Kundenbetreuerin aus Telgte
Lebensretterin auf Schienen

Telgte -

Die Telgterin Christine Schaier ist Kundenbetreuerin im Nahverkehr – und „Eisenbahnerin mit Herz“. Bei einer Zugfahrt von Haltern am See in Richtung Münster zeigte ein Fahrgast Symptome eines Herzinfarkts. Gemeinsam mit einem anderen Mann kümmerte sie sich um den Kranken.

Donnerstag, 14.06.2018, 20:00 Uhr

Christine Schaier aus Telgte ist eine „Eisenbahnerin mit Herz“. Bei einem Notfall im Zug hat sie zusammen mit einer anderen Person Erste Hilfe geleistet und damit das Leben des Betreffenden gerettet.
Christine Schaier aus Telgte ist eine „Eisenbahnerin mit Herz“. Bei einem Notfall im Zug hat sie zusammen mit einer anderen Person Erste Hilfe geleistet und damit das Leben des Betreffenden gerettet. Foto: DB

Wer mit der Bahn fährt, erlebt die unglaublichsten Geschichten. Abenteuer im Zug gehören zum Alltag. Allein DB Regio NRW befördert täglich rund eine Million Reisende ans Ziel. Das Verkehrsbündnis „Allianz pro Schiene“ sammelt die schönsten Reisegeschichten von Zugfahrenden und wählt daraus einmal im Jahr den „Eisenbahner mit Herz“. Für DB Regio NRW war in diesem Jahr die Kundenbetreuerin Christine Schaier aus Telgte nominiert.

Die Geschichte: Christine Schaier steigt als Kundenbetreuerin im Nahverkehr an einem Tag um kurz nach 6 Uhr morgens am Bahnhof Haltern am See in den Regionalexpress von Mönchengladbach nach Münster. Unmittelbar nach Dienstbeginn geht ein Notruf ein, aber niemand spricht. „Ich dachte zuerst, da wären ein paar Schüler mit ihren Taschen an den Notrufknopf gekommen“, erinnert Schaier sich.

Doch dann meldet sich eine Männerstimme, einem älteren Fahrgast gehe es nicht gut. Schaier eilt los und findet den älteren Herrn. Bei ihm ist der Fahrgast, der den Notruf gedrückt hat. Gemeinsam lagern Schaier und der Helfer den Rentner auf dem Teppich im Türeingangsbereich, um ihn bestmöglich zu versorgen.

Die Telgterin und ihr Helfer reden dem älteren Herrn gut zu und versuchen herauszufinden, was ihm fehlt. Die Symptome deuten auf einen Herzinfarkt hin. Der ältere Mann ist sichtlich nervös, doch die größte Sorge gilt seiner Frau. „Können Sie ihr Bescheid sagen? Und passen Sie auf meine Tasche auf?“, fragt er immer wieder. In der Tasche finden die beiden Helfer eine Gesundheitsakte für den Notfall. Der Herr ist Herzpatient: Ihm wurden Stents eingesetzt, also Gefäßstützen, die den Verschluss der Herzkranzgefäße verhindern sollen.

An der nächsten Haltestelle warten bereits die Rettungskräfte, doch bis dahin sind es noch einige Minuten. Schaier und ihr Helfer versuchen, den älteren Herrn abzulenken und stellen ihm abwechselnd Fragen: Der Mann ist über 80 Jahre alt und auf dem Weg zur Uni, wo er ein Seniorenstudium absolviert.

Während sich der Patient allmählich beruhigt, kommt erneut Hektik auf. Ein Hund springt Schaier immer wieder an. Sie bittet die augenscheinliche Besitzerin eindringlich, das Tier an die kurze Leine zu nehmen. Kurze Zeit später versorgen die Rettungskräfte den Mann. Schaier bleibt währenddessen bei ihm, ruft seine Frau an und erklärt ihr, was passiert ist.

Ein paar Monate später treffen sich Schaier, ihr Helfer und der ältere Herr zufällig im RE 42 wieder. „Da sind ja meine beiden Lebensretter“, begrüßt Letzterer die beiden. Es gehe ihm zum Glück wieder gut, erzählt er. Zum Studieren fährt er immer noch. Derweil beschnuppert ein Hund die Kundenbetreuerin. Es ist derselbe, der sie damals angesprungen hat. Wie sich rausstellt, gehört er dem Helfer: „Ich habe mich nicht getraut, zu sagen, dass es meiner war“, gesteht er. Um helfen zu können, hatte der Fahrgast die Leine einer Mitreisenden in die Hand gedrückt, die allerdings panische Angst vor Hunden hat, wie sich später herausstelle. Heute können darüber alle lachen.

Es ist der Helfer, der Christine Schaier für die Auszeichnung vorgeschlagen hat.

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