Do., 12.10.2017

Baumpfleger inspiziert die Promenade Spurensuche an den Linden

Die Linden an der Promenade führten auch am Dienstagabend zu kontroversen Diskussionen. Baumpfleger Julian Große Drenkpohl nahm deren Zustand unter die Lupe.

Die Linden an der Promenade führten auch am Dienstagabend zu kontroversen Diskussionen. Baumpfleger Julian Große Drenkpohl nahm deren Zustand unter die Lupe. Foto: Josef Thesing

Sendenhorst - 

Sind die Linden an der Promenade krank? Und wenn ja, können sie gesund gepflegt werden? „Ja“, meinte Baumpfleger Julian Große Drenkpohl bei einer „Visite“, zu der die SPD eingeladen hatte und an der auch eine ganze Reihe von Anliegern teilnahmen – trotz heftigen Regens.

Von Josef Thesing

Julian Große Drenkpohl schlägt mit seinem Hammer von allen Seiten gegen einen Baum. Es klingt ein bisschen hohl, doch das kann auch täuschen. „Ein hohler Baum ist erstmal nix Schlimmes“, sagt der Baumpfleger aus Ahlen. Und ob ein Baum tatsächlich zu hohl ist, lasse sich nur mit einer Spezialbohrung ermitteln.

Ein verklärter Blick auf die Linden an der Promenade ist an diesem Dienstagabend nicht möglich: Es regnet teils heftig, weshalb die Gruppe, die sich auf Einladung der SPD zur Baumbegutachtung zusammengefunden hat, mit Schirmen unterwegs ist. Mit einer Ausnahme: Julian Große Drenkpohl, der bei seiner Arbeit auch als Baumkletterer unterwegs ist, ist ohne Zweifel wetterfest.

Die Zukunft der Linden an der Promenade beschäftigt viele in Sendenhorst, seitdem in der Diskussion über das Projekt „Neue Wege in die Stadt“ von einem durch die Verwaltung beauftragten Gutachter der Vorschlag gemacht worden war, alle Linden zu fällen und durch neue, kleinere Bäume zu ersetzen. Und weil das so ist, hatte die Stadtverwaltung erst einmal Dampf aus dem Kessel gelassen und einen Gutachter beauftragt, der die Bäume aber erst nach dem Laubfall im Spätherbst unter die Lupe nehmen wird.

Julian Große Drenkpohl bei der „Arbeit“.

Julian Große Drenkpohl bei der „Arbeit“. Foto: Josef Thesing

Julian Große Drenkpohl gibt sich an diesem Abend deshalb auch bewusst zurückhaltend. „Ich werde dem Baumgutachter der Stadt ganz sicher nicht sagen, wie er seinen Job zu machen hat“, erklärt der Ahlener. Doch seine Erfahrung sage ihm, dass „das hier mit guter Pflege in den Griff zu kriegen ist“. Mit einigen Ausnahmen. Dazu gehört der Baum, von dem nur noch der Stamm steht. „Der ist fertig, und ich hätte ihn deshalb komplett gefällt.“

Die Meinung der Gruppe – zumeist Anlieger der Promenade – , die den Baumpfleger begleitet, ist eindeutig zweigeteilt. Die Bäume sind, auf der einen Seite, zu groß, nehmen den Gärten Licht und verursachen dort für die Anwohner (zu) viel Arbeit, etwa beim Beseitigen abgefallener Äste sowie von Laub und Blütenpollen. Zudem hätten sich die Wurzeln inzwischen in den Gärten ausgebreitet. Das ist die eine Seite.

An der Promenade wurde viel diskutiert.

An der Promenade wurde viel diskutiert. Foto: Josef Thesing

Die andere: „Ich wohne da vorne und will, dass die Bäume bleiben“, sagt eine Frau.

Ein bisschen geht es auch ums Grundsätzliche. Etwa um die Frage, wer eher da war: die Promenade mit den Linden oder die Häuser mit den Gärten. „Die Promenade ist von der Politik immer vernachlässigt worden“, meint Bernhard Daldrup, selbst Anlieger und für die SPD früher selbst viele Jahre in der Kommunalpolitik aktiv. „Jeder, der später hier gebaut hat, wusste, dass es die Promenade gibt“, führt der heutige Bundestagsabgeordnete an.

Eine Vernachlässigung sieht auch Große Drenkpohl, allerdings in einem anderen Zusammenhang. Die Pflege der Bäume sei vernachlässigt und zum Teil sogar über längere Zeit ausgesetzt worden. Das sei heute das Problem der Linden. Müssen sie deshalb alle weg? „Nein“, sagt Julian Große Drenkpohl – mit Ausnahmen, wenn Standfestigkeit oder Astbruch zu Problemen bei der Verkehrssicherungspflicht führten. „Wir müssen jetzt in der Pflege das tun, was über viele Jahre falsch oder gar nicht gemacht wurde“, sagt der Baumpfleger. Ein „Kappen“ der Bäume oben, wie bei dem einen oder andern Exemplar schon mal vollzogen, kommt dabei für ihn nicht in Frage. „Das Kappen macht Bäume immer schlechter“, erklärt er. Die Lebensdauer werde drastisch verkürzt. Bei Krankheiten setzt er auf die „Selbstheiligungskraft“ der Bäume.

Und wie alt werden solche Linden?, fragt jemand. Die Antwort lässt verschiedene Deutungen zu. „Einer der ältesten Bäume in Deutschland ist eine Linde. Sie ist schon mehr als 1000 Jahre alt“, erzählt Große Drenkpohl.

Ob das auch für die Linden an der Promenade gilt, muss einstweilen offen bleiben. Aber mit fachgerechter und regelmäßiger Pflege sowie mit einer Kontrolle in festgelegten und dokumentierten Intervallen könnten die Linden – mit wenigen Ausnahmen – noch lange erhalten werden, ist sich Julian Große Drenkpohl sicher. Das zumindest sei sein „optischer Eindruck“, den er hier und dort mit Stochern im Wurzelbereich präzisiert. Und bei all den Diskussionen, die es ähnlich auch in anderen Orten gebe, werde „der ökologische Wert der Bäume oft vergessen“.

Natürlich kommt auch die Frage auf, ob es nicht zu viele Bäume sind, die an der Promenade wachsen. „Es ist ein Bestand“, erklärt Große Drenkpohl. Will meinen: Die Bäume hätten sich gewissermaßen aneinander gewöhnt und ihr Wachstum aufeinander abgestimmt. Nehme man wahllos der einen oder anderen heraus, bekämen die übrigen Probleme.

Bäume im Wald und im „urbanen Raum“ haben unterschiedliche Voraussetzungen und Funktionen. Grundsätzlich müssten Bäume gar nicht geschnitten werden, erklärt Große Drenkpohl. „Die regeln das selbst.“ In der Stadt allerdings müsse Hand angelegt werden, um mögliche Gefahren zu vermeiden. Dabei gebe es aber heute die Erkenntnis, dass ab einer Astdicke von acht bis neun Zentimetern „nicht mehr geschnitten wird.“

Eine Garantie, dass die Bäume dauerhaft erhalten werden können, will und kann auch Baumpfleger Julian Große Drenkpohl nicht geben. Doch der Fachmann ist davon überzeugt, dass es bei einer kontinuierlichen Pflege der Bäume in den kommenden 15 Jahren prachtvolle Linden geben werde – mit Ausnahmen.

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