Fr., 02.12.2016

Integrationsforum im Bürgerhaus Kleiner Beitrag, großer Einsatz

Bürgermeister Wolfgang Pieper begrüßte die zahlreichen Gäste, nahm im Verlauf der Veranstaltung aber eher eine Nebenrolle ein.

Bürgermeister Wolfgang Pieper begrüßte die zahlreichen Gäste, nahm im Verlauf der Veranstaltung aber eher eine Nebenrolle ein. Foto: Meyer

Telgte - 

Die Veranstaltung im Bürgerhaus brachte viele Beteiligte in der Frage um die Integration von Flüchtlingen in Telgte an einen Tisch.

Von Björn Meyer

Aller Anfang wäre auch in Telgte schwer – wenn es sich denn überhaupt um einen Anfang gehandelt hätte. Zwar fand am Mittwochabend eine Auftaktveranstaltung zum Thema „Integration der Flüchtlinge in Telgte“ statt, dass diese aber längst begonnen hat, wurde dabei ebenso deutlich, wie: „dass wir noch ein Quäntchen professioneller werden wollen“, wie Bürgermeister Wolfgang Pieper in seiner Begrüßungsrede herausstellte.

Auf der Bühne waren neben Pieper auch Thomas Riddermann und Tanja Schnur von der Verwaltung, Arnold Michels für Zib und zudem Vertreter von Arbeitsagentur und Jobcenter sowie zwei Flüchtlinge, die in Telgte leben. Im Publikum hatten Vertreter zahlreicher Vereine und Einrichtungen, aus Politik und Wirtschaft sowie zahlreiche freiwillige Helfer und welche, die es vielleicht mal werden, Platz genommen.

„Wir wollen heute auch einmal das lebendige Netzwerk deutlich machen, das es schon gibt“, so Pieper, der zudem die Hoffnung hegte, dass bei zahlreichen Gesprächen nach dem offiziellen Teil weitere Kontakte an extra aufgestellten „runden Tischen“ geknüpft würden. Der Bürgermeister mahnte einerseits vor Selbstüberschätzung bei der Hilfe, appellierte aber auch an alle, den eigenen kleinen Beitrag vor Ort zu leisten für eine Welt, die „immer mehr aus den Fugen zu geraten scheint“.

Was das für Menschen aus anderen Regionen des Erdballs bedeutet, erzählten sowohl ein aus Aleppo geflüchteter Syrer als auch die 40-jährige Afghanin Nasima Nasimi, die mit Hilfe von Schleppern vor den Taliban floh, dabei aber von ihrer Mutter, ihrem Mann und ihrem Sohn getrennt wurde und nun mit ihren beiden Töchtern in Telgte lebt. „Ich möchte Danke sagen. Wir fühlen uns gut integriert“, sagte Nasimi in erstaunlich gutem Deutsch den Zuhörern, die zu diesem Zeitpunkt nichts über ihr genaues Schicksal wussten. Erst im Gespräch mit unserer Zeitung gab sie an diesem Abend ein paar Details zu den Schwierigkeiten in Afghanistan preis. „Ich habe jetzt eine Praktikumsstelle“, sagte Nasimi mit einem Lachen, gestand aber später auch, dass ihr vor allem die lange Anerkennungsphase Sorgen bereite. Seit 17 Monaten ist sie in Deutschland. Über ihren Asylantrag wurde immer noch nicht entschieden.

Tanja Schnur präsentierte wenig später einige Ergebnisse der Umfrage, die die Verwaltung unter Flüchtlingen und denjenigen, die mit ihnen vermehrt zu tun haben, vorgenommen hatte. Dabei zeigte sich, dass vor allem die ehrenamtlichen Betreuer die erste Anlaufstelle für die Geflüchteten sind. Nahezu in allen Rückmeldungen der Flüchtlinge wurde die Hilfe der Freiwilligen herausgestellt. Mehr als drei Viertel der Flüchtlinge gab zudem an, sich vorstellen zu können, nach ihrer Anerkennung in Telgte zu bleiben.

Damit das möglichst reibungslos und vor allem erfolgreich gelingt, dafür wollen sich viele in der Stadt einsetzen. An einem Abend – und auch nicht an einigen Abenden – wird das nicht gelingen: „Integration braucht Zeit“, gab Tanja Schnur den Anwesenden mit auf den Weg. Pieper versprach derweil, dass die Verwaltung im kommenden Jahr ein praxisnahes Integrationskonzept vorlegen werde.

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