Zauberhafte Hommage an Liszt
Mo., 31.10.2011
Zauberhafte Hommage an Liszt
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Sendenhorst - Mit dem vierten und letzten Konzert endete am Sonntag der elfte Sendenhorster Orgelherbst. Der Sendenhorster Kantor Winfried Lichtscheidel hatte gemeinsam mit seiner Ehefrau Agata ein ausschließlich aus Werken von Franz Liszt bestehendes Programm zusammengestellt. Abwechselnd musizierten die beiden auf der Woehl-Orgel in St. Martin und brachten dem Publikum in dem abermals gut besuchten Konzert die zauberhafte Romantik der Liszt´schen Musik nahe. Das Konzert wurde erneut publikumswirksam auf die Video-Leinwand übertragen, und so konnte man den beiden jungen Musikern beim Orgelspiel aus dem Kirchraum zuschauen.
Anlass für diese sehr spezielle Programmgestaltung war der 200. Geburtstag des berühmten Romantikers, der am 22. Oktober 1811 im damals zu Ungarn gehörenden Burgenland das Licht der Welt erblickte. Zwar sind Liszts Originalkompositionen für Orgel gar nicht einmal sehr zahlreich, es gibt aber ein Reihe von Transkriptionen, also Umarbeitungen für die Orgel von Kompositionen etwa für Klavier oder Orchester.
Zur Eröffnung spielte Winfried Lichtscheidel das kurze, hymnische „Excelsior“, das durch seinen heroischen Charakter wie eine Intrada zum Gesamtprogramm wirken konnte. Das anschließend folgende Orgelstück „Evocation à la Chapelle Sixtine“ ist ein vierteiliges Werk, in dem das berühmte „Miserere“ von Gregorio Allegri, das in der Sixtinischen Kapelle nur während der Karwoche musiziert wurde, sowie das „Ave verum“ von Mozart verarbeitet wurden. Die einzelnen Teile des Stückes wurden gut voneinander abgegrenzt, die im „Miserere“ dargestellten Nöte und Klagen der Menschen durch Verwendung der „Vox humaine“ schön herausgearbeitet. Die populäre Thematik des „Ave verum“ registrierte Lichtscheidel in extrem zarten Farben.
Agata Lichtscheidel beeindruckte danach durch ihre sehr zurückhaltend und ruhig gestaltete Interpretation des „Orpheus“, einer der zahlreichen symphonischen Dichtungen Liszts, die eigentlich für großes Orchester geschrieben sind. Dabei kommt es darauf an, die Orgel als symphonisches Instrument zu verstehen und dem orchestralen Klang mit all seinen Nuancen gerecht zu werden, was der Interpretin tadellos gelang, indem sie auf sehr weiche Stimmungen und Schwebungen zurückgriff, die das tiefgründige Werk zauberhaft erklingen ließen.
Das ursprünglich für Klavier komponierte „Funérailles“ (Totenfeier) wurde in einer Orgelbearbeitung wiederum von Winfried Lichtscheidel vorgetragen. Das umfangreiche Stück beginnt in Manier eines Trauermarsches und behält seinen langsam schreitenden Duktus fast über die gesamte Dauer bei. Die markante Rhythmik wird zum Ende hin von mitreißenden hoch virtuosen Figurationen und Läufen durchsetzt, was den Organisten vor extreme spieltechnische Probleme stellt, vor allem auch durch den rasanten Pedaleinsatz. Winfried Lichtscheidel meisterte diese Herausforderungen souverän mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit, so jedenfalls vermittelte es das Videobild.
Den Schlusspunkt des Abends bildete Liszts wohl bekanntestes Orgelwerk „Praeludium und Fuge über B-A-C-H“, glanzvoll vorgetragen von Agata Lichtscheidel. Das Werk wirkt eher wie eine Fantasie oder Improvisation und besticht durch seine kompositorisch sehr offene Anlage, die dem Interpreten die Chance aber auch gleichzeitig den Auftrag zu einem künstlerisch freien Umgang mit dem Werk gibt. Diese Chance wurde von Agata Lichtscheidel in herausragender Weise wahrgenommen und sie gestaltete das Werk durch starken Rubato-Einsatz gerade auch im Fugenteil zu einem Hörgenuss für das Publikum, das mit kaum enden wollendem Applaus einer Meisterleistung Rechnung trug.
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