Sassenberg

Sa., 28.08.2010

  • Derzeit 0 von 5 Sternen.

Artikelbewertung

Schlaflos in Füchtorf

Luxuriöse Treppen wie diese werden von der Firma Strotmeier in Yachten eingebaut. Originalfotos werden von den Eigentümern nicht gestattet.Foto: (MY Lade Anne P.B.)
Von Ulrich Lieber

Füchtorf - Als Ralf Strotmeier zum ersten Mal eine Luxus-Yacht betrat, da war er schwer beeindruckt. „Es ist schon etwas Besonderes, auf so einer Yacht zu arbeiten“, berichtet der 30-jährige Füchtorfer, der zusammen mit seinem Vater Clemens die Tischlerei Strotmeier leitet. Seit fünf Jahren baut das Familienunternehmen Treppen für verschiedene Yachten und hat sich in der Branche einen Namen gemacht.

Es sind nicht irgendwelche Treppen, die Strotmeier baut, es handelt sich um luxuriöse und extravagante Exemplare, die exakt nach Kundenwünschen erstellt werden.

Dem ersten Auftrag für einen Ausbau auf einer Yacht ging eine Arbeit an einer Luxus-Villa in Istanbul voraus. „Dort war man mit unserer Arbeit zufrieden, und wir wurden gefragt, ob wir Interesse an einer Yacht bei Hamburg hätten. Wir sollten sieben Treppen für eine 150 Meter lange Luxus-Yacht bauen“, berichtet Ralf Strotmeier. Der Kontakt zum Kunden läuft dabei über die Firma metrica® INTERIOR in Senden.

Ralf Strotmeier erinnert sich noch genau daran, wie sie ihre erste Yacht in Hamburg in Augenschein genommen haben. „Wir haben erstmal geschluckt. Aber dann haben wir uns der Herausforderung gestellt.“ Damit die Arbeiten in Füchtorf überhaupt erledigt werden konnten, musste zunächst eine 350 Quadratmeter große Halle neu errichtet werden. Dann wurden drei Monate lang nur runde Sachen gefertigt, denn die meisten Treppen sind rund. „Die Halle war nach zwei Monaten voll.“

Rund drei Viertel der Arbeiten werden in Füchtorf erledigt, dann geht es raus auf die Yacht, denn die Montage erfolgt natürlich direkt in der Werft. „Wir sind für die komplette Treppe verantwortlich und müssen ganz strenge Auflagen einhalten“, berichtet Strotmeier. Für die Hamburger Yacht waren ursprünglich acht Monate eingeplant worden, gedauert hat es dann aber rund eineinhalb Jahre, wobei es zwischendurch aber auch längere Pausen gab. Aber alles lief bestens und zur Zufriedenheit des Kunden.

„Es handelt sich um Privat-Kunden, und die sind sehr penibel. Schließlich kosten diese Schiffe mehrere Millionen. Da wird auf jede Kleinigkeit geachtet. Die gehen sogar manchmal mit der Lupe die Treppen entlang“, sagt Ralf Strotmeier. Die Yacht in Hamburg habe sogar im dreistelligen Millionen-Bereich gelegen.

Der Erfolg des ersten Auftrags hatte Auswirkungen auf die Firma Strotmeier, denn es folgten weitere Aufträge. Zuletzt war Strotmeier in Kroatien im Einsatz, aktuell arbeitet die Firma in Rendsburg und in Spanien. „Wir haben uns mittlerweile einen Namen gemacht, aber man muss immer Qualität abliefern“, weiß Strotmeier. Und die habe sich rumgesprochen, so dass es auch direkte Anfragen gebe.

Die Kundschaft ist natürlich entsprechend gut betucht, hat aber dafür auch Sonderwünsche. „Zuletzt hatten wir außergewöhnliches Furnier aus amerikanischem und italienischem Nussbaum. Das ist ein teures Holz, das man nur schwer bekommen kann. Wir haben es dann direkt aus Italien importiert“, sagt der 30-Jährige. Oder es werden schmiedeeiserne Geländer mit Blattgold bestellt. „Da beauftragen wir dann andere Firmen, die uns das bauen“, erklärt Strotmeier. Hin und wieder komme auch ein Möbelstück oder eine Deckenverkleidung dazu.

Aber die Arbeit auf den Yachten ist kein Zuckerschlecken. „Es ist etwas ganz anderes, für eine Yacht zu bauen. Man darf auf dem Schiff keinen Dreck verursachen. Größere Arbeiten müssen an Land erledigt werden“, erklärt der Füchtorfer. Dabei habe man die sehr hohen Brandschutzverordnungen einzuhalten und von allen Materialien ein Zertifikat vorzulegen. „Es macht trotzdem sehr viel Spaß, aber auf dem Schiff hat man einen 12- bis 14-Stunden-Tag.“ Schließlich müssen die Fristen eingehalten werden, denn die Vertragsstrafen sind hoch. Doch davon blieb Strotmeier bislang verschont.

Jede neue Yacht ist für die Füchtorfer eine neue Herausforderung. „Man hat manchmal schlaflose Nächte und überlegt, wie man es hinbekommen soll“, verrät Ralf Strotmeier, denn jede Yacht sei außergewöhnlich. Doch bislang ist es immer gut gelaufen, Mängel gab es noch nie. Auf den Schiffen treffe man immer wieder die gleichen Leute, denn an einem Ausbau sind bis zu 500 Mann beschäftigt. „Das ist schon eine große Familie.“

Mittlerweile arbeitet die Hälfte der Belegschaft für den Bereich Yachten, aber Strotmeier stellt auch für andere Gebäude Treppen, aber auch Möbel her. Zum Beispiel für ein Hotel in München oder ein Bürogebäude in Braunschweig.

Hin und wieder sind die Füchtorfer auch beim Stapellauf dabei, in Holland gab es sogar eine große Feier. „Es ist zwar viel Arbeit, aber wenn man dann das fertige Schiff sieht, dann ist das schon gigantisch.“


Wie bewerten Sie diesen Artikel?

Vielen Dank für Ihre Bewertung.

Nur eine Abstimmung möglich!

Ihre Bewertung wurde geändert.

  • Derzeit 0 von 5 Sternen.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bewertung: 0/5

1 Stern = überhaupt nicht gut; 5 Sterne = hervorragend

Artikel



Anzeige

WN-Mobil Anzeigen

Autos, Motorräder, Wohnmobile und Nutzfahrzeuge aus Ihrer Region

WN-Aktionen

Verzaubernde Show
Prachtvolle Pferde, atemberaubende Reitkunst - "Apassionata" ist ein Fest für die Sinne und eine Hommage an das Tier. mehr...

Wilde Kreatürken
Die WN präsentieren Bülent Ceylan mit seinem neuen Programm am 10. Mai in der Halle Münsterland. mehr...

Immer mehr drin
Exklusive Angebote für WN-Kunden - wie funktioniert das? mehr...

Anzeige