Drensteinfurt

Fr., 05.03.2010

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Werseclub spaltet sich vom BVD ab - und fusioniert wieder

In der Geschichte des SV Werseclub gab es immer wieder Grund zu feiern: Hier wird der Sieg bei einem Pokalturnier bejubelt.

Drensteinfurt - Im Jahre 1970 geschah etwas wirklich Unerwartetes - und auch recht Schlimmes aus Sicht des BVD. Da es in dieser Zeit sehr viele Freizeitmannschaften gab, gab es auch in der Stadt Drensteinfurt neben der offiziellen Mannschaft ein zweites Team, das sich aus einigen BVD-Spielern, Landjugendlichen, Altmessdienern und einigen anderen zusammensetzte. Dieses Freizeitteam spielte immer dann, wenn das Team des BVD in den Sommerferien nicht spielen wollte.

Der spätere Werseclub spielte gegen diverse Freizeitteams aus anderen Städten. Der Spaß stand im Vordergrund. Nach dem Training und den Spielen traf sich dieses Team immer in Gaststätten, um hier und da mal ein Bierchen zu trinken. Deswegen gaben Spieler des BVD und andere Bürger diesem Team den Namen „Thekenmannschaft“. Dem sehr konservativ eingestellten BVD gefiel das Treiben dieser Mannschaft nicht und drohte den BVD-Spielern, die beim Werseclub spielten, dass sie dies entweder unterlassen müssten, oder sie würden aus dem Team fliegen.

In dieser Zeit wurden die Freizeitspieler, die beim BVD gespielt hatten, so gut wie gar nicht mehr beachtet. Den Trainern waren diese Akteure egal. Sie wurden ignoriert. Dies ließen sich die „Werse-clubler“ nicht mehr länger gefallen, und so gründeten sie unmittelbar nach der Mahnung am 11. Juni 1970 den SV Werseclub 1970, kurz „SVW“. Der Verein trug die Vereinsfarben rot und blau.

Das Team, das sich das Motto „Der Verein ist für jedermann da, und der Spaß kommt nicht zu kurz“ auf die Fahnen geschrieben hatte, gewann schnell an Mitgliedern, da die Harmonie und Kameradschaft in diesem Verein stimmte. Der BVD sah die positive Entwicklung des Werseclubs nicht gern.

Der SVW trat in die Lünener Freizeitliga ein, in der der Verein immer unter den ersten Drei landete, aber nie die Meisterschaft holte. Die Spieler gewannen die Vizemeisterschaft.

Dann aber, im Jahre 1976, hatte der Werseclub das ständige „Freizeitgespiele“ gegen die kleinen Vereine satt und beschloss, sich an etwas Größerem zu messen. Die Spieler versuchten ihr Glück in der Liga „Münster 2. Weg“, was mit großem Misstrauen der Mannschaft des BVD beäugt wurde. Nun hatte das Team endlich auch mehrere Kleinsponsoren der Stadt gefunden, die den Verein zu unterstützen versuchten. Der SVW zählte schon mehr als 200 Mitglieder, davon etwa 50 Aktive und 150 Passive, als 1984 sensationell die Meisterschaft gewonnen wurde. Dies war mit Abstand der sportliche Höhepunkt des Clubs. Zuvor wurde 1983 und 1977 der Stadtpokal Münster gewonnen.

Als die Hürde Aufstieg überquert war, hatte der Verein vor, sich neue Ziele zu setzen. Der DFB sollte nun die nähere Zukunft des SVW bestimmen. In der Fußballsaison 1985/86 wollte sich der SVW nun in den Ligen des DFB messen, und stellte deswegen Ende 1984 den Antrag, um in dieser Liga spielen zu dürfen. Gegen diesen Antrag wurde sofort ein Veto eingelegt. Verantwortlich war der BVD, dem dieses Konzept überhaupt nicht passte. Der BVD versuchte alles, dass der Club nicht in den Ligabetrieb des DFB eintreten konnte. Umgekehrt setzte der SVW alles daran, um hineinzukommen.

Da die Argumentation des BVD nicht überzeugend genug war, durfte der Werseclub mit zwei Mannschaften in der Kreisliga C starten. Die erste Mannschaft schaffte direkt den Aufstieg in die Kreisliga B. Kurz darauf fragten sich die Verantwortlichen, welche Ziele der Werseclub überhaupt verfolgt. Nachdem die Elf in der Kreisliga B nur Fünfter geworden war, sahen die Spieler ein, dass der Aufstieg in die A-Liga nur mit zwei Trainingseinheiten pro Woche zu bewerkstelligen gewesen wäre. Da der Werseclub durch Freizeitspieler gegründet und damals nur der Spaß am Fußballspielen im Vordergrund stehen sollte und nicht der Erfolg, beschlossen die Akteure, den Aufstieg nicht anzupeilen.

Anschließend gab es im Werseclub-Vorstand viel Ärger. Die Idee wurde geboren, sich mit dem BVD zusammenzuschließen. Dieser Gedankengang kam in der damaligen Stammkneipe, dem Kolpinghaus, vier Jahre nach dem Titelgewinn auf, also im Jahre 1988.

Als sich kurze Zeit später zufällig die Vorsitzenden von BVD und SVW in der Gaststätte Averdung trafen, wurde das Thema „Zusammenschluss“ angesprochen - und für anstrebenswert befunden. Nun musste jeder Verein dafür sorgen, dass mehr als 75 Prozent der Mitglieder für die Fusion votierten.

Ziel des zu gründenden Vereins sollte es sein, in der oberen Hälfte der Kreisliga A oder sogar in der Bezirksliga zu spielen. Bei der Vorstandssitzung des SVW gab es bei diesem Thema kaum Probleme. Anders sah es beim BVD aus. Einige lehnten die Fusion ab. Als der Vorstand den Spielern mitgeteilt hatte, was geschehen sollte, wurden zeitgleich Versammlungen beider Vereine in verschiedenen Gaststätten einberufen.

Die Versammlung des BVD fand bei Bultmann statt und die der „Werseclubler“ in der Gaststätte Averdung. Beim SVW stimmten etwa 90 Prozent für das Vorhaben. Der BVD benötigte noch einige Zeit, um ihre 75 Prozent zusammenzubekommen. Deshalb wurde vom Ballspielverein eine zweite Versammlung einberufen, in der der BVD nun die benötigten Stimmen beisammen hatte.

Ende des Jahres 1988 wurde die letzte entscheidende Versammlung einberufen, an der alle Mitglieder beider Teams teilnahmen. Für den Fall, dass die benötigten Stimmen erreicht würden, sollten die beiden Vereine fusionieren. Der Zusammenschluss wurde am 1. Juli 1989 offiziell vollzogen, nachdem am 30. Juni 1989 die beiden Vorgängervereine aufgelöst worden waren. Der SV Drensteinfurt wurde aus der Taufe gehoben.


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