Dieses Mädchen lebt seinen Traum
Mo., 20.02.2012
Dieses Mädchen lebt seinen Traum
Das Klavier ist ihre Welt, der Wunsch, Solistin zu werden, ihr Traum: Wenn Hye Young Hwang spielt, dürfen es gern ein paar Zugaben mehr sein.
Ostbevern -
Diszipliniert, zielgerichtet, charmant: Hye Young Hwang ist erst 16 Jahre alt. Doch die Koreanerin hat viel erreicht. Nachdem sie rund vier Jahre lang an einer Musikhochschule in der Ukraine ihr Klavierspiel auf hohes Niveau gebracht hatte, kam sie vor einigen Monaten nach Deutschland. Als Internatsschülerin der Loburg und Stipendiatin der Musikhochschule Münster verblüfft sie ihre Lehrer durch ihre exzellenten Leistungen.
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Um fünf Uhr aufstehen, um Klavier zu üben – das dürfte wohl für die meisten Jugendlichen eine Horror-Vorstellung sein. Nicht für Hye Young Hwang. Wenn Internatsleiter Konrad von der Beeke die 16-jährige Koreanerin nicht bremsen würde, dann säße sie sowohl am frühen Morgen als auch in der späten Nacht am Klavier, um ihren Traum zu leben: Solistin werden!
Ein Traum, der angesichts der Leistungen Hye Youngs wahr werden könnte. Schließlich hat sie nicht nur die Aufnahmeprüfung bei Prof. Michael Keller, dem Leiter der Musikhochschule Münster, mit Bravour bestanden (und ein Stipendium erhalten), sondern auch schon nach wenigen Monaten in Deutschland, wo sie ohne entsprechende Sprachkenntnisse gelandet war, die erste ‚Sprachprüfung abgelegt. In der Regel dauere es fast ein Jahr, bis Kandidaten dafür die nötigen Vokabeln beherrschten, verrät von der Beeke.
Dass das Klavier für Hye Young einmal zur Passion werden könnte, war lange Zeit nicht zu erkennen. Ihr ursprünglicher Plan sei es gewesen, Zeichnerin zu werden, erzählt sie. Im Alter von sieben Jahren fühlten ihre Hände zum ersten Mal die Tasten des Instruments. In der sechsten Grundschulklasse in ihrem Heimatort Ulsan in Korea bemerkte eine Lehrerin, dass die Kleine „wohl Talent habe“. Was als Hobby begann, wurde bald zur Leidenschaft.
Obwohl die Eltern – Hye Youngs Vater ist Unternehmer – erst nicht mit dem Klavierspiel der Tochter einverstanden waren, gaben sie ihrem Drängen nach und schickten sie für vier Jahre auf eine Musikhochschule in der Ukraine. Dort merkte die Koreanerin bald, dass ihr deutsche Komponisten am meisten liegen. Über eine Vermittlungsagentur, mit der auch die Loburg zusammenarbeitet, gelangte sie in die Bundesrepublik. „Als ich am Flughafen in Frankfurt ankam, sagte man mir, dass ich ins Internat der Loburg komme“, erinnert sich Hye Young. Ein Ort, von dem sie nie vorher gehört hatte.
Seit rund fünf Monaten ist die 16-Jährige nun in Deutschland und fühlt sich auf der Loburg wohl. Ihr Leben hat sich eingespielt: „Von 7.45 bis 13 Uhr Unterricht, von 14 bis 16.30 Uhr üben, Silentium bis 18.10 Uhr, Abendessen, dann bis 22 Uhr Klavier spielen“. Ein Rhythmus, der sich zwei Mal in der Woche dadurch verändert, dass Hye Young von einem Erzieher zum Bahnhof gebracht wird und von dort zur Musikhochschule nach Münster fährt. Manchmal auch samstags.
Klingt nach Stress. Ist es aber nicht. Zum einen, weil Konrad von der Beeke und die Pädagogen der Loburg darauf achten, dass das Verhältnis „zwischen Lernen und Kind sein“ auch für dieses Mädchen stimmt – eines von insgesamt über 40 Kindern aus 15 Nationen auf der Loburg. Zum anderen, weil Hye Young kommunikativ ist, ein gutes Verhältnis zu ihren Mitschülern hat und sich selbst Auszeiten gönnt. „Ich bleibe nicht oft im Mädchenhaus. Aber wenn ich dort bin, kommen die anderen zu mir. Dann trinken wir Kaffee, reden und haben Spaß“, sagt die Koreanerin.
Von der Beeke: „Wir fördern die Talente unserer Schützlinge, wie auch Spitzensportler gefördert werden. Die Loburg setzt aber nicht nur auf ein Pferd. Die Sozialstruktur muss komplett stimmen.“
Wie gut sie spielt, das stellte die Schülerin kürzlich bei der Gründungsfeier des Lions Clubs unter Beweis. Allerdings war das, was ihr dort anhaltenden Beifall bescherte, nur ein Bruchteil ihres Könnens. Auch ein 20-minütiges Ravel-Konzert, welches sie für einen Wettbewerb in der Ukraine eingeübt hatte, ist für die talentierte Musikerin nicht mehr als eine Aufwärmübung. Schließlich spielt sie bei Prüfungen in der Musikhochschule Münster auch 45-minütige Werke auswendig.
Disziplin, Charme und ein fester Wille: Hat Hye Young denn gar keine Laster? „Doch“, gibt sie zu. „Manchmal gehe ich mit Freundinnen zu einem Supermarkt in der Nähe. Dann kaufe ich Chips und Süßes.“
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