Telgte
Mo., 29.03.2010
Mehr als ein Lippenbekenntnis
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Telgte/Westbevern - Antonia (8) und Friedrich (9) laufen in der Werkstatt und den Büroräumen wie selbstverständlich umher. Nicht nur wie jetzt in den Osterferien können sie ihren Eltern Dorothee Stattmann und Hans Stumpe bei der Arbeit über die Schulter schauen. „Die steigen auch sonst schon mal eine Station eher aus dem Schulbus“, erklärt Hans Stumpe, der zusammen mit Dorothee Stumpe und Manfred Röwekamp eine Tischlerei in Raestrup leitet.
Kinder und Beruf, das scheint gut zusammen zu gehen - zumindest in Telgte und Westbevern. Denn die Tischlerei Hans Stumpe und die Bernd Münstermann GmbH sind nun von der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung im Kreis Warendorf (gfw) für ihre Familienfreundlichkeit ausgezeichnet worden (wir berichteten).
Wie kinder- beziehungsweise familienfreundlich der Raestruper Betrieb ist, förderte der Wettbewerb zu Tage: In der Kategorie bis zehn Mitarbeiter hat die Tischlerei den ersten Platz erreicht.
„Wir waren selbst sehr überrascht“, sagt Dorothee Stattmann, „denn eigentlich ist Familienfreundlichkeit für uns nichts Außergewöhnliches.“ Dennoch war die gfw begeistert davon, „wie flexibel und verständnisvoll“ auf verschiedene Lebenssituationen der Mitarbeiter eingegangen wird, heißt es in der Begründung der Jury. „Das Engagement der Geschäftsführung geht weit über das Normalmaß hinaus“, heißt es dort weiter.
„Wir hatten schon immer das Bestreben, familienfreundlich zu sein“, sagt Dorothee Stattmann. Das kommt nicht von ungefähr, denn bei der Übernahme der Tischlerei 2001 war Stattmann selbst gerade Mutter geworden. Das Zauberwort im Betrieb heißt Flexibilität. Wenn es sich irgendwie einrichten lässt, dann können die Mitarbeiter beispielsweise bei ihrem kranken Kind zu Hause bleiben. „Wir versuchen dann das entstandene Loch intern zu stopfen“, so Stattmann.
Sie selbst hat diese Flexibilität auch schon in Anspruch genommen: „Ich habe mir einige Wochen Zeit genommen, um mich um meine pflegebedürftigen Eltern zu kümmern.“ Dass den Inhabern des Betriebs das Wohl der Mitarbeiter am Herzen liegt und dass das nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, stellten sie unter Beweis, als eine Auszubildende aus Japan in dem Betrieb lernte. „Sie hat zuerst bei uns in der Familie gewohnt, um sich einzuleben. Als sie dann schwer erkrankte und ihre Eltern aus Japan anreisten, haben wir die bei uns auch einquartiert“, berichtet Stattmann. Aber auch im Kleinen zeigt sich die Familienfreundlichkeit: Da passt die Mitarbeiterin schon mal auf die Kinder der Kollegin auf, wenn „Not am Mann“ ist.
Hilfe in allen Lebenslagen - das geht nur mit den richtigen Mitarbeitern. „Wir führen viele Gespräche - auch über die familiäre Situation. Dazu wird aber natürlich niemand gezwungen“, so Dorothee Stattmann.
Schwierig seien flexible Arbeitszeiten lediglich bei den drei angestellten Gesellen. „Ich kann schlecht bei der Montage eines Wohnzimmerschranks zum Kunden sagen: So, es ist jetzt 12 Uhr, ich arbeite nur in Teilzeit und komme morgen wieder“, berichtet Hans Stumpe, dass man aber bei allem Idealismus eben auch realistisch bleiben müsse.
Bei allen Anstrengungen, flexible Lösungen zu finden, ergeben sich aber auch Vorteile: Die Arbeitsplätze werden durch Familienfreundlichkeit attraktiver. „Wir haben so viel bessere Möglichkeiten, an neue Leute zu kommen“, sagt Stattmann.
Viele Vorteile bei flexiblen Lösungen der Arbeitszeit sieht auch Magdalena Münstermann: „Unsere Mitarbeiter in Teilzeit sind sehr motiviert und teilen sich ihre Zeit sehr verantwortungsbewusst ein.“ Die Firma Münstermann erhielt einen Sonderpreis, der nicht nur die Familienfreundlichkeit, sondern auch das Engagement darum und die Vorbildfunktion auszeichnet. Aktuell nimmt das Westbeverner Unternehmen an einem Pilotprojekt der gfw teil, bei dem eine Zertifizierung für familienfreundliche Unternehmen erarbeitet wird.
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