So., 11.11.2012

Fesselnde Lesung mit Heinrich von der Haar: „Mein Himmel brennt“ Zeitreise in eine traurige Kindheit

Fesselnde Lesung mit Heinrich von der Haar: „Mein Himmel brennt“ : Zeitreise in eine traurige Kindheit

Literarisches Zeitdokument erster Klasse:  Heinrich von der Haar las am Donnerstagabend im Rathaus Everswinkel aus seinem preisgekrönten Erfolgsroman „Mein Himmel brennt“, der am 6. Dezember im Kulturmaschinenverlag in neuer, überarbeiteter Auflage erscheint. Foto: Peter Sauer

Everswinkel - 

Der Roman „Mein Himmel brennt!“ ist ein literarisches Zeitdokument erster Klasse einer armen Bauernfamilie im Münsterland der Fünfziger Jahre, die nicht nur unter der Flurbereinigung leidet. Heinrich von der Haar entwirft ein schockierendes Gegenbild zu den vermeintlichen Wirtschaftswunderjahren mit viel münsterländischem Lokalkolorit – und fesselt damit die Zuhörer bei seiner Lesung im Everswinkeler Rathaus.

Von Peter Sauer

Heini ist vier Jahre alt, als seine Mutter ein neues Brüderchen auf die Welt bringt. „Wo soll der Neue nur hin?“, fragt sich der kleine Bauernjunge. Schließlich teilt er sich mit seinen Schwestern Anna, Eva und Ulla schon ein Bett. „Da passt der Neue nicht rein“, unkt Heini, „den soll der Storch wieder mitnehmen!“. Denn große Armut plagt die Bauernfamilie . Seit seiner frühesten Kindheit kennt Heini nur Arbeit, die Prügel seines jähzornigen Vaters und die tatenlose Ohnmacht seiner Mutter. Es ist keine leichte Kost, die Erfolgsautor Heinrich von der Haar am Donnerstagabend den Zuhörern im Rathaus-Foyer auf Einladung des Kulturkreises Everswinkel serviert.

Der Roman „Mein Himmel brennt!“ ist ein literarisches Zeitdokument erster Klasse einer armen Bauernfamilie im Münsterland der Fünfziger Jahre, die nicht nur unter der Flurbereinigung leidet. Besonders eindrucksvoll ist die detailreiche und ungemein plastische Innensicht des vielfach gedemütigten und sich dennoch nicht aufgebenden Bauernkindes Heini. Mit seiner authentischen Sprache, seiner dichten Dramaturgie und seinem wohltemperierten Vortrag fesselt von der Haar die Zuhörer von der ersten Silbe an.

Der gebürtige Hopstener und Wahlberliner entwirft ein schockierendes Gegenbild zu den vermeintlichen Wirtschaftswunderjahren mit viel münsterländischem Lokalkolorit, und bei älteren Zuhörern mit einem großem Wiedererkennungswert. Gerade die Schilderungen der harten Zeit in der Volksschule, in der Heini von Lehrern verprügelt und wegen seinem Schweinegeruch von den feinen Mitschülern aus dem Dorf gemobbt wird, aber auch die Kinderspiele, die zarten Knospen der ersten Liebe und die Bedeutung des Glaubens in jener Zeit sorgen nach der Lesung für reichlich Gesprächsstoff.

Ohnehin öffnet sich Heinrich von der Haar ganz den zahlreichen Fragen des Everswinkeler Publikums – wie ein guter Freund. „Der Himmel brennt“ ist nicht von der Haars Autobiografie, aber es steckt viel von seinem Leben in dem Roman. Er wuchs selbst auf einem Bauernhof auf, mit zehn Geschwistern. „Das Gefühl, benachteiligt zu sein, sitzt tief in mir drin. Das Gefühl zu wissen, ich habe ja gar keine Liebe abgekriegt.“ 1 500 Seiten hatte er damals einfach so runter geschrieben. „Das war ein Dammbruch.“ Daraus wurden dann sortierte 460 Buchseiten. „Das Schreiben war aber keine Therapie“, betont von der Haar. Sehr zu Freude der Zuhörer liest er auch einen kurzen Ausschnitt aus der Fortsetzung. „Der Idealist“ erscheint im Februar und erzählt, wie Heini in Berlin lebt. Von der Haar schreibt bereits am 3. Teil. „Die Geschichte ist erst zu Ende erzählt, wenn Heini selber Vater wird.“

► Buchtipp: Heinrich von der Haar: „Mein Himmel brennt“, 460 Seiten, Kulturmaschinen Verlag Berlin, Dezember 2012.

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