Fr., 02.12.2016

Vortrag in der Sekundarschule Jungs dürfen Gefühle zeigen

Dieter van Stephaudt und Lioba Garmann informierten zum Thema „Was brauchen Jungs?“

Dieter van Stephaudt und Lioba Garmann informierten zum Thema „Was brauchen Jungs?“ Foto: Irmler

Sassenberg - 

Es ist eine spannende Frage, der sich Dieter van Stephaudt, Leiter der Familienbildungsstätte Oelde, an diesem Mittwochabend in der Sekundarschule widmet. „Was brauchen Jungs?“ lautet die übergeordnete Frage seines Vortrags.

Von Christopher Irmler

„Jungs sind anders als Mädchen. Das darf man nicht vergessen“, betont van Stephaudt. „Gleichmacherei ist kein Punkt, der beiden gerecht wird.“ Ein elementarer Unterschied zwischen den Geschlechtern sei etwa der jeweilige Umgang mit Aggressionen. „Jungen tragen sie eher nach außen. Da trifft es dann auch schon einmal den kleinen Bruder, der gerade zufällig in der Nähe steht.“ Mädchen hingegen verschlössen sich häufiger.

Van Stephaudt führt dies auch auf gesellschaftliche Realitäten zurück. „Bei Männern dauert es durchschnittlich 70 Monate, bis sie sich bei psychischen Problemen professionelle Hilfe suchen. Frauen gehen diesen Schritt bereits nach neun Monaten.“ Nur keine Schwäche zeigen oder sie sich eingestehen, laute oftmals die Devise. Jungen, ist van Stephaudt überzeugt, orientieren sich an ihren männlichen Vorbildern. Sprüche wie „ein Indianer kennt keinen Schmerz“ seien daher kontraproduktiv. Sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist, benötige auch die Rückendeckung und ein entsprechendes Vorleben durch die Eltern.

Das Sozialverhalten von Jungen und Mädchen in der Schule unterscheide sich ebenfalls. „Jungen arbeiten ökonomischer und tun in der Regel nicht mehr als nötig. Bei Gruppenarbeiten teilen sie die Aufgaben unkompliziert untereinander auf und fahren damit sehr gut. Oft heißt es, Mädchen wollten fleißig sein, Jungen hingegen klug.“ In der Schule müsse für Jungen eine andere Lernatmosphäre herrschen. „Jungen brauchen Gelegenheiten, ihren Bewegungsdrang auszuleben und die Chance, ihren Platz in der Gruppe zu finden.“

Dass Jungen oftmals einen schwierigen „Start“ hätten, begründet van Stephaudt auch mit der Situation in Kitas und Grundschulen. Die überwältigende Zahl des Personals sei weiblich. Er wolle damit keineswegs sagen, dass diese ihre Arbeit schlecht machten. „Wir bräuchten dennoch viel mehr Erzieher und Lehrer.“

In Gesprächen im Rahmen von Selbstbehauptungskursen mit sieben- bis zehnjährigen Jungen erhalte er fast ausschließlich Antworten, wie oder wer sie nicht sein wollten. Man wolle nicht hilflos, nicht Opfer anderer, zu weich oder ein Streber sein. Van Stephaudt plädiert daher dafür, überkommene Vorstellungen zu überwinden. „Jungen dürfen weinen und Gefühle zeigen. Sie müssen lernen, dass Selbstbewusstsein nichts mit einer Gefühlsunterdrückung zu tun hat.“

Der Mythos vom „richtigen Jungen“ müsse auch von Seiten der Eltern entkräftet werden. „Es gibt eine große Vielfalt. Wenn der Sohn Ballett tanzen will – warum denn nicht?“

Zum Abschluss gab van Stephaudt den Eltern einige Denkanstöße mit auf den Heimweg. „Überfordern Sie ihren Sohn nicht. Söhne sind nicht dazu da, die Träume der Väter zu erfüllen – sei es in der Schule oder im Sport.“

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