Gemeinschaft Maria Stella Matutina
Handwerkliches Klosterleben

Telgte -

Die Schwestern der jungen Gemeinschaft Maria Stella Matutina leben und arbeiten seit Advent 2014 in Telgte.

Samstag, 13.01.2018, 14:01 Uhr

Buchkunst in Leder oder „Die Heiligen Drei Könige“ in Acryl gehören zu den zahlreichen Eigen-Produktionen des Klosters, zum Beispiel von Schwester Benjamin Elisabeth (l.) und von Schwester Blandine Elisabeth
Buchkunst in Leder oder „Die Heiligen Drei Könige“ in Acryl gehören zu den zahlreichen Eigen-Produktionen des Klosters, zum Beispiel von Schwester Benjamin Elisabeth (l.) und von Schwester Blandine Elisabeth Foto: Peter Sauer

Unruhig das Gewusel der Menschen in der Stadt, unbändig die Strömung der Ems am großen Wehr. Hinter den dicken Mauern der ehemaligen Getreidemühle beginnt indes eine wohltuende Entschleunigung, sobald sich die Tür zum Christoph-Bernsmeyer-Haus öffnet. Denn hier leben und arbeiten seit dem 1. Adventssonntag 2014 die Schwestern der Gemeinschaft Maria Stella Matutina (deutsch: „Morgenstern“).

Im Schatten der mächtigen Clemenskirche fühlen sich acht Glaubensschwestern aus Litauen, Österreich, der Niederlande und Frankreich sehr wohl. „Wir sind eine internationale Gemeinschaft“, sagt Schwester Blandine Elisabeth , „haben Kloster auf der ganzen Welt und Telgte ist ein schöner Wallfahrtsort.“ Eine Schwester kann jederzeit eine neue Mission empfangen und zu einem ihrer anderen Klöster aufbrechen. „Wir haben Gott unser Leben gegeben und gehen dahin, wo Gott uns braucht“, sagt die 29-jährige Schwester aus Österreich.

Zur missionarischen Berufung der Nonnen gehört es auch die Sprache des Landes, wo sie sich aufhalten, zu lernen. In der Nachfolge des heiligen Evangelisten Johannes wollen sie „Maria zu sich nehmen und mit ihr die Selbsthingabe Jesu an seinen Vater leben“.

Sie leben genau in jenem Haus in Telgte, in dem der Orden der Mauritzer Franziskanerinnen seine Wurzeln hat. Die Schwestern teilen die religiöse Sehnsucht mit eucharistischer Anbetung, Stundengebet, Lesen des Wortes Gottes und dem Studium der Philosophie und der Theologie. Insbesondere die Schriften von Aristoteles und Thomas von Aquin sorgen für wichtige Impulse – so steht es auch in einem Flyer der Schwestern.

Das Klosterleben verläuft ohne strenge Klausur. „Das Prinzip der Nächstenliebe ist uns sehr wichtig“, betont Schwester Blandine Elisabeth. Die Heilige Messe und andere Gebetszeiten in der kleinen Kapelle sind für jeden zugänglich, das Kloster offen für Menschen die beten wollen. Die Schwestern der Gemeinschaft Maria Stella Matutina organisieren auch Gebetszeiten speziell für Kinder oder Jugendliche. Es gibt für junge Mädchen und Frauen Möglichkeiten der klösterlichen Einkehr. „Sie sind immer willkommen“, sagt Schwester Benjamin Elisabeth . Es gibt auch Zimmer im Gästehaus. „Die jungen Leute haben eine große Sehnsucht nach der Wahrheit“, ergänzt Schwester Blandine Elisabeth. Die 38-Jährige stammt aus Frankreich: „Viele glauben nicht mehr, aber sie suchen etwas. Viele suchen den Sinn des Leben, wollen wissen, welche Dinge den Menschen und das authentische Leben ausmachen.“

Zur missionarischen Berufung der Schwestern gehört es auch, sich selber mit eigener Arbeit zu finanzieren. Die Schwestern und ihre Netzwerkpartner sind vielseitig orientiert: So bietet der hauseigene Klosterladen montags bis freitags von 14 bis 17 Uhr Lavendelprodukte, handgemachten Weihrauch, Konfitüren, Honig (zwei Schwestern haben neun Bienenvölker) Motivkarten, Rosenkränze, Kerzen, Leder- und Holzarbeiten, handgemalte Ikonen und liturgische Gewänder.

„Wir leben unser Gelübde der Armut auf konkrete Weise, auch indem wir mit unseren Händen arbeiten und das Haus selbst instand halten“, erläutert Schwester Benjamin Elisabeth, die unter anderem edle Leder-Buchhüllen mit Motiven des Kreuzweges herstellt. Jede Schwester hat ihren ganz persönlichen kleinen aber feien Werkstattbereich. Schwester Blandine Elisabeth zeichnet stimmungsvolle Bilder, die Kraft und Einkehr vermitteln, und macht auch viele Kalligraphien. „Auch unsere Kleidung und die Sandalen machen wir selbst“, erläutert sie. „Der Altar wurde aus einer alten Stalltür gebaut.“

Was im Gespräch mit den beiden Schwestern am meisten bewegt, ist die innere Ruhe, die sie ausstrahlen und ein warmes Lächeln in ihren Augen: „Gott will das wir glücklich sind“, sagt Schwester Benjamin und Schwester Blandine stimmt mit ein: „Man muss die Freude nur annehmen und teilen können“.

Beim Verlassen des Klosters verspürt man dann auch echte Entschleunigung. Der weltliche Trubel, der einen jetzt wieder hat, scheint deutlich leiser. Das innere Lächeln überwiegt.

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