Di., 12.01.2016

Ärger um Silvesternacht Kein Feuerwerk der Freundlichkeit

Ärger um Silvesternacht : Kein Feuerwerk der Freundlichkeit

Am Telgter Ei zeugten am Morgen nach Silvester kiloweise Unrat von einer oder mehreren großen Feiern. Auch etliche zerbrochene Flaschen und kaputte Sektgläser waren im Müll auf der Fahrbahn und dem Radweg zu finden. Foto: Andreas Große Hüttmann

Telgte - 

Dass am Kreisverkehr am Orkotten in der Silvesternacht einiges los war, das ließ sich noch Tage später an den Hinterlassenschaften auf der Straße erkennen. Doch das ausgelassene Feiern der Menschen dort war es nicht, was Heiner Harenbrock auch noch Tage danach ärgert. Er bemängelt vielmehr zwei Dinge, die nicht zu erkennen gewesen seien. Der Respekt untereinander, und die seiner Meinung nach notwendige Polizeipräsenz.

Von Björn Meyer

Harenbrock beschreibt die Situation so: Kurz vor 0 Uhr hatten sich in der Silvesternacht am Kreisel „200 bis 300, eher aber 300, überwiegend junge Leute eingefunden“. Die seien in einer Mehrzahl unverkennbar alkoholisiert gewesen und hätten sich schließlich mit Böllern und Raketen beworfen und beschossen. Dass sein Grundstück bei solchen spontanen Veranstaltungen zum „öffentlich Pissoir“ verkomme, ärgert Harenbrock zudem. Silvester und auch nach Public Viewing zu WM- oder EM-Zeiten sei das fast schon normal.

Üble Beschimpfungen

„So schlimm, wie in diesem Jahr, war es aber noch nie“, sagt Harenbrock und kommt auf eine junge Frau zu sprechen, über die er sich ganz besonders geärgert hat. Die habe, nachdem sie erst ein paar Raketen aus ihrer Hand abgeschossen habe, ihm einen Kracher zwischen die Füße geworfen. Auf seine Ansage, dies umgehend einzustellen und sein Grundstück zu verlassen, habe sie geantwortet: „Fick dich doch. Ich spucke auf dein Grundstück.“

IMG_1396

Kritischer Blick am Kreisel: Heiner Harenbrock ärgert sich. Foto: Björn Meyer

„Diese Respektlosigkeit, die ärgert mich“, sagt Harenbrock und macht unter anderem auch die harten Spirituosen für eine Grundaggressivität und eine veränderte Persönlichkeit verantwortlich: „Viele, die da waren, sind am nächsten Montag sicher wieder ganz vernünftige Arbeitnehmer oder Schüler“, sagt Harenbrock.

Kritik an der Polizei

Indes stellt der 67-Jährige klar, dass dies keine Generalkritik an der Jugend sei. „Ein paar andere Jugendliche, die ich gebeten hatte, ihren Müll von meinem Grundstück später wegzuräumen, haben alles weggemacht und mir dann auch noch Bescheid gegeben.“

Doch nicht nur das Verhalten der Feierenden ohne gewisse Hemmschwellen regt Harenbrock auf. Auch das Fehlen der Polizei moniert er. Umso mehr, weil er sich ärgerte, dass die Polizei, wie am 2. Januar in den WN zu lesen, von einer ruhigen Nacht für Telgte gesprochen hatte. „Die waren ja gar nicht da. Wenn sie präsent gewesen wären, würden viele Dinge doch gar nicht passieren“, sagt Harenbrock. Denn dann, so der Kfz-Sachverständige, wisse jeder dass er aufpassen müsse und nicht tun könne, was er wolle.

Die Polizei sieht das freilich anders. Insgesamt lägen für die Silvesternacht in Telgte nur zwei Anzeigen vor. Eine wegen Betäubungsmittelmissbrauchs im Straßenverkehr und eine wegen einer Sachbeschädigung. Das sei absolut im Rahmen, so Polizeisprecherin Susanne Dirkorte-Kukuk. Sie fordert die Menschen daher auf, anzurufen. „Wenn niemand der Polizei Bescheid sagt, können wir auch bei Lageberatungen für das kommende Jahr zu keiner anderen Bewertung kommen“, so die Beamtin.

Bilanz der Polizei: Ruhiger Jahreswechsel in Telgte und Westbevern

Ruhig verlief die Silvesternacht nach Angaben von Polizei und Feuerwehr in Telgte und Westbevern. Die Polizei-Leitstelle in Warendorf verzeichnete in dieser Zeit sogar keinen einzigen Einsatz für die Emsstadt. Die Feuerwehr allerdings musste einmal ausrücken.

Wenige Minuten nach dem Jahreswechsel hatte die Brandmeldeanlage des Kornbrennereimuseums aus bislang ungeklärter Ursache ausgelöst. Die Ehrenamtlichen konnten aber schnell wieder einrücken.


KOMMENTAR

Nach Böllerei: Reste wieder beseitigen

Keine Frage: Es ist  das gute Recht eines  jeden Einzelnen, das neue Jahr mit Böllern und Raketen zu begrüßen. Das ist ein alter Brauch. Aber wenn – wie rund um das Telgter Ei, auf dem Markt und an anderen Orten im Stadtgebiet – am nächsten Morgen zahllose Reste der Silvesternacht liegen bleiben, bei Wind in die Vorgärten der Anwohner flattern und sich keiner mehr verantwortlich für den Müll fühlt, dann geht das gar nicht.

Wer Böller kaufen und zum Ort einer Feier tragen kann, der kann auch die Reste beseitigen. Ein Besen reicht in den meisten Fällen aus, um den Unrat zusammenzukehren. Ab in die Mülltonne damit, und der Fall ist erledigt. In den geschilderten Fällen bleibt die Arbeit jetzt bei den Anliegern oder der Stadt. Das ist ein Unding!

von Andreas Große Hüttmann

Leserkommentare

Google-Anzeigen

kfzmarkt.ms Anzeigen

Autos, Motorräder, Wohnmobile und Nutzfahrzeuge aus Ihrer Region

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3732200?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F191%2F