Martin Happe sieht Aufnahmelager für Flüchtlinge in Nordafrika kritisch
Bischof vermisst echte Partnerschaft

Sendenhorst -

Martin Happe, gebürtiger Sendenhorster und Bischof in Mauretanien, äußert sich kritisch zu Überlegungen der EU, Aufnahmelager für Flüchtlinge in Nordafrika einzurichten. „Es würde mich wundern, wenn ein nordafrikanisches Land bereit wäre, solche Aufnahmelager bei sich zu dulden“, sagt Happe.

Freitag, 06.07.2018, 06:00 Uhr

Martin Happe ist Bischof in Mauretanien. Der gebürtige Sendenhorster setzt sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen in Nordafrika ein.
Martin Happe ist Bischof in Mauretanien. Der gebürtige Sendenhorster setzt sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen in Nordafrika ein. Foto: Wolfram Opperbeck

In der Flüchtlingsdebatte hat sich nun auch Martin Happe zu Wort gemeldet. Der katholische Bischof von Mauretanien und gebürtige Sendenhorster vermisst auch nach dem jüngsten EU-Gipfel „eine echte Einwanderungspolitik für zeitlich begrenzte und dauerhafte Aufenthalte von Nicht-Europäern“, heißt es im Bericht des Bistums Münster. Dem Internetportal www.kirche-und-leben.de sagte Happe: „Solange ich nur als Asylbewerber oder Fußball-Star in Deutschland eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen kann, wenn ich Afrikaner bin, stimmt etwas nicht.“

Die meisten Menschen, die nach Europa aufbrechen würden, um Geld für sich und ihre Familien zu verdienen, hätten keineswegs die Absicht, sich in Europa zu etablieren. „Sie sind mit ihrer Heimat und ihren Familien eng verbunden.“

Kritisch äußerte sich der Bischof auch zu Überlegungen der EU, Aufnahmelager für Flüchtlinge in Nordafrika einzurichten. „Es würde mich wundern, wenn ein nordafrikanisches Land bereit wäre, solche Aufnahmelager bei sich zu dulden“, so Happe. „Sieht so echte Partnerschaft aus?“, fragte der Bischof. Abschottungsversuche hätten noch nie geklappt – weder die „Große Mauer“ in China noch der Limes, der Barbaren davon abhalten sollte, ins Römische Reich einzudringen.

Zur Äußerung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, sie wolle mit Afrika eine echte Partnerschaft, erklärte Happe: „Es bleibt zu hoffen, dass es sich hier nicht um einen frommen Wunsch handelt.“ Es sei schwierig, echte Partnerschaft zu üben, wenn einer der Partner wirtschaftlich abhängig sei.

Martin Happe wurde 1995 in Münster zum Bischof von Nouakchott in Mauretanien geweiht und gehört dem Orden der „Weißen Väter“ an. Er lebt seit 1973 in Afrika, davon 22 Jahre in Mali und 23 Jahre in Mauretanien.

Der Bischof setzt sich nach eigenen Worten seit Jahrzehnten mit der Caritas dafür ein, dass Bauern und Viehzüchter in ihrer gewohnten Umgebung ein menschenwürdiges Leben führen können. In Mauretanien gebe es auch eine Ausbildungsstätte für Migranten.

Dort lernen sie nach Angaben Happes Sprachen und könnten eine berufliche Qualifizierung erwerben. Außerdem bekämen sie Rechtsberatung und Informationen zur prekären Lage von Migranten in Europa. Etliche wollten mit der dort erlangten Qualifizierung in ihre Heimat zurückkehren. „Andere wollen trotzdem das Risiko einer abenteuerlichen und gefährlichen Weiterreise nach Europa auf sich nehmen“, erklärte Happe. „Wir können sie nicht davon abhalten.“

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