So., 21.02.2016

Kutschenmuseum von Bernd Höne ist wieder geöffnet Sieben Jahre für eine Kutsche

In Einzelteile zerlegt, bearbeitet und wieder zusammengesetzt: So hat Bernd Höne auch den roten „Jagdwagen“ restauriert.

In Einzelteile zerlegt, bearbeitet und wieder zusammengesetzt: So hat Bernd Höne auch den roten „Jagdwagen“ restauriert. Foto: Anke Weiland

Sendenhorst - 

Nach zweieinhalb Jahren Restaurierung und Renovierung der Kutschen ist das Kutschenmuseum von Bernd Höne am Teigelkamp wieder geöffnet. Es birgt interessante Blicke in die Vergangenheit der Mobilität.

Von Anke Weiland

Schon beim Betreten seines Wohnraums wird die Leidenschaft von Bernd Höne sichtbar. Mitten im Raum steht ein Muschelschlitten, der einst von Pferden durch den Schnee gezogen wurde. Schon immer haben ihn Pferde und Kutschen fasziniert, erzählt der 75-Jährige mit einem Lächeln.

Bereits in jungen Jahren sei er oft und gerne mit der Kutsche unterwegs gewesen. Mit der Zeit habe er jedoch gemerkt, dass die Kutschen und ihre Tradition verloren gehen. So kaufte er die eine oder andere auf, bis er fast 100 Kutschen besaß. „In meinem Kutschenmuseum habe ich jetzt nur noch 20 Kutschen“, führt er aus. „Das reicht fürs Glück.“

 

Von außen sieht das Museum, das der Sendenhorster vor 15 Jahren gestaltet hat, nur aus „wie ein Schuppen“. Mit dem Öffnen der Tür und einem Blick in die „Werkstatt“ beginnt jedoch der Gang durch vergangene Zeiten. Anhand eines zerlegten Coupés wird deutlich, wie Höne jedes Teil der Kutsche bearbeitet und restauriert hat, bevor es ausgestellt werden konnte. In verschiedenen, lebendigen Szenen sind im Anschluss die unterschiedlichen Kutschen dargestellt.

So ist der Kufenschlitten in eine Winterlandschaft eingebettet, und in einem „Kirchgang“ sind die Kutschen mit viel Fantasie und Liebe zum Detail in eine Sendenhorster Umgebung eingefügt. „Die Bauern stellten ihre Kutschen immer in der Nähe der Gasthöfe ab, um nach der Kirche dann dort noch einzukehren“, erinnert sich der gelernte Friseur, der jedoch nach einem Studium den Lehrerberuf ergriffen hatte und lange Jahre an den Hauptschulen in Ahlen tätig war, noch gut an seine Jugendjahre.

 

Das älteste Stück des Liebhabers ist ein „Rennwägele“ von 1890. „Das Baujahr erkennt man an den Stummelachsen“, erklärt der Fachmann. In späteren Jahren wurden diese durch sogenannte „Fettbuchsen“ ersetzt, mit denen man viel länger fahren konnte, ohne sie nachzufetten.

Die Restauration und Pflege der Kutschen sei schon eine Lebensaufgabe für ihn, schmunzelt Höne. Auch mit dem Coupé aus Adelsbesitz, das mit seinem rohen Holz nur noch auf eine Lackierung wartet, ist er noch lange nicht fertig. Mit seinen halbrunden Glasscheiben ist der Coupéwagen ein wahres Kleinod. „Kutschen waren immer Prestigeobjekte“, erzählt der ehemalige Lehrer. „So wie es jetzt die Autos sind.“

 

Übrigens saß der Kutscher – konnte man sich denn einen leisten – auf seinem harten Kutschbock immer sehr unbequem. „Weil er während der Fahrt nicht einschlafen sollte“, weiß der Sendenhorster zu berichten. „Das war der Zeitgeist“, fügt er mit einem Augenzwinkern an. Ob „Vis à vis“ oder „Dogcart“, ob zum Transport von Waren, Menschen oder Hunden, zum Beispiel zur Jagd: Die Vergangenheit der Kutschen hat den Liebhaber immer sehr interessiert und ist an jedem Ausstellungsstück vermerkt.

Imposant erscheinen die Kutschen zum Ende der Ausstellung. Der Doktorwagen oder auch „Damenphaeton“ von 1915 wurde augenscheinlich in gehobenen Kreisen benutzt. Und auch das leichte Damenfahrzeug „Victoria“, das einen extra tiefen Einstieg hat, damit man die Knöchel der Damen beim Einsteigen nicht sieht, ist aus hohem Hause. Benutzt wurde es damals von Freiherr von Twickel aus Havixbeck, so Höne.

 

Dass dieses Hobby sein Leben ausfüllt, zeigen die Arbeitsstunden, die er in die Pflege und Aufarbeitung seiner Kutschen steckt. Allein sieben Jahre hat er für die Restauration seiner Hochzeitskutsche benötigt, gibt der Experte preis. „Es wird erst geheiratet, wenn die Kutsche fertig ist“, war ihm damals klar, denn darin sollte es auf jeden Fall zur Hochzeit gehen. So hat er schließlich, nach sieben Jahren „Verlobungszeit“, 1977 in Münster am Prinzipalmarkt seine zweite Ehefrau geheiratet.

All diese Zeugnisse der Vergangenheit können jetzt wieder im Museum von Bernd Höne besichtigt werden. Zweieinhalb Jahre hatte er sich zur Reinigung und zum Schutz seiner Stücke vor Holzwürmern genommen. „Der ist neben den Spinnen der größte Feind“, weiß Höne. „Gnadenlos frisst er die ganze Kutsche auf.“ So musste eine Kutsche tatsächlich „dran glauben“.

 

Längst ist noch nicht alles fertig, doch Höne liebt sein Hobby. „Ich bin da auch sehr eigen“, lächelt der Handwerker, der am liebsten allein an seinen Kutschen arbeitet. „Denn dann wird es auch so, wie ich es haben will.“

 

Leserkommentare

Google-Anzeigen
Anzeige

immomarkt.ms Anzeigen

Wohnungen, Häuser, Grundstücke und gewerbliche Immobilien aus Ihrer Region



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3819194?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F190%2F