Drensteinfurt
Mo., 23.08.2010
„Spiel ohne Grenzen“ um Alte Post
|
|
Drensteinfurt - So unübersehbar mitten im Ortskern, so herausgeputzt und dominant im Umfeld der übrigen Stadtkern-Bebauung wie heute war die Alte Post in Drensteinfurt vor 40 Jahren bei weitem nicht. Im Gegenteil: Von den Bewohnern kaum beachtet, erscheint das Fachwerkgebäude damals vielen von ihnen „schon lange unansehnlich, vernachlässigt, ungepflegt, als städtebaulicher Schandfleck, der beseitigt gehört, oder der einem Besseren Platz macht“, wie es damals Kreisheimatpfleger Freiherr von Landsberg in einer öffentlichen Stellungnahme zum geplanten Verkauf der Alten Post an die Stadt Ahlen beschrieb.
Nicht nur politische Kräfte ziehen aus Richtung Ahlen seinerzeit kräftig an dem Strick, womit sie das baugeschichtliche Kleinod über die Stadtgrenze hinweg an einen geeigneten Standort in Ahlen ziehen wollen. Es wird sogar der Kaufvertrag bereits - vorbehaltlich der Zustimmung durch den Rat der Stadt - geschlossen. Das aus dem Jahr 1647 stammende Gebäude scheint für Umzug, Restaurierung und Wiederaufbau schon so gut wie sicher für Ahlen unter Dach und Fach zu sein.
Vergebens hatte es der damalige Besitzer Bernhard Kimmel unter dem Eindruck des Gebäudeverfalls und mangels finanzieller Masse der Stadt Drensteinfurt zum Kauf angeboten. Die sieht sich finanziell nicht in der Lage, den Handel einzugehen. Und so bringen sich die Ahlener ins Spiel - was in der Folgezeit vor allem hinter den Kulissen noch so manche groteske Variante auslösen sollte.
Zwar steht der Platz für das neue Gebäude noch nicht fest, doch einige Ahlener Politiker träumen bereits vom touristischen Magneten als Ausflugslokal im „Berliner Park“. Andere sehen in der Alten Post eine erweiterte Verwendungsmöglichkeit für das Heimatmuseum, wieder andere wollen mit dem Gebäude die Ahlener Kunst- und Kulturszene bereichern.
Der Reigen an Ideen ist eröffnet. Eine davon gipfelt darin, dass das Alte Rathaus am Ahlener Marktplatz dem Wiederaufbau des Drensteinfurter Streitobjekts weichen müsste. Bevor eine Delegation der Stadtspitze diese Frage beim Besuch des „Westfälischen Freilichtmuseums bäuerlicher Kulturdenkmale“ in Detmold zum Thema macht, wird in Ahlen durch den städtischen Beigeordneten Herbert Bos bekannt, dass die erste der beiden Raten von jeweils 50 000 Mark für das alte Gebäude bereits an dessen alten Eigentümer gezahlt wurde und der Kaufvertrag unter Beteiligung eines Anwalts mit Bernhard Kimmel unterzeichnet und damit - vorbehaltlich besagter Ratszustimmung - rechtskräftig sei. Nicht so eilig wie andere hat es allerdings Bürgermeister Herbert Faust. „Andere notwendige Maßnahmen wie der Bau von Kindergärten, Wohnungen und Straßen haben Vorrang“, mahnt er. „Bei geschätzten Gesamtkosten für den Wiederaufbau der Alten Post in Höhe von mindestens 750 000 Mark sollte auf jeden Fall der Landschaftsverband mit eingeschaltet werden“, macht er deutlich.
Der Streit um das historische Bauwerk, für das mit einem Male auch die Drensteinfurter wieder ihre Liebe entdeckten, soll sich noch länger hinziehen und eine Menge Kopfschütteln auslösen. Das Ergebnis ist 40 Jahre später sichtbar: Die Alte Post steht noch immer dort, wo das Tauziehen seinen Anfang nahm.
|
|
