Sendenhorst

Mo., 17.01.2011

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Eine musikalische Liaison

Im Haus Siekmann fühlt sich das Salonorchester Münster sichtlich wohl. Am Sonntag fanden gleich zwei Konzerte vor ausverkauftem Haus statt.<beschreibung>Fotos: </beschreibung> (Axel Engels)
Von Axel Engels

Sendenhorst - Über mangelnde Engagements braucht sich das Salonorchester Münster nicht zu beklagen. Das Ensemble gilt als eines der besten Orchester dieses Genres. Und doch haben die Musiker Sendenhorst wohl besonders ins Herz geschlossen. Seit über zehn Jahren spielen sie auf der Tenne des Hauses Siekmann ihre wunderbaren Weisen zum Neujahrskonzert. Für ihr treues Publikum machten sie am Sonntag Raum und Zeit vergessen, wirkten die Melodien wie Balsam für die Seele. Sie verwöhnten die zahlreichen Musikliebhaber gleich mit zwei ausverkauften Konzerten, bei ihrem kunstvollen Spiel verwandelte sich das Haus Siekmann quasi zu einem Wiener Caféhaus aus alten Zeiten der k.&.k.-Monarchie.

Freya Deiting entlockte ihrer Violine einen unheimlich warmen Klang, der sofort zu Herzen ging. Als Stehgeigerin verband sie temperamentvolles Spiel mit sensibler Musizierkunst, ihr Charme und ihre sympathische Ausstrahlung ließen sofort bei der Ouvertüre aus „Orpheus in der Unterwelt“ von Jacques Offenbach den Funken überspringen. Da riss der „Galop infernal“ als Höllen-Cancan bei solch spritzigem Spiel mit, eine bessere Einstimmung hätte man sich nicht denken können. Dass der „Ungarische Tanz Nr. 5“ von Johannes Brahms eigentlich für Klavier komponiert war, konnte man beim lebendigen Spiel von Freya Deiting gerne vergessen. Sie flirtete im wahrsten Wortsinn mit dem Publikum, präsentierte dieses anspruchsvolle Werk mit hochvirtuoser Spielweise.

Aber auch die anderen Mitglieder des Salonorchesters spielten ihre Qualitäten voll aus. Mit dem Pianisten Oliver Haug unternahm man erst einmal eine Reise ins Berlin, da durfte die Geschichte des „Sportpalastwalzers“ natürlich nicht fehlen. Dieser Walzer von Siegfried Translateur ist untrennbar mit den Berliner Sechstagerennen verbunden gewesen, wurde sogar trotz Verbot während der NS-Zeit dort gespielt. Die weltbekannten von Reinhold „Krücke“ Habisch eingefügten Pfiffe waren für den Querflötisten Gereon Kleinhubbert eine Herausforderung, die er mit Bravour bestand.

Aus dieser Zeit stammten auch die als Potpourri zusammengestellten Lieder von Gerhard Winkler. Sein sehnsuchtsvolles Lied von den Capri-Fischern wurde damals zum Gassenhauer, zum meistgespielten Lied der ersten Nachkriegsjahre. Das Salonorchester gab diesen „Stimmen der Sehnsucht“ ein lebendiges und ganz gefühlvolles Gewand.

Temperamentvoll und rasant geprägt ging es nach der Pause weiter mit einem „Original Charleston“. Auch Max Raabe schaute an diesem Sonntag vorbei und beklagte sich beim „Kein Schwein ruft mich an“ mit herzzerreißendem Schmerz.

Über den großen Teich ging es stilsicher mit „America“ aus der „West Side Story“ von Leonard Bernstein, bevor man sich mit dem „Kaiser-Walzer“ von Johann Strauss und dem „Radetzki-Marsch“ seines Vaters den altehrwürdigen Wiener Weisen näherte. Da wurde selbst die für diese Walzer typische leichte Verzögerung im Dreiviertel-Takt mit Esprit und Leidenschaft umgesetzt. Solch ein Konzert ist wohl eine der schönsten Traditionen, mit denen man in das neue Jahr gehen kann, war sich das Publikum sicher als der letzte Ton verklungen war. Das Salonorchester kommt bestimmt auch gerne wieder. Denn in keinem anderen Ort werden die Musiker so familiär aufgenommen - vom begeisterten Publikum ebenso wie von den umsichtigen Helfern des Hauses Siekmann.


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