Mi., 23.12.2015

13 000 Euro für „Erbsenzählerei“? Neue Container mit „gravierenden Mängeln“

Das Bauamt des Kreises hat das Auswechseln der Fenster in den neuen Containern angeordnet. Andernfalls erlischt die Baugenehmigung.

Das Bauamt des Kreises hat das Auswechseln der Fenster in den neuen Containern angeordnet. Andernfalls erlischt die Baugenehmigung. Foto: Josef Thesing

Sendenhorst - 

Die Stadt hat für sehr viel Geld neue Container für die Unterbringung von Flüchtlingen angemietet. Der Kreis Warendorf hat nun deren Nutzung für diesen Zweck untersagt, der er zunächst „unter Auflagen“ zugestimmt hatte. Und zwar deshalb, weil die beiden Fenster in jedem Container 14 mal 19,5 Zentimeter zu klein seien.

Von Josef Thesing

Nein, an dieser Stelle wird ausdrücklich kein Mitarbeiter der Stadtverwaltung namentlich zitiert, weil der Stress schon groß genug ist und der gute Ton gewahrt werden soll.

Aber die Quellen sind zuverlässig, und der Sachverhalt ist eindeutig. „Man kann sich das mit gesundem Menschenverstand nicht erklären“, ist die spontane Antwort aus dem Rathaus auf die entsprechende Frage der WN gestern Nachmittag. Ein anderer Sendenhorster stellt das so dar: „Trampelt in diesem Fall der kreiseigene Amtsschimmel wiehernd im Galopp durch das kommunale Getreidefeld der Sendenhorster Finanzen?“

Der Anlass: Die Stadt hat bekanntlich für sehr viel Geld neue Container für die Unterbringung von Flüchtlingen angemietet. Der Kreis Warendorf hat nun deren Nutzung für diesen Zweck untersagt, der er zunächst „unter Auflagen“ zugestimmt hatte. Und zwar deshalb, weil die beiden Fenster in jedem Container 14 mal 19,5 Zentimeter zu klein sind. Das ist, so das Bauamt des Kreises Warendorf, zu wenig, um im Notfall als zweiter „baulicher“ Rettungsweg zur Verfügung stehen zu können.

Auf Baustellen oder für die Unterbringung von Saisonarbeitern sei das in Ordnung, aber nicht als „dauerhafte“ Behausung. Punkt. Ende der Durchsage. Frist: 12. Januar.

Die Feuerwehr, die natürlich in der Angelegenheit zu Rate gezogen wurde und im Notfall maßgeblich ist, hat kein Problem mit den Fenstern. Und auch ein von der Stadt beauftragter Gutachter nicht. Aber der Kreis hat nun mal seine Vorschriften „und lässt nicht mit sich reden“.

Also ist der Steuerzahler gefragt. Die Stadt wird aus zwei kleinen Fenstern ein großes, „kreisgerechtes“ machen. Das kostet 13 000 Euro im ersten Schritt – für die geplante zweijährige Nutzung.

Dann kommt der zweite Stepp: Nach Auslaufen der Mietdauer muss Sendenhorst die Container in den ursprünglichen Zustand zurückversetzen, weil sie ja nur gemietet sind. Aber nicht nur deshalb: Mitarbeiter im Rathaus erklären zudem, dass die Container mit den „neuen“ Fenstern nicht einmal auf den Tiefladern transportiert werden dürfen, weil die ursprüngliche Stabilität der Pavillons wegen der großen Fenster nicht mehr gewährleistet sei. Was der „Rückbau“ dann kostet, mag derzeit niemand abschätzen. „Das ist eine völlig unnötige Verschwendung von Steuergeldern“, heißt es im Rathaus. Ein Vorgang, für den sich wohl auch der Bund der Steuerzahler interessieren könnte, heißt es.

Zu ändern ist an der Entscheidung des Kreisbauamtes wohl nichts, denn die Damen und Herren dort haben „gravierende Mängel“ diagnostiziert.

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