Sa., 27.11.2010

Everswinkel Gegenwind für „Hühner-Baron“

Von Klaus Meyer

Alverskirchen - Alverskirchens Bürger können ein wenig aufatmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass nur 400 Meter vom Baugebiet Vinckenbusch eine der größten Hühnermastanlagen Deutschlands entstehen könnte, ist nach der Sitzung des Bezirksausschusses am Donnerstagabend nicht gestiegen. Im Gegenteil. Dem potenziellen „Hühner-Baron“, der südlich des Hofes Vincke vier Ställe mit insgesamt 160 000 Masthühnern plant, weht schon in der Frühphase ein kräftiger Gegenwind ins Gesicht. Und das sowohl seitens der Bürger als auch der Kommunalpolitiker und der Gemeinde.

Die Gemeindeverwaltung hat das Thema frühestmöglich auf die Tagesordnung gesetzt zu einem Zeitpunkt, zu dem die nötigen Antragsunterlagen des Investors noch gar nicht komplett beim Kreis vorliegen. Rund 40 Bürger, die von der Nachricht über das beabsichtigte Projekt aufgeschreckt worden waren, verfolgten gespannt die Ausschusssitzung und signalisierten deutlich ihre Ablehnung. In der wurde schnell klar, dass dieses Projekt nicht mehr als privilegiertes landwirtschaftliches Vorhanden, sondern eher als industrielle Produktion zu bewerten ist.

„Man kann schnell auf den Gedanken kommen, dass das so nah an der Wohnbebauung kritisch ist“, formulierte Bürgermeister Ludger Banken zu Beginn noch vorsichtig, um auszuloten, ob die Kommunalpolitik mögliche Steuerungsinstrumente ergreifen will. Dazu zählen die Ausweisung von Konzentrationszonen für Mastbetriebe über den Flächennutzungsplan, die aufwendige flächendeckende Überplanung des gesamten Außenbereichs mittels Bebauungsplan oder die Aufstellung eines Bebauungsplans am Ortsrand mit Ausweisung eines Sondergebietes „Fläche für Landwirtschaft“ mit gleichzeitigem Ausschluss gewerblicher Tierhaltung. Die Eignungszonen-Ausweisung scheint ein eher ungeeignetes Mittel zu sein, wie auch Bauverwaltungsamtsleiter Norbert Reher verdeutlichte. So habe dies beispielsweise in der Region Meppen zu einer regelrechten Sogwirkung und etlichen Mastanlagen geführt. „Eine Flächenausweisung weckt Begehrlichkeiten, das finde ich ganz gefährlich“, schloss sich FDP-Ratsfrau Dagmar Brockmann der Einschätzung an.

Die letztendlich ablehnende Haltung gegenüber dem Groß-Projekt zog sich durch alle Fraktionen. Markus Hester ( CDU ) zeigte sich „sehr kritisch“, auch unter ethischen Gesichtspunkten. „Ich glaube nicht, dass irgendein Alverskirchener das gut findet. Wir sollten alles tun, damit so etwas nicht verwirklicht wird“, betonte er und erntete aus der Zuhörerschaft kräftigen Applaus. „Was ich erschreckend finde, ist dass sich hier der Bauer Vincke von der bäuerlichen Landwirtschaft verabschiedet“, sagte FDP-Ratsherr Uwe Zeffner. Und Brockmann ergänzte: „Wir wollen diese Tierfabrik hier nicht haben.“

Selbst Landwirt und Ausschussvorsitzender Karl-Theo Gerd-Holling (CDU) reihte sich in die Reihe der Kritiker ein. „Was mich schockiert, ist die Größe.“ Normal seien in heutiger Zeit Anlagen mit 40 000 bis 80 000 Tieren, „aber ich wüsste keinen Mastbetrieb im Kreis in dieser Größenordnung“. In der Tat: Der Alverskirchener Mastbetrieb wäre der größte im Kreis. Die bislang größte Anlage befindet sich nach der jüngsten Erweiterungsgenehmigung laut Auskunft der Kreisverwaltung in Sassenberg mit 111 000 genehmigten Hühner-Plätzen. Bei Anlagen ab 30 000 Tieren greift das Bundes-Immissionsschutzgesetz, ab 40 000 Tieren erfolgt eine noch intensivere Prüfung mit Beteiligung aller möglichen Betroffenen. Deutschlands größte Masthühner-Anlage ist übrigens in Mecklenburg-Strelitz geplant mit 400 000 Plätzen.

„Man sollte die Akzeptanz in der Bevölkerung bekommen. Bei dieser Größenordnung ist es unmöglich, eine Akzeptanz zu bekommen“, bilanzierte Gerd-Holling die Ausgangslage und riet dem Antragsteller, noch einmal über sein Projekt nachzudenken. Bürgermeister Banken jedenfalls nahm den eindeutigen Wunsch mit, dass die Gemeinde steuernd eingreifen soll und forderte auch schon die nötige politische Rückendeckung ein. „Eine Anlage dieser Größenordnung in dieser Lage ist nicht zu verantworten“, positionierte sich Banken zum Abschluss dann klar und erhielt ebenso starken Applaus wie zuvor Markus Hester.

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