Di., 19.01.2016

Flüchtlinge distanzieren sich von den Kölner Übergriffen „Wir schämen uns“

„So sind wir nicht“: Geschlossen stehen die männlichen Flüchtlinge in Sendenhorst hinter dem Brief an die Sendenhorster. „Niemand soll Angst haben oder verunsichert sein.“

„So sind wir nicht“: Geschlossen stehen die männlichen Flüchtlinge in Sendenhorst hinter dem Brief an die Sendenhorster. „Niemand soll Angst haben oder verunsichert sein.“ Foto: Anke Weiland

Sendenhorst/Albersloh - 

Die Berichterstattung über die Übergriffe auf Frauen durch Flüchtlinge in Köln und in anderen Städten in der Silvesternacht hat auch die männlichen Flüchtlinge, die in Sendenhorst und Albersloh untergebracht sind, nicht kalt gelassen. Es ist ihnen ein großes Anliegen, den Sendenhorstern ihren Standpunkt darzulegen und der beginnenden Verunsicherung entgegenzutreten.

Von Anke Weiland

Offen und freundlich ist der Empfang an den Flüchtlingscontainern am Teigelkamp – mit einem Händedruck und einem lächelnden „Hallo“. Doch der Anlass ist eher bedrückend. Denn die Berichterstattung über die Übergriffe auf Frauen durch Flüchtlinge in Köln und in anderen Städten in der Silvesternacht hat auch die männlichen Flüchtlinge, die in Sendenhorst und Albersloh untergebracht sind, nicht kalt gelassen.

Es ist ihnen ein großes Anliegen, den Sendenhorstern ihren Standpunkt darzulegen und der beginnenden Verunsicherung entgegenzutreten. „Wir haben über alles gesprochen“, erzählt Ahmad Amro, der vor sechs Monaten aus Syrien nach Sendenhorst kam und für die Männer übersetzt, die noch nicht so gut Deutsch können. Er spricht für alle Männer, die im vergangenen Jahr in Sendenhorst und auch in Albersloh angekommen sind. Gemeinsam haben sie in einem Brief ihre Gefühle niedergeschrieben.

„Einige von uns sind hier mit unseren Familien, einige ohne sie. Wir wollen euch sagen, dass wir uns schämen für die ekelhaften, unmenschlichen Dinge, die in Köln am Silvesterabend passiert sind“, heißt es in dem Schreiben. Auf sehr herzliche Art seien sie willkommen geheißen worden. Sie seien froh und dankbar, hier eine Zuflucht und Frieden gefunden zu haben. „Viele unserer Helfer und Unterstützer hier sind Frauen“, schreiben die Flüchtlinge. „Für uns sind Frauen wie Schwestern, Tanten, Mütter und Töchter. Es ist keine Frage für uns, sie mit großem Respekt zu behandeln. Und wir glauben, in Notfällen ist es unsere Pflicht, sie vor Angriffen zu schützen.“

Nach den Übergriffen von Köln befürchten die Flüchtlinge, dass vor allem Frauen Angst vor ihnen haben könnten. „Bitte habt keine Angst“, appelliert Ahmad Amro im Namen aller männlichen Flüchtlinge in Sendenhorst und Albersloh. „Wir sind hier, weil wir in Frieden leben wollen, nicht um jemandem zu schaden oder zu verängstigen.“

Darüber hinaus danken sie allen Menschen in Deutschland und vor allem den vielen Helfern, die sie hier unterstützt und begrüßt haben. „Die Angreifer in Köln sind Verbrecher. Wir hoffen, dass ihr uns versteht und wünschen euch alles Gute, besonders den Opfern in Köln“, heißt es in dem Brief abschließend.

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