Di., 17.06.2014

Tagebuch-Tage auf Haus Nottbeck Fast schon Musicalqualitäten

Für Wohnzimmer-Atmosphäre unter freiem Himmel sorgte die münsterische Künstlergruppe „Sozialpalast“ bei den Tagebuchtagen auf dem Kulturgut Haus Nottbeck.

Für Wohnzimmer-Atmosphäre unter freiem Himmel sorgte die münsterische Künstlergruppe „Sozialpalast“ bei den Tagebuchtagen auf dem Kulturgut Haus Nottbeck. Foto: Hartleb

Oelde-Stromberg - 

Mit einer beeindruckenden Vielfalt an Beiträgen warteten die ersten Tagebuch-Tage auf Haus Nottbeck auf.

Von Dierk Hartleb

Es war ein Experiment: Ein Songpoet lädt Kollegen und befreundete Künstler ein, um sich mit dem Tagebuch als literarische Gattung zu beschäftigen. Das Ergebnis waren am Freitag und Samstag auf dem Kulturgut Haus Nottbeck im idyllischen Stromberg sehr unterschiedliche, aber gehaltvolle Interpretationen von Tagebüchern meist bekannter Persönlichkeiten mit zum Teil morbiden Neigungen.

Den experimentellsten Beitrag lieferte Thomas Hoeverler als erster auftretender Künstler: Der Mitbegründer des „Kleinewelttheaters“ hatte die Traumniederschriften des amerikanischen Kultschriftstellers der Beat-Generation Jack Kerouac, deren herausragende Vertreter Allan Ginsberg und William S. Burroughs sind, multimedial verarbeitet.

Cäthe, eine der angesagtesten deutschen Sängerinnen, setzte sich musikalisch mit der Dichterin Else Lasker Schüler und ihrem lyrischen Werk wie „Mein stilles Land“ und „Versöhnung“ auseinander.

Musik war neben der Literatur ein verbindendes Element der ersten Tagebuchtage des „Museums für Westfälische Literatur“. „In Verbindung mit Musik lässt sich Literatur leichter vermitteln“, meinte Prof. Walter Gödden . Der künstlerische Leiter des Literaturmuseums lobte vor allem die musikalische Qualität der Beiträge. Das gilt auch für die Hommage an Romy Schneider durch die münsterische Band „Messer“, deren musikalische Tagebuchbearbeitung der glamourösen Schauspielerin fast schon Musicalqualitäten hatte.

„Mich hat vor allem die abwechslungsreiche Form der Darbietungen angenehm überrascht“, erklärte Gödden weiter. Wie zum Beispiel auch die Sängerin Barbara Morgenstern , die am zweiten Festivaltag mit den Tagebüchern der amerikanischen Schriftstellerin Sylvia Plath ein weiteres literarisches Schwergewicht der US-amerikanischen Szene präsentierte. Das in den Texten beschriebene Scheitern an sich selbst setzte Morgenstern in elektronische Musik um.

„Man hätte sich gut einen professionellen Rezitator vorstellen können“, räumte Gödden kritisch ein. Auch zu den Autoren hätte man sich von Seiten der Zuschauer einige Informationen gewünscht. Zum Beispiel zu der hierzulande wenig bekannten finnischen Sängerin und Songwriterin Lau Nau, mit richtigem Namen Laura Naukkarinen, die Tom Liwa für seine Interpretation ausgesucht hat. Der Songpoet aus dem Ruhrgebiet , der selbst die Aufgabe des Kurators übernommen hatte, präsentierte im Zusammenspiel mit Musiker Tim Isfort und dessen Streichern ein leicht dadaistisch angehauchtes Klangbild der experimentellen Lyrik der finnischen Künstlerin.

Mit einem sensationellen Konzert würdigte Gisbert von Knyphausen und seine Band mit Sängerin Naema Faika den amerikanischen Rockmusiker Kurt Cobain, der als Sänger und Gitarrist an dem unsterblichen Ruf der Rockband „Nirwana“ maßgeblich beteiligt war.

Mit der Installation aus Alltagsgegenständen der münsterischen Künstlergruppe „Sozialpalast“ verfügten die Tagebuchtage über ein adäquates Wohnzimmer, in dem Tagebuchschreiber Martin Becker seine Aufzeichnungen über seinen kürzlichen New York-Aufenthalt vortrug.

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