder andere Diskussion, meint Kurt Schmitz schmunzelnd. Akten, die bleiben sollen, werden sortiert und nach einem verständlichen System verschlagwortet, damit die Information auch von Außenstehenden gefunden wird.

Wenn die Arbeit – in frühestens einem Jahr – getan ist, werden die Akten wieder an das Bistumsarchiv in Münster übergeben, wo sie von allen Interessierten eingesehen werden können.

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