Praktizierter Naturschutz
Blühende Vielfalt am Wegesrand

Kreis Warendorf -

Wenn die heiße Sommerluft über dem Getreidefeld flimmert und es überall „kräuterlich“ duftet und an Insekten wimmelt, dürfen natürliche Weg- und Feldraine nicht fehlen. Nicht nur für unsere Lust auf schöne Optik, sondern als wertvoller Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Der Kreis Warendorf setzt auf eine grüne Zukunft mit dem Pilotprojekt „Pflege und Entwicklung von Wege- und Feldrainen.“ Los geht es in Beckum-Vellern.

Donnerstag, 07.06.2018, 18:06 Uhr

Hand in Hand fördern sie Weg-und Feldraine: Barbara Emmrich (Städtischer Baubetrieb Beckum), Martin Burcheister (Bauhof), Heinz-Josef Heuckmann (Leiter Fachdienst Umwelt und Grün, Beckum), Ingobert Rex (Fachgebietsleiter Naturschutz, Kreis), Landrat Dr. Olaf Gericke; Hubert Raring (Ortslandwirt Vellern); Heinz-Jürgen Müller (Leiter Amt für Planung und Naturschutz, Kreis), Dr. Matthias Quas (Geschäftsführer Landwirtschaftlicher Kreisverband Warendorf) und Ulrich Bultmann (Leiter Kreis Warendorf-Münster-Gütersloh der Landwirtschaftskammer)
Hand in Hand fördern sie Weg-und Feldraine: Barbara Emmrich (Städtischer Baubetrieb Beckum), Martin Burcheister (Bauhof), Heinz-Josef Heuckmann (Leiter Fachdienst Umwelt und Grün, Beckum), Ingobert Rex (Fachgebietsleiter Naturschutz, Kreis), Landrat Dr. Olaf Gericke; Hubert Raring (Ortslandwirt Vellern); Heinz-Jürgen Müller (Leiter Amt für Planung und Naturschutz, Kreis), Dr. Matthias Quas (Geschäftsführer Landwirtschaftlicher Kreisverband Warendorf) und Ulrich Bultmann (Leiter Kreis Warendorf-Münster-Gütersloh der Landwirtschaftskammer) Foto: Peter Sauer

Hoch wächst das Gras der Weg- und Feldraine an der Höckelmerstraße in Beckum-Vellern. Die Säume sind blütenreich. Gerade jetzt ist das Summen zahlreicher Insekten gut zu hören. Das ist nicht nur ein schöner Anblick für die Autofahrer und die Benutzer des Werse-Radwegs, sondern auch ein großer Gewinn für die biologische Vielfalt der heimischen Naturlandschaft.

Deshalb liegt auch Landrat Dr. Olaf Gericke die Wiederherstellung sowie die Erhaltung und Pflege von Wegesrändern und Feldrainen „sehr am Herzen“, wie er am Donnerstag inmitten dichter Felder bei einem Pressegespräch betonte. Er gab den Startschuss zum Projekt „Ökologische Optimierung der öffentlichen Wegeseitenflächen in Vellern“. Die Zielvorgabe ist klar: „Wir wollen Wegeränder und damit auch die Wege noch schöner machen. Für mehr Lebensraum für Tiere wie etwa Heuschrecken, Käfer und Insekten.“

Genauso wichtig ist dem Landrat die enge Kooperation aller Beteiligten. Gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer NRW (Kreisstellen Gütersloh/Münster/Warendorf), dem Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (Kreisverband Warendorf), der NABU Naturschutzstation Münsterland, den Ortsvorsitzenden und Ortslandwirten aus Vellern, der Stadt Beckum sowie der unteren Naturschutzbehörde des Kreises Warendorf wurde für Vellern festgelegt, wo überall Weg- und Feldraine wiederhergestellt und wo gemeinsame praktikable Pflege-Empfehlungen und Hinweise für Wege- und Feldraine erarbeitet werden müssen. Dazu wurde ein ausführlicher Flyer erstellt.

Natürliche Wegesränder in Vellern.

Natürliche Wegesränder in Vellern. Foto: Peter Sauer

Hubert Raring, Ortslandwirt aus Vellern, erläuterte wie der Rückzugsraum für Insekten und Kleinstlebewesen vergrößert wird: „Wir lassen extra hohe Grasstoppeln an den Feldrändern stehen.“ Blühende Raine können nicht nur Insekten wie zum Beispiel Wildbienen anlocken und somit die Bestäubung von Wild- und Ackerpflanzen fördern. Vielmehr können auch Vögel und Niederwild in diesem Lebensraum geeignete Brutplätze, genügend Nahrung und Möglichkeiten zur Deckung finden.

Mähen oder Mulchen der Weg- und Feldraine soll daher frühestens erst nach dem 15. Juni erfolgen, besser noch erst ab dem 15. Juli. So kann eine Störung während der Brutperiode vermieden werden. Balken- und Kreiselmäher sollen eine schonendere Mahd als Mulcher ermöglichen.

Ortslandwirt Hubert Raring und Landrat Gericke machten aber auch deutlich, das zum Beispiel an wichtigen Wegekreuzungen die Ränder nicht zu hoch wachsen dürfen, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. „Damit Autofahrer sehen, wo Radfahrer oder Tiere sein können.“

Die meisten Wegeränder sollen aber grün bleiben beziehungsweise werden. „Wir setzen auf zurückhaltende Unterhaltung der Flächen.“ Damit sparen die Landwirte auch Geld ein. „Also eine richtige Win-Win-Situation“, ergänzte Heinz-Jürgen Müller, Leiter des Amt für Planung und Naturschutz beim Kreis.

Gemäht wird künftig deutlich weniger und geschnitten wird höher.

Gemäht wird künftig deutlich weniger und geschnitten wird höher. Foto: Peter Sauer

Heinz-Josef Heuckmann, Leiter des Fachdienstes Umwelt und Grün der Stadt Beckum ergänzte: „Wir haben das Mähwerk unseres Unimogs höhergestellt.“ Denn die Schnitthöhe soll zehn Zentimeter nicht unterschreiten – damit zahlreiche Kleintiere am Boden das Mähen ganz unbeschadet überstehen können.

Heuckmann bilanzierte den Ist-Zustand: Bei einer Kartierung 2017 wurden 5,3 Kilometer wertvoller Wegeseitenraum gefunden. Das sind zwölf Prozent.“ Also gut Luft nach oben.

Landrat Gericke kündigte an, das für ein zweites Entwicklungsgebiet des Pilotprojektes in Telgte-Vadrup die Umsetzungsmaßnahmen derzeit erarbeitet werden.

 

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