So., 20.12.2015

Veka kratzt an der Umsatz-Milliarde Ein gutes Jahr

Blauer Himmel im Dezember über den Betriebsgelände: Das kann im übertragenen Sinne für die Entwicklung des Sendenhorster Unternehmens in diesem Jahr gelten.

Blauer Himmel im Dezember über den Betriebsgelände: Das kann im übertragenen Sinne für die Entwicklung des Sendenhorster Unternehmens in diesem Jahr gelten. Foto: Josef Thesing

Sendenhorst - 

Die Veka-Gruppe hat ein gutes Jahr hinter sich gebracht. Die Unternehmen haben rund eine Milliarde Euro umgesetzt. Auf dem Programm steht nun die Entwicklung neuer, intelligenter Produkte.

Von Josef Thesing

Vor dem Werkstor stehen die Lkw aus verschiedenen europäischen Ländern an diesem Dezembermorgen Schlange. Es gibt zum Jahresende offenbar noch viel zu tun bei Veka. Und dennoch ist noch nicht ganz klar, ob das Ziel des Managements für dieses Jahr, die Umsatzmilliarde, erreicht wird. „Knapp darüber oder darunter“, sagt Vorstandsvorsitzender Andreas Hartleif im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten.

Doch unabhängig davon, wie der Umsatz der Veka- Gruppe letztendlich ausfällt: Hartleif ist zufrieden mit dem zu Ende gehenden Jahr. „2015 war für die Veka-Gruppe ein sehr gutes Jahr“, bilanziert der Vorstandschef. Stabile Umsätze in einem hart umkämpften Markt: Veka habe sich, außer in den wirtschaftlichen Krisengebieten wie dem bedeutenden Markt Russland, gut behauptet.

Aber auch in Russland seien die Geschäfte nicht komplett zum Erliegen gekommen, selbst wenn die Auswirkungen der wirtschaftlichen Probleme mittlerweile die Bauindustrie erreicht hätten. Gleichwohl müsse ein „deutlicher Umsatzeinbruch“ verkraftet werden. Die frühere „Erfolgsstory“ dort mache eine Pause, die Perspektiven seien aber weiterhin vorhanden, zumal vor Ort weiterhin Geld verdient werde.

Rund 20 Prozent des Gesamtumsatzes hat die von Veka übernommene Gealan-Gruppe im ersten kompletten gemeinsamen Geschäftsjahr beigetragen: Eine Übernahme, die sich gut einfüge, erklärt Hartleif. Doch das Jahr sei auch für die „klassische“ Veka-Gruppe „richtig gut“ gewesen. Denn glücklicherweise – und hier noch einmal ein Blick nach Russland und auch in die Ukraine – verliefen die Entwicklungen bei den weiteren weltweiten Töchtern deutlich besser. Die Marktentwicklungen in den USA, England und Polen stellen das Management sehr zufrieden. Und auch die wieder besseren Perspektiven in Frankreich und Spanien tragen zu einer guten Stimmung bei. „Das Kunststofffenster hat in Spanien Konjunktur, und die Marktanteile wachsen seit Jahren kontinuierlich.“ Sehr erfreut ist die Unternehmensspitze auch über die deutliche Verbesserung des Plattengeschäftes, das für den Standort Sendenhorst einen wichtigen Umsatz- und Ergebnisbeitrag leiste.

Das globale Engagement des Sendenhorster Profil- und Plattenherstellers erweise sich einmal mehr als Erfolgsfaktor. Auch in Südamerika, wo man an den Standorten in Chile, Brasilien und Argentinien nach über zehn Jahren Aufbauarbeit nun die ersten Früchte ernten könne. „Es war seinerzeit ein richtiger Schritt, auf diesem Kontinent zu investieren“, sagt Hartleif deshalb.

