Everswinkel

Do., 02.09.2010

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Talente in der Backstube

Stefan Zimmermeier (Mitte) nahm die Glückwünsche als Innungsbester entgegen.

Everswinkel - „Für meine Gesellenprüfung hatte ich sieben Stunden Zeit, dann mussten alle geforderten Backwaren präsentiert werden“, erzählt Stefan Zimmermeier. Er hat in der Gesellen-Prüfung als Innungsbester unter 17 Kollegen abgeschnitten. Stolz klingt aus den Worten des 19-Jährigen Ahleners, und stolz ist sein Lehrherr, Bäckermeister Hubertus Diepenbrock. „Der Stefan hat das Ergebnis verdient. Er hat sich vorher nie geschont, viel geübt, oft bis spät.“ Sieben Stunden lang Backwaren produzieren. Das hört sich gar nicht so schwer an, ist es aber.

Es waren knifflige Aufgaben mit detaillierten Vorgaben: Eine Buttercremetorte, Berliner Landbrot - ein Roggenmischbrot, von dem alle so begeistert waren, dass sie etwas davon mit nach Hause nahmen - Weizen-, Party- und Rosinenbrötchen und Zöpfe aus süßem Hefeteig. „Ich war schon fast eine ganze Stunde eher fertig“, so Zimmermeier. Der Sohn der alteingesessenen Ahlener Bäckerei Zimmermeier soll schon als Dreijähriger an der Teigmaschine des Vaters „mit viel Gefühl geholfen“ haben.

Als Innungsbester nimmt er am Landeswettbewerb auf Kammerebene teil. „Danach werde ich woanders etwas Erfahrung sammeln, bevor ich in unseren Betrieb zu Hause in Ahlen einsteige.“ Die Backstube Diepenbrock im Grothues wird nun ohne ihn auskommen müssen. Mit ihm wird Hubertus Diepenbrock auch Melina Freitag „freigeben“ müssen. Sie hat ihre Gesellenprüfung als Konditorin mit einer glatten „Zwei“ bestanden. „Darüber freue ich mich riesig“, strahlt sie. „Bei uns Konditoren geht es nicht um Brot und Brötchen, wir sind mehr gestalterisch tätig, Fantasie ist für Konditoren wichtig.“ Etwa bei Hochzeitstorten, Kuchen-„Erfindungen“, Plätzchen- und Pralinenkreationen. Ein Beispiel sind die fantasievoll verzierten Amerikaner während der Fußball-WM - eine von vielen Ideen des Nachwuchses aus dem Grothus. In Melian Freitag scheint ein Feuer für ihren Beruf zu lodern. Ihre Chefin, Rosalie Mundri, selbst Konditormeisterin, bestätigt deren Leidenschaft und Talent anerkennend: „Ja, die Melina ist eben kein Bürotyp.“

Auch sie hat schon als Kind bei ihrer Mutter und deren Freundin mit am Tisch gesessen, wenn dort aus Marzipan Figuren geformt wurden, hat schon früh gern zu Hause gebacken und fühlte sich vom Treiben in der Bäckerei angezogen. Die gute Prüfungsnote erreichten mit Freitag nur noch zwei weitere von insgesamt 28 Azubis nach zwölf Stunden Arbeit. Eine Aufgabe war zum Beispiel eine Jubiläums-Formtorte zum Thema „600 Jahre Handwerk in Münster“ zu gestalten. Für ihre „original gezogenen Strudel“ wurde sie sogar mit der Note „sehr gut“ belohnt, auch ihre Marzipanfiguren und ihre spanische Vanilletorte kamen gut an. Freitag strebt nun das Fachabitur. Vielleicht wird sie später einmal in der Ernährungsberatung tätig.

Bei Diepenbrock wird es neuen Zuwachs geben. Ein Bäcker-Lehrling und eine Bäckerei-Fachverkäuferin werden die junge Truppe wieder auf die Stärke einer Handballmannschaft bringen.


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