30 Jahre Galeriekonzerte
Mo., 06.02.2012
Nomos-Quartett lässt Saiten zittern
Das Nomos Streichquartett aus Hannover mit Martin Dehning (1. Violine), Birte Päplow (2. Violine), Sabine Pfeiffer (Violoncello) und Frederike Koch (Viola) (v l.) begeisterte das Warendorfer Publikum.
Warendorf -
Große Musik für ein großes Jubiläum: die hochkarätige Konzertreihe ist stolze dreißig Jahre alt geworden. Herzlichen Glückwunsch.
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Dass das Galeriekonzert-Team seinem treuen Publikum vor allem erlesene Kammermusik der letzten drei Jahrhunderte kredenzt, ist ein erprobtes und erfolgreiches Rezept. Das will aber nicht heißen, es ginge nur um „Schönklang“. Oder um Musik, bei dem der Fuß gemächlich im Takt mitwippt. Der käme bei Mozarts „Dissonantenquartett“ ohnehin in Schwierigkeiten, jedenfalls zu Beginn, wenn der Meister seine Töne kreuz und quer hin und her schiebt – Vorspiel zu einer Klangexplosion, die mit enormer musikalischer Tiefe aufwartet und einen unglaublichen Reichtum an Gedanken offenbart.
Mit Schuberts Quartettsatz c-Moll ist diese freundliche Mozart-Stimmung schon bald hinweg geweht. Da nämlich lässt das Nomos-Quartett die Saiten zittern und beben, entwirft geradezu bildhaft ein Panorama aus balsamisch leuchtendem Licht und frostigem Schatten. Auch wenn die dynamische Kraft dessen, was da an Klanggeschehen formuliert wird, eine durchaus größere Bandbreite, eine weiter ausschwingende Amplitude bekommen dürfte.
Das gilt eigentlich auch für Ludwig van Beethovens unerhörtes Streichquartett a-Moll op. 132. Unerhört, weil sich die kompositorischen Verstiegenheiten seines Schöpfers längst nicht beim ersten Hören erschließen. Das Verwegene beginnt gleich mit dem ersten Takt des Kopfsatzes und gipfelt im zentralen Choral („Heiliger Dankgesang“). Völlig ohne Vibrato gebiert das Nomos-Quartett hier eine archaische Welt, in der es seinen gediegenen Streicher-Klang wirklich zelebrieren kann. Das Schroffe, das Unbequeme, das Beethoven vor- und nachher seinen Hörern geradezu vor die Füße wirft – das bleibt in der Lesart der vier Solisten eher gedeckelt. Anders ausgedrückt: wie wär’s, den Klang mal wirklich ganz auf zu machen, in die Vollen zu steigen? Und nebenbei auch das Problem der immer sehr lang nachschwingenden tiefen Cello-Saite in den Griff zu bekommen. Deren Eigenleben führt mitunter zu seltsamen harmonischen Phänomenen. Das Publikum war begeistert, Blumen gabs – und viele Glückwünsche für viele weitere erfolgreiche Galeriekonzert-Jahre.