Gut besuchter Aktionstag am Mitmach-Museum zum Thema Flachs
Zeit für die historische Ernte

Everswinkel -

Das Everswinkeler Mitmach-Museum Up’n Hoff machte seinem Namen am Sonntagnachmittag mal wieder alle Ehre. Beim Aktionstag zum Thema „Vom Flachs zum Leinen“ war bei den einzelnen Arbeitsschritten nämlich kräftiges Zupacken angesagt. „Wir haben uns für dieses und für das nächste Jahr des Themas angenommen, um die aufwendigen Schritte, die mit der Flachsverarbeitung verbunden sind, zu demonstrieren“, begrüßte Heimatvereins-Vorsitzender Josef Beuck die Gäste. Mit dem geflügelten Wort „Der Flachs braucht Tausend Hände“ werde dies auch unterstrichen.

Dienstag, 07.08.2018, 07:40 Uhr

Mit vereinten Kräften zogen Mitglieder des Museums-Teams und Besucher des Aktionstages die reifen Flachs-Pflanzen aus dem Pflanzstreifen am Radweg zwischen den beiden Ortsteilen.
Mit vereinten Kräften zogen Mitglieder des Museums-Teams und Besucher des Aktionstages die reifen Flachs-Pflanzen aus dem Pflanzstreifen am Radweg zwischen den beiden Ortsteilen. Foto: Günther Wehmeyer

Auf einem etwa 50 Meter langen Pflanzstreifen neben dem Radweg an der Alverskirchener Straße war vor etwa 100 Tagen Flachslein-Samen ausgebracht worden (die WN berichteten), so dass jetzt die „Ernte“ eingebracht werden konnte. Zur Unterstützung bei den Erklärungen hatte sich Liesel Drechsler vom Heimatverein Greven und pädagogische Leiterin des Sachsenhofes eingefunden, wo schon seit 1986 historischer Pflanzenanbau betrieben wird. „Die Pflanze wird nicht geschnitten, sondern sie wird als Ganzes mit der Hand aus dem Boden ‚herausgerauft‘, um dann zu einer kleinen Garbe gebunden zu werden“, erklärten die Drechsler und Beuck den Vorgang und forderten gleich zum Mitmachen auf. Das ließen sich die Besucher nicht zweimal sagen und griffen gleich kräftig mit zu.

Zurück am Museum ging‘s dann den Pflanzen im wahrsten Sinne des Wortes an den Kragen. „Beim so genannten Riffeln werden die Samenkapseln, auch Knuddeln genannt, von der Pflanze entfernt“, beschrieb Beuck diesen Schritt. „Dazu wird die Pflanze über einen Kamm, bestehend aus senkrechten Eisenstiften, gezogen.“ Gleich zwei solcher „Arbeitsplätze“ hatte das Orga-Team des Museums vorbreitet. Bernhard Vornholt und Alfons Brochtrup hatten diesen Teil der Vorführung übernommen. Aber auch hier konnten die Besucher deren Arbeit unterstützen.

Danach galt es, den Samen mit Hilfe von Dreschflegeln aus den Kapseln herauszuschlagen. Für diesen Part fühlte sich Fred Heinemann zuständig. Nach einigen Demo-Schlägen lud der Verkehrsvereins-Vorsitzende einige Mitstreiter ein. Und nach Heinemanns vorgegebenen Takt rückten die den Samenkapseln kräftig zu Leibe. „Was man bei der Getreideernte das Trennen von Spreu und Weizen nennt, heißt bei der Flachernte das Trennen von Kaff und Samen“, so ein Mitarbeiter der Firma „Heger.Hulda“ aus Bad Segeberg. Von dort hatte der Heimatverein den Samen bezogen, und der Mitarbeiter hatte es sich nicht nehmen lassen, der Ernte beizuwohnen. „Ich bin begeistert von dieser Veranstaltung“, zeigte er sich beeindruckt. Bei dieser ziemlich staubigen „Säuberung“ der Samen kam die gute alte Wannemühle des Heimatvereins einmal mehr zum Einsatz. „Leinsamen ist bekanntlich ein wertvolles Lebensmittel, das zum Teil zu Öl verarbeitet wird“, erläuterte Beuck dessen Verwendung. „Die Stängel werden jetzt der „Röste“ und der „Dörre“ unterzogen, und beim nächsten Aktionstag am 30. September werden wir mit dem ‚Brechen‘, dem ‚Schwingen‘ und dem ‚Hecheln‘ die weiteren Arbeitsschritte vorführen“, machte der Heimatvereins-Chef die Besucher auf den nächsten Themen-Nachmittag neugierig. Ausgesprochen zufrieden zeigten sich die Organisatoren mit der guten Resonanz, auf die der Aktionstag gestoßen war.

Aktionstag am Mitmach-Museum Everswinkel mit historischer Flachsernte

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  • Heimatvereinsvorsitzender Josef Beuck und Liesel Drechsler vom Heimatverein Greven

    Foto: Günther Wehmeyer
  • Bernhard Vornholt, Berhard Börding und Alfons Brochtrup beim Binden der Pflanzen zu kleinen Garben.

    Foto: Günther Wehmeyer
  • Beim "Riffeln" - hier gezeigt von Bernhard Vornholt (l.) und Alfons Brochtrup - werden die Samenkapseln von den Pflanzen getrennt.

    Foto: Günther Wehmeyer
  • Theodor Schwert zeigt interessierten Kindern das "Riffeln".

    Foto: Günther Wehmeyer
  • Irmgard Hütig, Verkehrsvereins-Vorsitzender Fred Heinemann und Ulla Wehmeyer (v.l.) schwingen die Dreschflegel, um die Samen aus den Kapseln zu schlagen.

    Foto: Günther Wehmeyer
  • Josef Beuck und Bernhard Börding an der alten Wannemühle.

    Foto: Günther Wehmeyer
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