Mo., 20.12.2010

Warendorf Tanz der Teufelchen

Von Axel Engels

Warendorf - Unter Weihnachtsmännern hat sich der Duisburger Kai Magnus Sting schon längere Zeit rumgetrieben. Welche Erfahrungen er dabei gemacht hat, welche größtenteils irrsinnigen Gedankensprünge ihm dabei gelungen sind und welch dramatische Zuspitzung sich im Advent bis zum heiß geliebten und auch gehassten Fest der Feste ergibt, davon erzählte er am Freitag im bis auf den letzten Platz besetzten Paul-Schallück-Saal des Theaters am Wall.

Gemeinsam mit drei Kollegen von der musikalischen Zunft war er in Warendorf eingefallen, um in sekundenschnellen Angriffen die Lachmuskulatur des Publikums zu malträtieren. Hass, Wut, Neid, Missgunst und nicht zuletzt das allgegenwärtige Völlegefühl verband er mit dem Fest der Gefühle, aber eben auf seine ganz eigene skurrile Art. Damit man ihn besser folgen konnte auf seinen kabarettistischen Abwegen, gab er erst einmal eine gründliche Einführung in Wesen und Sprache des Ruhrgebietler. Aber Vorsicht war geboten. Bei seinen teils intellektuell eingefärbten Eskapaden musste man nicht nur gelegentlich sogar mitdenken. Aber da zeigte es sich auch, dass schließlich eine humanistische Bildung für etwas gut sein muss, auch wenn man sie im tiefsten Kohlenpott erhalten hat.

Als praktizierender Moderator wäre er als Stadionsprecher bestimmt genauso einsatzfähig, seine Schilderung eines Kochduells zwischen Sabine und ihrer Schwiegermutter hatte da schon Kultpotenzial. Verwandtenbesuche bis Ostern und Weihnachtsgeschenke nach dem Geschmack von Tante Frieda, da wurde selbst das gehasste Marzipan zur bitteren Pille, die einem Weihnachtsmuffel schon die Freude versauern konnte. Warum gibt es schon Ende August Lebkuchen im Supermarkt? Warum schenken alle immer das falsche? Warum müssen sich immer die Männer um den Weihnachtsbaum kümmern, ihn besorgen und schmücken? Und warum machen sie es immer falsch? Diese letzten Geheimnisse offenbarten ihre ganze Dramatik bei dem Schnellsprecher Kai Magnus Sting. Gelöst hat er sie leider nicht, er wollte ja auch nur bestens unterhalten und nicht aufklären. Kai Magnus Sting konnte nicht nur durch seinen messerscharfen Blick in die Privatsphäre bundesdeutscher Tannenbaumbesitzer glänzen, er legte natürlich auch den salzbestreuten Finger in die offenen Wunden der politisch Großköpfigen von der Bundeskanzlerin bis zum Außenminister. Verflechtungen zwischen Wirtschaft und Politik auf höchster Ebene erweckten da sein Interesse, mit lustvoll geschwungenem Seziermesser zerlegte er einfach jede Person des öffentlichen Interesses. Zwischen dem wortgewandten Drama des Festes in all seinen Facetten hatten sich die drei Duisburger Philharmoniker der weihnachtlichen Weisen mit fast bitterbösen Absichten angenommen. Das Schlagzeug von Johannes Klingebiel , die Oboe von Martin Schie und das Fagott von Laszlo Kerekes wurden zu Waffen im Kampf gegen die heimelige Kuschelszenerie aus idyllischem „Kling-Glöckchen“ und „Leise rieselt der Schnee“. Da musste einfach alles herhalten im Wettstreit um das niveauvollste Weihnachtsarrangement. Die Invention Nr. 1 C-Dur von Johann Sebastian Bach gab sich ein Stelldichein mit dessen c-Moll Präludium, schauten frohlockend Themen aus Händels „Messias“ vorbei und trafen da auf Glenn Miller und Gershwin. Dazu gab es eine Prise „Take five“ von Dave Brubeck und „Smoke on the Water” von Deep Purple. Köstlich war dieses musikalische Menü. Man konnte etwas zu Atem kommen, die rasanten Rundumschläge des wortgewaltigen Mannes aus dem Revier nachwirken lassen. An diesem Abend durften nicht die Engelein singen im Theater am Wall, da tanzten die kleinen Teufelchen im zauberhaften Reigen.

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