Erstes Bauernhofcafé im Münsterland feiert 30-jähriges Bestehen
Zwölf Radler zum Anfang

Everswinkel -

Einsamkeit ist nicht schön. Auf das Glück warten? Das kann dauern! Also nahm Maria Schlüter ihr Schicksal selbst in die Hand. Und daraus wurde eine mittlerweile schon dreißigjährige Erfolgsgeschichte. Sie gründete 1988 das wohl erste Bauernhofcafé im Münsterland. Und mit jetzt 90 macht die Everswinkelerin zur Freude ihrer Fans weiter.

Samstag, 11.08.2018, 09:00 Uhr

Die heute 90-jährige Maria Schlüter gründete 1988 mit dem „Eichenhof“ wohl das erste Hofcafé der Region. Ihr zweitältester Sohn Reinhold hilft ihr auch in der Backstube beim hauseigenen Weizenbrot.
Die heute 90-jährige Maria Schlüter gründete 1988 mit dem „Eichenhof“ wohl das erste Hofcafé der Region. Ihr zweitältester Sohn Reinhold hilft ihr auch in der Backstube beim hauseigenen Weizenbrot. Foto: Peter Sauer

Schon früh starb ihr geliebter Ehemann August und Maria Schlüter zog auf dem idyllisch gelegenen Eichenhof ihre fünf Kinder Werner, Reinhold, Antonia, Ursula und Annette ganz alleine groß und kümmerte sich um die Bewirtschaftung inklusive Tierhaltung. Als ihre Kinder aus dem Gröbsten raus waren, hatte Schlüter große Angst: „Ich will auf keinen Fall einsam sein!“ Da beschloss die resolute Frau 1988 das wohl erste Bauernhofcafé des Münsterlandes zu eröffnen. Alles fing ganz klein an, wie sie sich jetzt im WN-Gespräch erinnert.

„Zum Maifeiertag hing ich ein von Hand geschriebenes Pappschild auf, um vorbeifahrenden Radfahrern etwas zum Good Iärten und Drinken (Essen und Trinken) anzubieten. So machte ich Schinkenbutterbrote, Kuchen und Kaffee und guckte, wer da so kommt.“

Pionierin Maria Schlüter (90)

Pionierin Maria Schlüter (90) Foto: Peter Sauer

Die ganze Familie saß gespannt auf der Bank. Aber keiner kam. Vier Wochen gab sich Maria Schlüter Zeit und ließ das Pappschild hängen. Doch dann kamen zwölf Radler aus Ahlen auf dem Weg in den Teutoburger Wald und fragten: „Was gibt’s denn hier?“ Sie speisten zufrieden, machten noch ein Nickerchen unter den Eichen und fuhren weiter. Und auf dem Rückweg vom Teuto kamen sie auch wieder bei Maria Schlüter vorbei.

Das Ergebnis sprach sich schnell herum: Selbst gemachte Spezialitäten in der idyllischen Bauerschaft Wieningen, serviert in einer gemütlichen Bauern-Stube mit Herdfeuer und unter Lampenschirmen aus ehemaligen Bienenkörben, kuschelig in der Upkammer, oder im Garten im Schatten 150-Jahre-alter Eichen. Ruhe und gesunde Luft inklusive. „Ich habe mir gedacht, die Städter freuen sich, wenn sie mal auf einem Bauernhof einkehren können“, erläutert Pionierin Maria Schlüter ihre innovative Idee.

Das war 1988 - und aus dem damals absoluten Geheimtipp entwickelte sich das offenbar erste Bauernhofcafé des Münsterlandes. Und als es dann richtig voll wurde, hatte Maria Schlüter ein Problem: „Ich wusste erst nicht, wie hoch die Preise sind, was die Sachen alle kosten.“ Aber das spielte sich ein, bei allzeit netten Gästen, die auch gerne mal selbst abräumten.

Der zweitälteste Sohn Reinhold Schlüter in der hauseigenen Backstube.

Der zweitälteste Sohn Reinhold Schlüter in der hauseigenen Backstube. Foto: Peter Sauer

Mittlerweile machen nicht nur die Rad-Ausflügler aus Everswinkel und umliegenden Orten auf dem Eichenhof Rast, sondern es gibt auch „Fans“ von weiter weg. Aus Münster, aus dem Kreis Steinfurt oder aus Bielefeld und Dortmund – wohl wissend, das bei Maria Schlüter das Original zu finden ist.

Zudem locken selbst gemachte Spezialitäten – vom gebackenen Brot aus dem fast 100 Jahren alten Steinofen über luftgetrockneten Schinken, Hausmacherwurst und Marmelade bis hin zum Ost- oder Käsekuchen nach alter Bauerntradition.

Gerade in den heißen Sommermonaten ist auf dem Eichenhof Hauptsaison. Dann zieht der Garten mit den Eichen, in deren Schatten sich auch Hofhund Senta, zwei Pfaue, eine Sau mit ein paar Ferkeln, drei Kühe, zwei Schafe, jede Menge Hühner und Damwild tummeln, die Ausflügler an wie ein Magnet.

Was war das witzigste Ereignis in den vergangenen 30-Hofcafé-Jahren? Maria Schlüter muss nicht lange überlegen: „Da stand plötzlich der kleine Norbert Blüm in der Tür und seine Frau war zum ersten Mal auf einem Bauernhof.“ Auch Jürgen W. Möllemann war oft zu Besuch, ebenso starteten vom Eichenhof Oldtimer, Harleys oder Ballöner.

Damit fing alles an: Das selbst gemachte Originalpappschild vom 1. Mai 1988.

Damit fing alles an: Das selbst gemachte Originalpappschild vom 1. Mai 1988. Foto: Peter Sauer

„Die 30 Jahre waren schon schöne Jahre – bei aller Arbeit habe ich auch viel Spaß gehabt.“ Gerne erinnert sich Maria Schlüter auch an die Au-Pair-Studentinnen, die ihr früher halfen. Die jungen Frauen kamen aus Frankreich, Finnland, England oder Australien. Man verstand sich über alle Sprachgrenzen hinweg.

Stammgäste wie Janin Robinson und Jörg Jansen aus Ahlen sind vom Eichenhof begeistert: „Hier ist es schön urig, super-lecker und sehr familiär.“

Ob eines der fünf Kinder oder neun Enkel irgendwann mal übernimmt, ist noch offen, denn ans Aufhören denkt die inzwischen 90-jährige(!) Teilzeit-Gastronomin noch längst nicht. „Es ist schon etwas anstrengend, es macht aber auch Freude. Ich mache so lange weiter, wie ich kann.“ Auch der Rollator, 2017 nach einem Sturz in der Dusche angeschafft, schreckt Maria Schlüter nicht ab: „Die netten Gäste spornen mich jeden Tag aufs Neue an.“ Nur das Brot backen und das Torten machen überlässt sie der jüngsten Tochter Annette: „Ich beschränke mich mittlerweile aufs Putzen und auf Füttern der Tiere.“

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Der Eichenhof hat mittwochs bis samstags ab 14 Uhr, und sonn- und feiertags ab 10 Uhr geöffnet (Für Reisegruppen und Gesellschaften nach Absprache. Adresse: Wieningen 9, ' 0 25 82 / 18 38; www.eichenhof-schlueter.de.

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