Grünen-Fraktion sieht Gemeinde für Starkregenereignisse nicht gewappnet / Verwaltung beurteilt Lage anders
Am Tag wenn der Regen kommt

Everswinkel -

Die Natur – spielt – mal wieder – verrückt. Eisige Kälte mit Schneechaos im Nordosten der USA mit einer schier unfassbaren Temperatur von minus 73 Grad Celsius auf dem Mount Washington im Bundesstaat New Hampshire, und parallel Kochtemperatur im australischen Sydney mit ebenso unfassbaren 47 Grad. Und dazwischen Deutschland im Allgemeinen und das Münsterland im Besonderen mit unfassbar viel Wasser, bedingt durch die Regenmassen der vergangenen Wochen. Hochwasser an Rhein und Ems, Seenlandschaften auf Wiesen und Feldern auch rund um die Vitus-Gemeinde. Normal ist anders – aber anders ist mittlerweile normal.

Freitag, 12.01.2018, 11:01 Uhr

Die Regenmengen der vergangenen Wochen haben ihre Spuren hinterlassen – wie auch jetzt noch auf diesem Acker in Alverskirchen.
Die Regenmengen der vergangenen Wochen haben ihre Spuren hinterlassen – wie auch jetzt noch auf diesem Acker in Alverskirchen. Foto: Klaus Meyer

Früher gab es „Jahrhundertregenereignisse“, die ihrer Bezeichnung gerecht wurden. Inzwischen sind die „Jahrhundert“-Zeiträume sehr kurz geworden. Klimawandel und Co. demonstrieren jedes Jahr aufs Neue, dass mit dem Wetter zu rechnen ist – auf unberechenbare Art. Für die Fraktion der Everswinkeler Grünen ist das Grund genug, sich Sorgen um die Folgen bei Starkregenereignissen zu machen. Mit einem Antrag brachten sie jüngst das Thema auf die Tagesordnung im Planungsausschuss.

„Es beschäftigen sich nur ganz wenige Kommunen mit den Bereichen, wo erhebliche Schäden entstehen können, wenn Starkregen fällt“, betonte Grünen-Fraktionssprecher Karl Stelthove . Es sei sinnvoll, einen Plan zu erstellen, der solche Stellen kenntlich mache. Eine Risikogefahrenkarte. Damit könnten Starkregen-Katastrophen digital simuliert werden. Unterstützung für ein solches Kataster biete das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe , um eine Übersicht mit möglichen Schwachstellen auf dem Gemeindegebiet zu erstellen. „Wo die Stellen erfasst werden und wo man sehen kann, ob vorbeugende Maßnahmen getroffen werden könnten und sollten.“

Die Grünen verweisen bei ihrem Vorstoß nicht nur auf die immer kürzeren Zeiträume zwischen solchen Unwettern, sondern auch auf bereits eingetretene Schadensfälle. So habe ein solches Wetterereignis vor einigen Jahren „die Kehlbachhalle unter Wasser gesetzt. Nicht zuletzt deswegen musste der Hallenboden in den letzten Jahren mit großem finanziellen Aufwand erneuert werden“. Die Sachschäden durch Starkregen hätten sich in den letzten 30 Jahren verdreifacht, aber nicht einmal ein Prozent der Kommunen sei dafür gewappnet.

Bürgermeister Sebastian Seidel zeigte sich skeptisch. „Einfach mal zu beschließen, wir machen das, so einfach ist das nicht“, damit sei ein erheblicher Aufwand verbunden. Umweltberater Bernd Schumacher verwies beispielhaft auf Aspekte wie die innerörtliche Entwässerung, die Frage, was jeder privat für sich mache und sprach Rückhalteräume für Niederschlagswasser an. Zudem gebe es auf Gemeindegebiet keine „Risikogewässer“, die ein Hochwasser und Überschwemmungen auslösen könnten. Mit den beiden Regenrückhaltebecken an den Sportplätzen in Alverskirchen und Everswinkel „sind wir genau dran an dem Thema“. Ein hydraulisches Niederschlag-Abfluss-Modell würde rund 20 000 Euro kosten. Im Blick behalten sollte man aber das Leistungsvermögen des Oberlaufs des Kehlbachs.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gibt auf seiner Homepage Hinweise und Tipps, wie man sich und andere Menschen bei Stürmen, Starkregen und Hochwasser schützen kann.

 

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