Rainer Eppelmann referiert über die DDR
„Graue, kommunistische Mäuse“

Ostbevern -

Als „kompetenten und authentischen Zeitzeugen“ der DDR begrüßte Rolf Zurbrüggen, Direktor der Volkshochschule Warendorf, am Montagabend den ehrenamtlichen Vorsitzenden der Bundesstiftung Aufarbeitung, Rainer Eppelmann. Der knapp 70-Jährige, der von 1990 bis 2005 als Mitglied des Deutschen Bundestages und Vorsitzender der Enquêtekommission zur Aufarbeitung der SED-Diktatur sowie als Minister für Abrüstung und Verteidigung in der Regierung de Maiziére tätig war, gab in seinem Vortrag im Rathaus persönliche Erfahrungen und allgemeines Hintergrundwissen aus dem Zeitabschnitt vom Mauerbau bis zur deutsch-deutschen Vereinigung wieder.

Mittwoch, 31.10.2012, 09:10 Uhr

Rainer Eppelmann referiert über die DDR : „Graue, kommunistische Mäuse“
Rainer Eppelmann (am Rednerpult) erinnerte in seinem Referat an das SED-Regime und die Diktatur in der DDR. Foto: Reinker

Rolf Zurbrüggen, dessen Dank für die Veranstaltung auch an Ulrike Jasper und die Gemeindeverwaltung ging, betonte, dass der Abend dazu beitragen solle, „das mentale Zusammenwachsen der Deutschen“ voranzubringen. „Die Menschen, die das Leben in der Diktatur kennengelernt haben, werden immer weniger“, so Rainer Eppelmann . Umso mehr müsse dazu beigetragen werden, dass die Erinnerungen an das SED-Regime für die nachkommenden Generationen wachgehalten würden. Der Redner berichtete von den Anfängen in Ostdeutschland , die von vielen Bewohnern hoffnungsvoll erwartet worden seien, den Aufständen gegen den Mauerbau bis hin zur persönlichen Kapitulation zahlreicher Bürger. „Das die DDR kein Rechtsstaat war, haben viele erleben müssen“, so Eppelmann. Enteignungen privater Eigentümer, die Pflicht zur Jugendweihe und nicht zuletzt die stark eingeschränkte Rede- und Meinungsfreiheit seien Beispiele dafür. „Alle sollten das Gleiche lieben, das Gleiche hassen, das Gleiche verabscheuen, der gleichen Meinung sein“. So seien mehr als 90 Prozent der Erwachsenen Mitglieder der gleichen Gewerkschaft gewesen, die Kinder in der gleichen Jugendorganisation. „Alle sollten graue, kommunistische Mäuse werden“, so die Erfahrung des gebürtigen Berliners. „Die Menschen überlegten ganz genau, wo sie wem etwas sagten.“ Dadurch habe es auch viele Geheimnisse innerhalb der Familien gegeben. Dem etwa einstündigen Vortrag, der von über 40 Zuhörern verfolgt wurde, schloss sich eine Diskussion an, in deren Verlauf Eppelmann auch über persönliche Empfindungen berichtete. So habe er den Fall der Mauer am 9. November 1989 als insgesamt „emotionalsten Abend“ am Grenzposten Friedrichstraße erlebt, erklärte er.

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