Dritte Folge über die Besonderheiten der Everswinkeler Pfarrkirche
Unterm Himmel von St. Magnus

Everswinkel -

Die dritte Folge der Serie über die Pfarrkirche St. Magnus befasst sich mit den Darstellungen der Muttergottes im Kirchenraum und den Gewölbemalereien. Aus verschiedenen Quellen hat Annette Unterbusch Informationen dafür zusammengestellt. Von Hannelie Jestädt wurden die religiösen Zusammenhänge aufgezeigt.

Samstag, 13.01.2018, 14:01 Uhr

Blick auf die Gewölbemalereien der St. Magnus-Kirche aus dem 16. Jahrhundert. Sie waren bei nach den Kriegsjahren unter jüngeren Malereien entdeckt, freigelegt und sorgfältig restauriert und an einigen Stellen ergänzt worden.
Blick auf die Gewölbemalereien der St. Magnus-Kirche aus dem 16. Jahrhundert. Sie waren bei nach den Kriegsjahren unter jüngeren Malereien entdeckt, freigelegt und sorgfältig restauriert und an einigen Stellen ergänzt worden. Foto: Bernhard Zimmermann

Das wohl älteste Kunstwerk in der Magnus-kirche ist eine fast lebensgroße Pietà aus Baumberger Sandstein. Sie befindet sich vor dem mittleren Joch des südlichen Seitenschiffes und stammt aus den Jahren um 1460. In der Schrift „Kunst-und Geschichtsdenkmäler des Kreises Warendorf“ aus dem Jahr 1886 wird diese Pietà wie folgt beschrieben: „Eine fast lebensgroße Pietà aus Stein in der beliebtesten Auffassung verrät mit dem unteren Faltenwurf, mit Gebärde und Haltung schüchterne Anklänge an den Naturalismus, so dass wir nicht anstehen, das edle Werk in die Zeit von 1460 zu versetzen.“ Die Pietà ist eine Darstellung der Muttergottes mit dem Leichnam Jesu. Sie entspricht der Kreuzwegstation „Jesus wird in den Schoß seiner Mutter gelegt“. Die Pietà gehört in die Reihe der Andachtsbilder, die vor allem in Kriegszeiten, Eltern Trost spenden, die einen Sohn verloren haben. Die wohl berühmteste Pietà ist die von Michelangelo im Petersdom in Rom.

An der Stirnseite des südlichen Seitenschiffes der Magnus-Kirche befindet sich eine 1,40 Meter hohe so genannte Strahlenkranz-Madonna aus dem 18. Jahrhundert. Eine Notiz im Diözesanarchiv besagt, dass diese Darstellung in der Zeit von 1750 bis 1885 frei in der Kirche hing, bevor sie an ihren heutigen Platz kam. Die Madonna steht auf einer Mondsichel. Deshalb wird eine solche Darstellung auch oft als Mondsichel-Madonna bezeichnet. Auf ihrem linken Arm trägt die Gottesmutter das Jesuskind, das mit einem langen Kreuzstab nach der Schlange zielt. „Als Mondsichel-Madonna oder auch apokalyptische Madonna wird in der christlichen Kunst ein Marienbildnis bezeichnet, das durch die Bibelstelle der apokalyptischen Frau in der Offenbarung des Johannes geprägt ist“, erläutert Hannelie Jestädt . „Sie steht für ein Hoffnungszeichen, denn auch wenn die Welt unterzugehen droht, zeigt Maria der Welt ihr Kind Jesus, das mit dem Zeichen des Kreuzes die Schlange des Bösen vernichten wird.“

Hoch oben auf der Orgelbühne findet sich eine Skulptur, die die Madonna Immaculata zeigt. Sie ist aus Eiche gefertigt, ist im 18. Jahrhundert entstanden und steht auf einer Weltkugel mit einer Schlange.

Im Bereich des Turmes ist ein Mosaik zu sehen, das die Muttergottes mit dem Kind zeigt. Es ist ein Werk von Albert Reinker, das 1962 entstand und 1981 ergänzt wurde. „Die Frauengemeinschaft machte es sich in den 1960er Jahren zu ihrem Anliegen, ein Muttergottesbild im Bereich des Kirchturmes anfertigen zu lassen“, erklärt Jestädt dazu. „Denn nicht immer möchte ein Besucher und Beter bei einem Kurzbesuch des Gotteshauses bis zum Altarraum vorgehen, um Maria sein Anliegen vorzutragen und zu beten.“

Etwas Besonderes sind die Malereien im Gewölbe der Kirche. Nach den Kriegsjahren bedurfte der Innenraum einer gründlichen Renovierung. Zunächst war geplant, die Kirche schlicht in Weiß zu halten, bald entdeckte man jedoch unter den neugotischen Malereien aus den 70-er und 80-er Jahren des 19. Jahrhunderts und unter Tünche die noch relativ gut erhaltene originale Ausmalung der Kirche, vermutlich aus dem Jahre 1523 oder 1533. In mühevoller, monatelanger Arbeit wurden diese Ausmahlung freigelegt sowie farblich restauriert und ergänzt. Das mittlere Gewölbefeld zeigt Christus, als Halbfigur im Grabe stehend. Er ist eingehüllt in einen roten Purpurmantel. Im Hintergrund sind zwei Engel zu sehen. Darunter ist in lateinisch zu lesen: „Da, seht den Menschen!“.

„Die Decke einer Kirche zeigt den Himmel an“, lautet dazu Jestädts Erläuterung. „Gläubige fühlen sich intuitiv vom Raum eingehüllt und von der Decke geschützt.“ Die hohen Decken würden den Blick und die Wahrnehmung nach oben ziehen und so das Nach-oben-Streben der Gotik aufnehmen.

Fortsetzung folgt

Madonnen und Malereien in der St. Magnus-Kirche

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  • In der dritten Folge der Serie über die St. Magnus-Kirche gilt der Blick diesmal den Madonnen-Darstellungen und den Deckenmalereien. Foto: Bernhard Zimmermann
  • In der dritten Folge der Serie über die St. Magnus-Kirche gilt der Blick diesmal den Madonnen-Darstellungen und den Deckenmalereien. Foto: Bernhard Zimmermann
  • In der dritten Folge der Serie über die St. Magnus-Kirche gilt der Blick diesmal den Madonnen-Darstellungen und den Deckenmalereien. Foto: Bernhard Zimmermann
  • In der dritten Folge der Serie über die St. Magnus-Kirche gilt der Blick diesmal den Madonnen-Darstellungen und den Deckenmalereien. Foto: Bernhard Zimmermann
  • In der dritten Folge der Serie über die St. Magnus-Kirche gilt der Blick diesmal den Madonnen-Darstellungen und den Deckenmalereien. Foto: Bernhard Zimmermann
  • In der dritten Folge der Serie über die St. Magnus-Kirche gilt der Blick diesmal den Madonnen-Darstellungen und den Deckenmalereien. Foto: Bernhard Zimmermann
  • In der dritten Folge der Serie über die St. Magnus-Kirche gilt der Blick diesmal den Madonnen-Darstellungen und den Deckenmalereien. Foto: Bernhard Zimmermann
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