Ein Blick in die „Gemütswelt“ in der Altenpflege
365 Tage im Jahr Tag der Pflege

Sendenhorst -

Die Arbeit mit den Bewohnern des St.-Elisabeth-Stiftes ist Altenpflegerin Katrin Schmetkamp ans Herz gewachsen. Daher erklärte sie sich gerne bereit, anlässlich des heutigen „Tages der Pflege“ gemeinsam mit Hausleiterin Elisabeth Uhländer-Masiak und Pflegedirektor Detlef Roggenkemper im WN-Gespräch über einige Aspekte des Berufes nachzudenken.

Samstag, 12.05.2018, 06:05 Uhr

Im Laufe der Jahre knüpfen Pflegende und Bewohner enge Bande: Anneliese Guski (r.) und Katrin Schmetkamp verstehen sich jedenfalls sehr gut.
Im Laufe der Jahre knüpfen Pflegende und Bewohner enge Bande: Anneliese Guski (r.) und Katrin Schmetkamp verstehen sich jedenfalls sehr gut. Foto: Annette Metz

„Unsere Katie ist toll“, sagt Anneliese Guski, nachdem sie sich in Begleitung von Katrin Schmetkamp auf ihrem sonnigen Lieblingsplatz am Eingang zum St.-Elisabeth-Stift niedergelassen hat. Und Anneliese Guski weiß, wovon sie spricht. Schließlich lebt sie schon seit elf Jahren im Stift. Ein schöneres Lob hätte sie der „Katie“, die eigentlich Katrin Schmetkamp heißt, kaum ausstellen können. Es ist das Zeugnis, auf das es der jungen Frau ankommt, die seit zwölf Jahren als Altenpflegerin im Elisabeth-Stift arbeitet. Die Arbeit mit den Bewohnern ist ihr ans Herz gewachsen. Daher erklärt sie sich gerne bereit, anlässlich des heutigen „Tages der Pflege“ gemeinsam mit Hausleiterin Elisabeth Uhländer-Masiak und Pflegedirektor Detlef Roggenkemper im WN-Gespräch über einige Aspekte des Berufes nachzudenken.

Der „Tag der Pflege“ sei sicher eine gute Aktion, um einmal die Pflege in den Fokus zu nehmen, erklärt Detlef Roggenkemper. Doch das reicht nach Meinung des Fachmanns nicht aus. Es gebe vieles zu bedenken. Vor allem vor dem Hintergrund der derzeitigen Überlegungen, die es in der Politik zur Stärkung der Pflege gebe. „Ganz ehrlich: Wenn ich höre, dass da x-tausend Stellen versprochen werden, für die es noch keine Finanzierung gibt, und es wieder den Reflex gibt, Menschen aus falschen Gründen in die Pflege zu schicken, dann löst das bei mir schon ein Lachen der Verzweiflung aus“, beschreibt er seine Gemütslage. Für die Pflege brauche man Menschen mit Talent, die gut qualifiziert sind.

Mit Talent, so erklärt Roggenkemper, meint er den Spaß und das Gefühl, das benötigt wird, wenn man mit Menschen umgeht. Und hoch qualifiziert müssen die Pflegenden in der Seniorenbetreuung auch sein, denn sie müssen oft schnelle Entscheidungen treffen, ohne direkt einen Arzt im Hintergrund zu haben, führt Elisabeth Uhländer-Masiak aus. „Altenpflege ist mehr, als Hilfe beim Toilettengang zu geben. Wir haben Mitarbeiter, die am Geruch erkennen können, ob es sich um einen Noro-Virus oder um Clostridien handelt. Es muss die Tagesbefindlichkeit erkannt werden, um zu beurteilen, was der Bewohner aktuell an Hilfe braucht“, erklärt sie weiter. Pflegekompetenz könne mehr, als sie leider darf, bedauert die Hausleiterin. Noch immer sei die Arbeit stark dokumentationslastig, und oft seien den Pflegenden durch die Vorschriften die Hände gebunden. „Nehmen Sie als Beispiel den Umgang mit Bedarfsmedikation. Sollte ein Bewohner beispielsweise sein Schmerzmedikament lange nicht benötigt haben, dann handeln Sie sich schnell ein ,bedenklich‘ bei der Prüfung durch den Medizinischen Dienst ein, nur weil es vorrätig ist“, beschreibt sie. „Eigentlich müssten die Kompetenzen zwischen den Heilberufen neu definiert werden“, führt Uhländer-Masiak weiter aus.

Dabei kommt Elisabeth Uhländer-Masiak auch auf die Rahmenbedingungen zu sprechen, die sich momentan durch den Ansatz der gemeinsamen Ausbildung von Kranken- und Altenpflegern verändern. Das sei ja ein schönes Fernziel, ist sie sich mit Detlef Roggenkemper einig. Doch im Augenblick befürchten beide, dass dadurch viele, die vielleicht in die Altenpflege wollten, in die Krankenpflege abwandern, weil die Arbeitsbedingungen in der Krankenpflege als besser empfunden werden.

Im Pflegenetzwerk des Stiftes mit seinen vier Häusern (St.-Elisabeth-Stift Sendenhorst, St.-Josefs-Haus Albersloh, St.-Magnus-Haus Everswinkel und St.-Josef-Haus Ennigerloh) werden derzeit 30 Altenpfleger ausgebildet. „Wir haben eine hohe Ausbildungsquote“, merkt Detlef Roggenkemper an. Doch letztlich sei es sehr schwer, freie Stellen in der Altenpflege qualifiziert zu besetzen.

Und schließlich ist da noch das Bild der Altenpflege in der öffentlichen Wahrnehmung. Es gebe schlimme und abwertende Bemerkungen, wenn über die Altenpflege gesprochen werde. Das bestätigt auch Katrin Schmetkamp. „Ich bin doch selbst traurig und sauer, wenn ich im Fernsehen wieder einen mit versteckter Kamera gedrehten Film sehen muss, in dem schlimme Zustände angeprangert werden. Da sitze ich selbst weinend davor.“ Das Ende sei aber, dass man dann bei einem Gang in die Stadt das Namensschild der Altenpflegerin lieber nicht trage. Und das dürfe doch nicht sein, meint sie. In eine Schublade gesteckt zu werden, mache dann sehr traurig. Wenn man sich mit der Aufgabe überfordert fühle, sei das keine Entschuldigung. „Dann muss man schlau sein und sich auf sein Team verlassen, das immer wieder weiterhelfe“, führt sie aus. Und sowohl Elisabeth Uhländer-Masiak als auch Detlef Roggenkemper unterstreichen: „Pflegende haben das Recht, stolz auf das zu sein, was sie tun.“ Und so richte der „Tag der Pflege“ einen Scheinwerfer auf einen tollen, vielseitigen Beruf, meint Elisabeth Uhländer-Masiak. Er sei sicher auch ein Ausdruck von Wertschätzung. Doch letztlich nur ein kleiner, denn: „Wir haben hier 365 Tage im Jahr Tag der Pflege.“

Das Lob, das Anneliese Guski ihrer Katie schenkt, als diese sie an ihren Lieblingsplatz begleitet hat, dürfte da aber wohl die schönste Belohnung für die junge Frau sein und ihr mehr geben, als es ein Gedenktag je könnte. Das ist dem Lächeln in ihrem Gesicht deutlich abzulesen.

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