Der Instrumentenbauer
Jedes Flöte ist ein Unikat

Telgte -

Steffen Gabriel stellt Holzquerflöten für irische Musik her. 135 Flöten haben seit 2008 seine Werkstatt verlassen. Woher kommt seine Leidenschaft?

Sonntag, 24.12.2017, 07:12 Uhr

Steffen Gabriel in seiner Werkstatt: Mit der ersten Flöte, die unverkäuflich ist, und einer Flöte, die von ihm repariert werden muss.
Steffen Gabriel in seiner Werkstatt: Mit der ersten Flöte, die unverkäuflich ist, und einer Flöte, die von ihm repariert werden muss. Foto: Pohlkamp

Wenn in Irland Weihnachtslieder auf einem Holzblasinstrument gespielt werden oder dort unter dem Weihnachtsbaum als Geschenk eine Querflöte liegt, dann hat oft ein Telgter seine Hände im Spiel. Denn hier entstehen Holzquerflöten nach „irischer“ Bauart. Leidenschaft und Freude an irischer Musik ließen den 31-jährigen Telgter Steffen Gabriel zu einem begehrten Holzblasinstrumentenmacher und Musiker werden. 135 Querflöten hat er seit 2008 in seiner Werkstatt an der Einsteinstraße gebaut. Und jede trägt seine Initialen und eine Herstellernummer. Steffen Gabriel hat sich dieses Handwerk weitgehend selbst beigebracht. Dabei wurde er von Kollegen aus Deutschland, den USA und England, die Dudelsackbauer sind, unterstützt.

Zur Schule ist er in Telgte gegangen, das Abitur hat er 2005 am Maria-Sibylla-Merian-Gymnasium gemacht. Danach studierte er einige Semester Musikwissenschaft. Sein handwerkliches Talent gab den Ausschlag, das Studium abzubrechen, ab 2008 in die Musik stärker einzusteigen und Instrumente selbst herzustellen.

Bereits fünf Jahre nach seinem Start war der Werkstattraum zu klein. Es folgte im Spätsommer 2013 ein Neubau. Gabriels ursprüngliches Ziel war es, die Holzquerflöte aus technischer Sicht besser verstehen zu lernen. Er hat nach sechs Jahren Flötenbau Verbesserungen speziell an der Innenbohrung vorgenommen und diese in die Herstellung neuer Flöten einfließen lassen. Gabriel zeigt, wie ihm die Herstellung derartiger Instrumente inzwischen leicht von der Hand geht: „Mein Ziel ist es immer wieder, ein Instrument zu bauen, das über den gesamten Tonumfang leicht anzublasen ist, eine warme und große Tiefe sowie glockige Höhen und große dynamische und tongestalterische Möglichkeiten bietet.“

Für ihn bedeutet der Instrumentenbau Vergnügen und keine Arbeit. Jede von ihm herzustellende Flöte ist bereits beim ersten Handgriff verkauft. Er produziert nur dann Holzflöten, wenn ein Auftrag vorliegt. Acht Instrumente mussten noch vor Weihnachten ausgeliefert werden.

Mit Hilfe seiner Drehmaschine, seiner Drechselbank und seiner modernen Bohrfräsmaschine baut Steffen Gabriel die Flöten. Das Mundloch und die Tonlöcher werden von ihm mit größter Präzision und Sorgfalt unterschnitten. Jedes auf diese Weise hergestellte Instrument ist ein Unikat.

Gabriel beschreibt seine weitere Vorgehensweise: „Die äußere Formgebung des Instruments erfolgt auf der traditionellen Handdrechselbank. So sieht jedes Instrument trotz unveränderter akustisch relevanter Maße etwas anders aus als alle anderen.“

Für den Bau seiner Flöten setzt Steffen Gabriel tropische Harthölzer aus kontrolliertem Anbau ein. „Keine dieser Holzarten steht unter Naturschutz, und ich achte beim Einkauf darauf, nur einwandfrei nachverfolgbare Ware zu nehmen, die nicht wild geschlagen wird.“

Nach Gabriels Erfahrung nimmt das Material keinen Einfluss auf den Klang der Flöte: „Letztendlich schwingt die Luft im Innern der Flöte und nicht die Flöte selbst. Wie die Luft schwingen kann, wird von der Form des Instruments, also der Innenbohrung, dem Mundloch und den Grifflöchern beeinflusst. Fehlen noch die Zier- und Verstärkungsringe: „Diese Feinarbeit ist sehr aufwendig“, erzählt der Telgter. Ohne Maschineneinsatz werden diese aus massivem 935er Silber per Hand hergestellt.

Mit seiner handwerklichen Fertigkeit steigerte er auch sein Können als Musiker auf der irischen Holzquerflöte. Weihnachtslieder? „Ja klar, könnte ich auch spielen“, verrät der Musiker, der bereits mit drei Bands auf der Holzquerflöte auf Bühnen im In- und Ausland steht.

So hat Steffen Gabriel 2004 auf der Tin Whistle angefangen, irische Musik zu spielen. Die Querflöte folgte 2005, nachdem er sein erstes Instrument gebaut hatte. Ende 2008 gründete er mit drei Freunden die Folk-Band NUA und hatte mit der Besetzung recht schnell Erfolg in der deutschen Szene. 2010 nahm er mit NUA die Debüt-CD auf. Seit sieben Jahren gehört Steffen Gabriel auch der Band TRASNU an, mit der er inzwischen bei mehr als 100 Konzerten gespielt hat. Ein Jahr später trat er der dritten Band, COSÀN, bei. 2015 brachte Steffen Gabriel seine erste Solo-CD heraus.

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