Di., 16.02.2016

Klares Zeichen gegen Fremdenhass Sassenberger Aufkleber erobert Facebook

Sassenberg - 

Andere reden, Joseph Dahlhaus-Erichsen handelt. Als Reaktion auf die fremdenfeindlichen NPD-Sticker ( WN berichteten) hat der Sassenberger in der vergangenen Woche einen Gegenentwurf entwickelt. Die Nachfrage nach den Aufklebern ist immens.

Von Ulrich Lieber

„Sassenberg Fremdenhass – Nein Danke!“ lautet die klare Botschaft. Doch warum nur Sassenberg, dachte sich Dahlhaus-Erichsen. Denn nachdem er sein Facebook-Profil mit dem Button versehen hatte, kamen Nachfragen aus anderen Orten. Kurzerhand gründete er am Sonntagabend eine neue Gruppe „Fremdenhass – Nein Danke!“, in der er für jeden Ort den Button anbietet. Innerhalb von wenigen Stunden hatten sich bereits 27 Orte gemeldet. „Darunter waren Orte, deren Namen ich noch nie gehört hatte“, sagt Dahlhaus-Erichsen.

Mit Facebook kennt sich der Sassenberger aus, denn er war es, der die Sassenberg-Gruppe ins Leben rief. Sie hat mittlerweile rund 2500 Mitglieder. Als Administrator kümmert er sich dort um Inhalte und die Netiquette. „Ich wollte diesen Aufkleber aber nicht in der Sassenberg-Gruppe haben“, sagt er. Darum rief er die neue Plattform ins Leben.

Gemeinsam gegen Fremdenhass: Dirk Ackermann (l.) und Joseph Dahlhaus-Erichsen präsentieren den neuen Aufkleber.

Gemeinsam gegen Fremdenhass: Dirk Ackermann (l.) und Joseph Dahlhaus-Erichsen präsentieren den neuen Aufkleber. Foto: Ulrich Lieber

Die Entwicklung des Aufklebers war für Dahlhaus-Erichsen keine große Sache. „Das ist für mich leicht. Ich habe Technischer Zeichner gelernt und arbeite viel mit Grafiken“, erklärt er. Ganz bewusst habe er sich bei der Gestaltung am NPD-Sticker orientiert, um diesen ins Positive umzugestalten. Nachdem er die Grafik fertig hatte, sollte er auch in Druck. Und da hatte Dirk Ackermann, Stadtjugendpfleger und Co-Administrator der Sassenberg-Gruppe eine gute Idee. „Wir hatten ja die Pizza-Aktion, und Patric Ludorf wollte 20 Pizzen spendieren. Ich habe ihm dann vorgeschlagen, stattdessen den Druck der Aufkleber zu übernehmen“, erklärt Ackermann. Der Werbetechniker sagte sofort zu und übernahm den Druck von mehreren 100 Aufklebern, die nun im Jugendzentrum „Inside“ erhältlich sind.

Bestellung sogar aus Irland

Münster, Warendorf, Beelen, Harsewinkel, Versmold, Oelde, Greven und viele weitere Orte aus der Region haben sich bereits gemeldet, um eine Download-Version des Aufklebers zu erhalten. Beckum will gleich 1000 Stück in Druck geben. Selbst aus Lingen, Nordhorn oder Anklam kamen Anfragen. „Sogar aus Baltimore in Irland kam eine Anfrage. Darum habe ich jetzt auch eine englische Version“, sagt der Admini­strator. „Your Town Xenophobia – no thanks!“ ist der Grundslogan, so dass auch international jede Stadt mitmachen kann.

Generell sei der Ton in der Sassenberger Facebook-Gruppe etwas rauer geworden. „Als Admin ist es immer ärgerlich, wenn die Diskussionen ausarten. Es ist schwierig, da eine Linie zu ziehen“, berichtet Dahlhaus-Erichsen. „Die Erwachsenen unterhalten sich zum Teil wie im Hühnerhaufen, da kann ich hier mit vielen Jugendlich viel besser diskutieren“, ergänzt Dirk Ackermann.

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Wenn der Klügere immer nachgibt, dann werden wir bald nur noch von Idioten beherrscht.

Dirk Ackermann, Stadtjugendpfleger

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Den Stadtjugendpfleger ärgern aber nicht nur die – zum Teil – niveaulosen Kommentare, sondern eher das große Schweigen der Masse. „Was mir Angst macht, sind die 2400, die zuschauen. Ist denen das egal? Ich kann es zwar irgendwie verstehen, aber es wäre schön, wenn sich der ein oder andere auch mal äußern würde. Denn wenn der Klügere immer nachgibt, dann werden wir bald nur noch von Idioten beherrscht.“

Die neue Facebook-Gruppe schießt jedenfalls schnell durch die Decke und hat bereits die 100er-Marke geknackt. Wer also einen Aufkleber für seinen Ort haben möchte, muss sich einfach nur in der Gruppe anmelden und seine Wünsche äußern.

Einen Hinweis geben Joseph Dahlhaus-Erichsen und Dirk Ackermann allerdings allen Aufkleber-Besitzern: „Bitte die Aufkleber nicht zur Sachbeschädigung nutzen. Also nicht auf Verkehrszeichen oder anderes Eigentum kleben. Am besten aufs eigene Auto, oder generell auf eigene Sachen.“ Denn schließlich soll es eine positive Aktion werden.

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