Freude bereiteten auch die Marktentwicklungen in vielen europäischen Ländern. Vor allem die Schweiz, Italien und die Benelux-Länder überzeugten mit einer „stabilen Ertragslage“. Auch vom Heimatmarkt gebe es Positives zu berichten: „Trotz des anhaltenden Konzentrationsprozesses und des zunehmenden Imports von Fertigfenstern haben sich unsere Verarbeiter in diesem Jahr in Deutschland hervorragend geschlagen. Der Umsatz wird das Planniveau voll erreichen.“

Die im oberfränkischen Oberkotzau angesiedelte Gealan wird auch weiterhin selbstständig geführt. Die für die beiden Marken ausgegebene Differenzierungsstrategie greife in den einzelnen Märkten. Dies äußere sich auch darin, dass für die Marke Gealan eigenständige, neue Produkte entwickelt würden. Gleichzeitig schreite an anderen Stellen die Integration weiter voran. So wurde beispielsweise die IT und die damit zusammenhängenden Prozesse weitestgehend harmonisiert, damit beide Unternehmen in Zukunft mit den gleichen Standards unterwegs seien. Einige Standorte sollen künftig auch gemeinsam genutzt werden, um ebenfalls Synergien zu heben. Mit der inzwischen erreichten Ergebnissituation sei Veka sehr zufrieden, so Hartleif. Man habe die Ziele übertroffen, was natürlich auch das dortige Management sehr freue. „Insgesamt war es ein glücklicher Deal für die Veka- Gruppe“, meint Hartleif.

Neben der Produktion von Platten und Profilen will sich die Veka AG weiter dem Thema „Innovation“ widmen. Dabei werde auch die VTS „VEKA Technologie Service“ am Osttor in Sendenhorst, eine wichtige Rolle spielen. Eine dort zur Marktreife entwickelte Technologie zur Veredelung von Oberflächen werde im März auf der weltweit größten Fachmesse „fensterbau“ in Nürnberg unter dem Namen „Spectral“ vorgestellt. Erste Umsätze dafür werden im zweiten Quartal 2016 erwartet.

Ein weiteres innovatives Produkt ist die „Multibox“, ein Fenstersystem, das einen Teil der Haustechnik übernimmt. „Eine große Aufgabe“, sagt Hartleif. Aber auch eine reizvolle. Man muss sich das – laienhaft ausgedrückt – so vorstellen: Das Fenster macht im Bereich von Klimatisierung, Beschattung, Schallschutz und einigem mehr das, was es für das Beste hält in Bezug auf Raumklima und Energieeffizienz. Ausgestattet ist es mit unsichtbaren, aufeinander abgestimmten Motoren, Sensoren und Ventilatoren, die mit einer Wetterstation verbunden sind. Allerdings ist es im Idealfall nicht mehr mit den klassischen Griffen zum Öffnen ausgestattet: Das Fenster öffnet oder schließt sich von alleine, etwa wenn das Raumklima nicht mehr ideal ist.

Fachleute sind davon überzeugt, dass ein solches Fenster, das derzeit in Dortmund in einem Gebäude ausprobiert wird, effizienter wirkt als ein vom Menschen betätigtes. Ob das allerdings vom Hausbewohner, der gerne selbstbestimmt handeln möchte, akzeptiert wird, werde sich erst zeigen müssen.

Am Standort Sendenhorst steht im kommenden Jahr der Bau eines mittelgroßen Blockheizkraftwerks an. „Dieses Kraftwerk gehört zum Sicherungskonzept unseres firmeneigenen Rechenzentrums, das nahezu alle Standorte weltweit mit den wichtigsten IT-Anwendungen versorgt“, erklärt Hartleif. Hier wolle Veka ein Stück weit unabhängig sein, damit eventuell auftretende Versorgungsprobleme entschärft würden.

„Veka möchte sich mit den Kunden weiterentwickeln und weiter wachsen“, erklärt Hartleif. Dafür müsse das Unternehmen sicherstellen, „dass die Kunden in der ganzen Welt auf ein marktgerechtes Angebot aus qualitativ hochwertigen Produkten und Dienstleistungen zurückgreifen können“. Veka wolle die Fensterhersteller dabei unterstützen, ein „durchdachtes Geschäftsmodell mit starker Vertriebsorientierung in einem sehr wettbewerbsintensiven Marktumfeld umzusetzen“.

Denn es gebe noch viel Potenzial. Dass vor allem in Ballungsräumen mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden müsse, komme auch der Fensterbranche zugute. „Deshalb sehe ich der Zukunft im für uns größten Markt Deutschland für die Veka-Gruppe zuversichtlich entgegen. Aber die USA werden Deutschland vom Umsatz her überholen“, prognostiziert der Vorstandschef. 

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