Sa., 29.12.2012

Ausgefeilte Reha-Technik Rollwagen macht Bulldogge „Bella“ mobil

Benedikt Rinsche freut sich, dass „Bella“ dank ihres Rollwagens wieder laufen und mit ihm spielen kann.

Benedikt Rinsche freut sich, dass „Bella“ dank ihres Rollwagens wieder laufen und mit ihm spielen kann. Foto: Christiane Husmann

Albersloh - 

„Bella“ ist ein Jahr alt und ein fideler Junghund. Aufgrund einer Behinderung war es ihr in den ersten Monaten aber nicht möglich, ihren Bewegungsdrang auch auszuleben. Seit einiger Zeit ist die Amerkanische Bulldogge nun mit einem Rollwagen unterwegs, der ihr die ersehnte Mobilität verschafft.

Von Christiane Husmann

„Bella“ trabt quietschfidel über die regennasse Wiese. Dass die Amerikanische Bulldogge das überhaupt kann, verdankt sie einem Rollwagen, den Familie Rinsche bei einem Rehatechniker in Auftrag gegeben hatte.

Vor gut einem Jahr entschied sich die Albersloher Familie, eine Amerikanische Bulldogge anzuschaffen. Diese Rasse wird besonders von Heinz Rinsche geschätzt, der sich schon lange mit den imposanten Hunden beschäftigt. Bereits seit 13 Jahren gehört Hund „Fritz“ zur Familie. Ebenfalls eine Amerikanische Bulldogge. „Das sind wesensfeste Arbeitstiere, die als Familienhunde gut geeignet sind“, erklärt Heinz Rinsche. Aufgrund ihres Aussehens würden sie oft mit Pitbulls verglichen, die als so genannte Kampfhunde einen häufig zweifelhaften Ruf genössen.

„Wir wollten insbesondere für unsere beiden Kinder Benedikt und Julia einen Welpen anschaffen“, erklärt Gunhild Rinsche. Nach einer aggressiven Bellattacke eines fremden Hundes habe Benedikt Angst gegenüber den Vierbeinern entwickelt, die ihm ein Welpe wieder nehmen sollte. Eine Züchterin verkaufte ihnen die Amerikanische Bulldogge „Bella“, die über acht Generationen einen lupenreinen Stammbaum aufwies.

Dass „Bella“ unter einer wohl genetisch bedingten Fehlbildung im Hüftbereich leidet, konnte Familie Rinsche damals nicht ahnen. Doch bereits beim Welpenspieltreff bemerkten Gunhild und Heinz Rinsche, dass sich „Bella“ anders bewegte als ihre Spielgefährten. Im Laufe der ersten Monate veränderten sich „Bellas“ Hinterläufe. Sie entwickelte extreme O-Beine, die sogar dazu führten, dass ihre Pfoten beim Laufen gegeneinander schlugen. Heinz und Gunhild Rinsche beschlossen, eine Spezialklinik in Duisburg aufzusuchen. Sie konnten nicht ahnen, dass das für den Hund der Anfang einer Odyssee werden sollte, der „Bella“ und der ganzen Familie vieles abverlangte.

Erst wurde ein Hinterlauf der Amerikanischen Bulldogge gebrochen und mit Metallen fixiert, um es zu begradigen. Beim langwierigen Abheilen der dadurch entstandenen Wunde, wurde der andere Hinterlauf jedoch so stark belastet, dass eine Arthrose entstand. Unzählige Male machte sich Familie Rinsche auf den Weg nach Duisburg, wo man dem Hund jedoch nur leidlich helfen konnte. Im Laufe der Behandlung verlor er zudem die Kniescheiben seiner Hinterläufe.

„Nach mehreren OPs, die alle nicht gut verliefen, haben wir uns dazu entschlossen, dem Hund auf anderem Weg zu helfen“, erinnert sich Gunhild Rinsche. Nach einigen Recherchen stießen sie auf Markus van den Boom, der als gelernter Rehatechniker mit einer Tierärztin in Bochum zusammenlebt. Gunhild Rinsche erzählt, von dem Paar, dessen Hund eine Querschnittslähmung erlitt. Die Tierärztin habe den Hund einschläfern wollen, doch Markus van den Boom versuchte, dem Tier mit einem speziellen Rollwagen zu helfen. Der Plan ging auf. Der Rehatechniker setzt seitdem sein Fachwissen zum Wohl der Tiere ein. Meistens seien es Hunde, denen er mit Rollwagen, Bandagen und Orthesen helfen könne, erfuhren die Rinsches. Doch auch Katzen oder Meerschweinchen gehören mittlerweile zu seinen Patienten.

Nun ist auch „Bella“ stolzer Besitzer eines Rollwagens der ihr wieder Schmerzfreiheit und Mobilität verschafft. „Bella“ hängt mit ihren Hinterbeinen in einem Gurtsystem. Mit ihren Vorderläufen zieht und lenkt sie den Rollwagen. Dadurch werden die Hinterläufe extrem entlastet und gleichzeitig trainiert.

Besonders liebevoll kümmert sich der zehnjährige Benedikt um „Bella“. Dabei wird der alte „Fritz“ natürlich nicht vergessen. Auch wenn er mittlerweile taub ist, mischt der Hund noch kräftig mit. „Fritz“ und „Bella“ haben mit der Familie Rinsche augenscheinlich einen Glücksgriff getan. Die Albersloher Familie hat sich auf die Behinderung „Bellas“ eingestellt. „Ein Auto mit Rampe und andere Hilfsmittel wurden angeschafft“, erklärt Heinz Rinsche.

„Beim Gassiegehen wird der Hund mit seinem auffälligen Gefährt oft bestaunt“, schmunzelt Gunhild Rinsche, die sich freut, dass es „Bella“ Dank des Rollwagens wieder besser geht: „Wir sind wirklich froh, dass wir „Bella“ haben, sonst gäbe es sie wohl schon nicht mehr.“

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