Prozessauftakt
Brand während Panikattacke gelegt

Münster/Telgte -

Die Anklage lautet auf versuchten Mord, besonders schwere Brandstiftung und schweren Betrug. Am Freitag hat in Münster der Prozess gegen einen 21-Jährigen begonnen, der in einem Mehrfamilienhaus in Telgte Feuer gelegt haben soll. Vor Gericht legte er ein Teilgeständnis ab.

Freitag, 08.06.2018, 18:38 Uhr

Nach einem Brand in Telgte hat in Münster der Prozess gegen einen 21-jährigen Flüchtling aus Syrien begonnen.
Nach einem Brand in Telgte hat in Münster der Prozess gegen einen 21-jährigen Flüchtling aus Syrien begonnen. Foto: Große Hüttmann

In Anwesenheit einer Vielzahl von Medien begann am Freitag vor der Jugendstrafkammer der Prozess gegen einen 21-Jährigen aus Telgte. Auf der Anklagebank saß ein syrischer Flüchtling, dem die Anklage versuchten Mord, besonders schwere Brandstiftung und schweren Betrug zur Last legt.

Bevor der 21-Jährige zu seiner Person und zur Sache Angaben machte, hatte zunächst der Staatsanwalt das Wort: Demnach kehrte der Angeklagte nach Mitternacht am 1. Oktober 2017 von einem Besuch aus Münster nach Telgte zurück. Gegen 0.45 Uhr habe er in seiner Wohnung am Sperberweg an zwei Stellen Feuer gelegt und dadurch billigend den Tod der Hausbewohner in Kauf genommen. Die Flammen hätten auf das Gebäude übergegriffen, sodass die eingesetzten Rettungskräfte eine Person, die wegen der starken Rauchentwicklung auf den Balkon geflüchtet war, mittels Drehleiter retten mussten.

Zwei weitere Bewohner erlitten leichte Rauchgasvergiftungen. Andere konnten sich selbst ins Freie retten. Der Sachschaden am Gebäude wird mit 100.000 Euro beziffert. Für längere Zeit war das Haus unbewohnbar. Wie der Staatsanwalt weiter ausführte, wollte der Angeklagte durch die Brandstiftung an die zuvor von ihm abgeschlossene Hausratversicherung gelangen. Wenige Tage nach der Tat meldete er der Versicherung einen Schaden über 31.000 Euro, obwohl er wusste, dass er keinen Anspruch hatte.

Tränen bei Geschichte der Flucht

Die Versicherung habe dem Mann einen Vorschuss von 1000 Euro überwiesen und die Übernachtungskosten des Mannes, der die Rettungskräfte selbst alarmiert hatte, übernommen. Um den Tatverdacht von sich abzulenken, soll er sich eine Verletzung im Bauchbereich zugefügt haben.

Der knabenhaft aussehende und als intelligent geltende Angeklagte nahm die Anklagevorwürfe äußerlich emotionslos auf. Erst als der 21-Jährige über Misshandlungen und über die Flucht 2013 aus Syrien in die Türkei erzählte, ließ er seinen Tränen freien Lauf. Ab Januar 2016 wohnte er als anerkannter Flüchtling zunächst in Münster bis er 2016 nach Telgte zog. Wohl habe er sich dort gefühlt, sagte er.

Panikattacken nach Streit im Flüchtlingsheim

Nach seinen Darstellungen hatte er allerdings über dreißig Panikattacken. Die Ursache läge aber nicht in der Flucht aus Syrien, sondern in einer Auseinandersetzung mit einem Mitbewohner während seiner Zeit in einem Flüchtlingsheim in Münster.

In einer dieser Panikattacken habe er das Feuer gelegt, legte er ein Teilgeständnis ab, bestritt aber den Versicherungsbetrug. Der Prozess wird fortgesetzt.

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