Wasserpreis ist gestiegen – aber nicht wegen der Landwirtschaft
Nitrat ist es nicht

Sendenhorst/Albersloh -

Das Wasser ist zum Jahresbeginn teurer geworden. Das hat mit erheblichen Investitionen zu tun, die der Versorger in den Wasserwerken tätigt, aus dem die Stadt das Frischwasser bezieht. Ein erhöhtes Nitrataufkommen durch die Landwirtschaft gibt es in Sendenhorst aber nicht, bestätigen die Beteiligten.

Freitag, 12.01.2018, 14:01 Uhr

Das Trinkwasser ist teurer geworden. Aber das hängt nicht mit Nitrat aus landwirtschaftlicher Produktion zusammen.
Das Trinkwasser ist teurer geworden. Aber das hängt nicht mit Nitrat aus landwirtschaftlicher Produktion zusammen. Foto: dpa

Das Trinkwasser ist für die Verbraucher in Sendenhorst und Albersloh – und in vielen anderen Gemeinden – zum neuen Jahr teurer geworden. Und das liege unter anderem daran, wurde auf verschiedenen Ebenen kolportiert, dass die Aufbereitung des Wassers durch gestiegene landwirtschaftliche Nitratbelastung aufwendiger geworden sei.

Das ärgert Landwirte wie Jürgen Horstmann gewaltig, weil er und seine Berufskollegen sich diesbezüglich immer wieder in Erklärungsnot sehen. „Die Nitratbelastung spielt für die Verteuerung des Frischwassers keine Rolle“, sagt Horstmann. Er wolle „nicht draufhauen“, erklärt der Landwirt aus der Bauerschaft Sandfort. Sondern er sei „dankbar für eine sachlich-fachliche Diskussion“. Wie schwierig die zum Teil sei, habe er jüngst erneut festgestellt, als er einer Besuchergruppe seinen Hof gezeigt habe. Schnell sei das Thema „Nitratbelastung des Grundwassers“ inklusive der Wasserpreiserhöhung auf den Tisch gekommen. „Wenn es ums Geld geht, ist es schwer, Fakten zu diskutieren“, sagt Horstmann.

Dabei darf sich der Landwirt inzwischen gewissermaßen als Experte auf dem Gebiet bezeichnen. Er kennt den „Wasserbericht“ des Kreises Warendorf, auch weil sein Brunnen unter dem Pflaster auf dem Hof einer der 6000 Messstellen im Kreis ist. Er hat mit der Stadt gesprochen, mit dem Lieferanten Gelsenwasser AG und mit dem Ruhrverband. Ihn interessiert die Angelegenheit beruflich und persönlich. „Das ist ein sehr komplexes und sensibles Thema“, meint er. Niemand habe in den Gesprächen die Erhöhung des Wasserpreises mit einer gestiegenen Nitratbelastung in Zusammenhang gebracht. „Ich stelle mich jetzt nicht hierhin und sage, dass alles super ist. Aber Nitrat ist es nicht.“

„Stimmt“, sagt Klaus Neuhaus, Leiter der städtischen Eigenbetriebe Wasserwerk und Abwasserwerk. Dass die Nitratbelastung und der gestiegene Wasserpreis in Sendenhorst in einem Zusammenhang stehen „trifft so nicht zu“. Die Stadt bezieht das Wasser ohne Umwege aus dem Wasserwerk Echthausen. Lieferant Gelsenwasser gibt den Nitratwert mit kontinuierlich 10,8 Milligramm pro Liter an. Der Grenzwert liegt – ebenfalls seit längerem – bei 50 Milligramm pro Liter.

Dass der Wasserpreis trotzdem gestiegen ist, habe mit immensen Investitionen in anderen Bereichen zu tun.

Diese sind, hat Jürgen Horstmann erfahren, unter anderem dem zurückliegenden PFT-Skandal geschuldet. PFT steht für „Perfluorierte Tenside“, unter anderem „Abfälle“ aus der Industrieproduktion.

Die Gelsenwasser AG bestätigt das. „Zur Erhöhung der Sicherheit wurde an der Ruhr ein gigantisches Investitionsprogramm gestartet. Alle unsere Wasserwerke werden, soweit noch nicht vorhanden, bis Ende dieses Jahrzehnts mit den zusätzlichen Verfahrensstufen Ozonung, Adsorption und UV-Desinfektion ausgerüstet“, schreibt der Versorger auf seiner Homepage. Zudem machten verschärfte Verordnungen, unter anderem auf EU-Ebene, immer wieder neue Investitionen notwendig.

Auch im Sendenhorster Abwasserwerk sei keine erhöhte Belastung durch Nitrat festgestellt worden, sagt Betriebsleiter Klaus Neuhaus. Zudem arbeite die Anlage „sehr effizient“, so dass eine Belastung des Baches, in den das gereinigte Wasser abgelassen wird, nicht messbar sei. „Beim landesweiten Ranking sind wir mit unserer Anlage immer sehr weit vorne“, freut sich Neuhaus.

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