Gegen Zwangsprostitution und Schmuddel-Image
44 Prostituierte nutzten Beratung

Kreis Warendorf -

Bessere Bordellausstattung, Kondompflicht für Freier, Gesundheitsangebote, gesichere Erreichbarkeit von Hilfe in Notsituation: Das Prostituiertenschutzgesetz trat vor knapp einem Jahr in Kraft. Es soll Prostituierten mehr Schutz bieten, aber auch eine bessere Kontrolle des Sexgewerbes insgesamt sicher stellen. Erste Ergebnisse gibt es jetzt auch im Kreis Warendorf.

Donnerstag, 07.06.2018, 07:00 Uhr

Gespräche beim Gesundheitsamt und beim Ordnungsamt sind seit elf Monaten für Prostituierte per Gesetz vorgeschrieben.
Gespräche beim Gesundheitsamt und beim Ordnungsamt sind seit elf Monaten für Prostituierte per Gesetz vorgeschrieben. Foto: dpa

Seit elf Monaten gilt das Prostituiertengesetz. Seitdem haben 44 Frauen im Kreis Warendorf die neu vorgeschriebene Beratung beim Kreisgesundheitsamt aufgesucht.

Dr. Anja Röhnelt hatte mit mehr Besucherinnen gerechnet. Die Mitarbeiterin des Kreisgesundheitsamtes ging von gut 100 Beratungen pro Jahr aus. Die 44 Prostituierte, die bislang ins Kreishaus gekommen sind, waren zwischen 18 und 68 Jahre alt. Diese Zahlen nannte Dr. Röhnelt auf der kommunalen Gesundheitskonferenz.

Die meisten Prostituierten gaben Rumänien als Herkunftsland an, einige auch Bulgarien, Ukraine und die baltischen Länder – nur wenige stammen aus Deutschland.

„Die Frauen haben keine Erwartungen an die Beratung und keine Fragen“, veranschaulichte Dr. Anja Röhnelt den typischen Verlauf der jeweils 30- bis 40-minütigen Beratungen. „Wichtig finde ich, dass die Grundstimmung sehr freundlich war.“

Thematisch geht es beim Vier-Augen-Gespräch im Gesundheitsamt um Krankheitsverhütung, Empfängnisregelung und Schwangerschaft sowie die Risiken von Alkohol- und Drogengebrauch. Was ganz entscheidend ist: „Es erfolgt keine Untersuchung.“ Nach dem Infektionsschutzgesetz bietet das Gesundheitsamt aber anonyme Tests auf HIV und Syphilis an – diese sind in NRW kostenlos, wo hingegen in Bayern eine Gebühr entrichtet werden muss.

Die Frauen erhalten auch Informationsmaterial. Das gibt es in verschiedenen Sprachen. Denn: „Die Kommunikation ist beim Beratungsgespräch manchmal aufgrund der Sprache erschwert“, sagt Dr. Anja Röhnelt. Es gibt keine Dolmetscher. Meistens verlaufen die Gespräche auf Englisch.

Der jährliche Gesprächstermin (bei Unter-21-Jährigen alle sechs Monate) beim Gesundheitsamt ist das eine, was Prostituierte beachten müssen. Das andere ist der Gang zum Ordnungsamt. Dort muss eine Anmeldung erfolgen. Ein 45- bis 60-minütiges Informations- und Beratungsgespräch folgt. Es geht um Themen wie Steuerpflicht, Absicherung im Krankheitsfall und nicht zuletzt um eine gesicherte Erreichbarkeit von Hilfe in Notsituationen.

Ordnungsamtsmitarbeiterin Petra Linke bilanziert nach den bisherigen 44 Gesprächen: „Bislang hatte ich noch nicht das Gefühl, dass eine Zwangslage vorhanden war.“ Also keine Hinweise auf Zwangsprostitution. Nicht wenige Frauen hätten aber Einblick gegeben, dass sie aus finanziellen Gründen als Prostituierte arbeiten, weil sie trotz Ausbildung oder Studium von dem in ihrer Heimat zu erwartenden Verdienst nicht leben könnten.

Nach dem Prostituiertengesetz müssen Bordelle, Clubs und gewerblich genutzte Wohnungen vom Ordnungsamt genehmigt werden. Acht solcher Anträge seien bislang eingegangen. Das Ordnungsamt will im Kreis Kontrollen durchführen, ob es wirklich nicht mehr Betriebe gibt und währenddessen auch kontrollieren, ob die Prostituierten über die vorgeschriebenen Anmeldungen verfügen.

Nach Einschätzung von Petra Linke und Dr. Anja Röhnelt sind die Prostituierten sehr reisefreudig. Gerade in den angemieteten Wohnungen bleiben sie nur zwei bis drei Wochen, wechseln dann wieder den Ort, den Kreis, das Bundesland.

Anzeige
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5797916?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F1808486%2F
600 Hells-Angels-Rocker zu Trauerfeier erwartet
Am Samstag (23. Juni) werden bei der Trauerfeier für ein Hells-Angels-Mitglied 600 Trauergäster erwartet.
Nachrichten-Ticker